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Ressort Sport
Erschienen am 14.08.2009 00:00
Ein Duell mit dem Weltmeister
Schach | 14-jähriger Wunsiedler Oliver Zier trifft am 22. August in Zürich auf Garry Kasparow. Auch Ziers 18-jährige Schwester Verena ist bei dem großen Jubiläumsturnier in der Schweiz mit von der Partie.
Von Steffi Eckl

Oliver Zier Bild vergrößern
Freut sich auf Garry Kasparow: Oliver Zier aus Wunsiedel.
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Der 22. August wird ein ganz besonderer Tag in der noch jungen Karriere des Wunsiedler Schachspielers Oliver Zier: Er trifft beim Jubiläumsturnier der Schachgesellschaft Zürich auf keinen geringeren als den 15 Jahre ungeschlagenen Weltmeister und siebenfachen Gewinner der Schach-Olympiade, Garry Kasparow. Der russische Großmeister gilt als stärkster Schachspieler aller Zeiten.

Bei dem Turnier in der Schweiz spielen neben Kasparow noch sieben Weltklasse-Schachspieler gegen 200 Amateure. Oliver Zier hat es durch ein Internet-Quiz unter die 100 besten Bewerber geschafft und sich somit für das Champions- Simultan-Turnier in Zürich qualifiziert. Und Zier hatte auch Losglück: Er wurde mit 25 anderen Schachspielern Garry Kasparov zugeteilt.

"Es ist für mich eine große Ehre, mit ihm an einem Schachbrett sitzen zu dürfen. Solch ein Erlebnis wird sich wahrscheinlich nie mehr wiederholen", sagt der 14-jährige Schachspieler. Eine direkte Vorbereitung mit speziellen Trainingseinheiten auf das Turnier sei jedoch unmöglich, es komme alleine auf den ersten Zug Kasparows an. Der ist entscheidend für die weitere Partie, macht Oliver Zier deutlich. Kasparow wird dann rotierend von Brett zu Brett gehen und mit den 25 Herausforderern parallel spielen. Diese haben jeweils solange Zeit, ihren Zug zu setzen, bis der Großmeister wieder am jeweiligen Brett angelangt ist.

Auf die Frage, ob es möglich sei, Kasparow zu schlagen, schmunzelt Oliver nur. Auch für seine Schwester Verena Zier ist der 22. August von sehr großer Bedeutung. Sie hat nach den neusten Meldungen die einmalige Chance erhalten, für den beruflich verhinderten Vorsitzenden des Forchheimer Schachclubs beim Champions-Simultan einzuspringen. Ihr Gegner wird der bulgarische
FIDE-Weltmeister Topalov Veselin sein. Der gefürchtete Angriffskünstler Topalov gehört wie auch Kasparow zu den vier Weltbesten der Schachgeschichte. Das Turnier in Zürich bleibt aber nicht der einzige Höhepunkt in der kommenden Zeit für Oliver. Schon eine Woche später reist er mit seiner Schwester Verena zur Europameisterschaft nach Ferno in Italien. Begleitet werden die beiden von ihrem Vater Ludwig Zier, der selbst viermal deutscher Meister im Blindenschach war. Er steht den beiden sowohl als Trainer und auch als seelische Unterstützung bei allen Turnieren zur Seite.

Damit hat sich die Frage, wodurch Oliver die Faszination zum Schach entdeckt hat, schon fast beantwortet. Seine Schwester Verena konnte schon mit zwei Jahren die Schachfiguren aufstellen, und Oliver hat die Liebe zum Schach mit sechs Jahren entdeckt, erzählt der Vater stolz. Jetzt gehört Oliver zu den drei besten Schachspielern in Deutschland in seiner Altersklasse. Er hat sich somit für die Europameisterschaft in Italien qualifiziert. Dort werden etwa 800 Schachspieler aus 54 Nationen an den Start gehen und um die Medaillen kämpfen. Unter ihnen ist auch der Neffe der bulgarischen Fußballstars Dimitar Berbatow.

Um einen guten Platz zu erreichen, trainieren Oliver und Verena täglich mindestens zwei bis drei Stunden - vor allem um die Konzentration zu steigern und um ihr Zeitmanagement zu verbessern. Es ist wichtig, für kritische Situationen mehr Zeit einzukalkulieren und einfachere Züge schnell abzuwickeln, sagen die beiden. Eine der Wettkampfbestimmungen lautet: mindestens 40 Züge in zwei Stunden zu schaffen, um nicht vorzeitig auszuscheiden. Olivers persönliches Ziel ist es, mindestens 50 Prozent der möglichen Punkte zu erreichen und somit unter die ersten 50 Platzierten der 131 gemeldeten Spieler seiner Altersklasse zu kommen. Dieselbe Zielsetzung gilt auch für seine Schwester Verena, die mit 51 weiteren Damen um den Titel des Europameisters kämpft.

Nach der Europameisterschaft kehrt erst einmal Ruhe im Hause Zier ein. Jedoch nur bis zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Dezember, die Oliver mit seinem Verein, dem SC Forchheim, bestreiten wird. Bei den Forchheimern spielt er momentan in der Regionalliga am zweiten Brett.

Aber wer weiß, vielleicht ändert sich nach einem Sieg am 22. August gegen Garry Kasparow einiges.

 
 

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