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Rarität in der Männerdomäne Film

Mit 24 Jahren gehört Ella Cieslinski zu den jüngsten Regisseuren bei den Hofer Filmtagen. Dabei repräsentiert sie eine seltene Spezies: Denn Filme von Frauen sind nach wie vor eher Mangelware.



Ella Cieslinski ist aufgeregt: Zum ersten Mal darf sie ihr "Baby" den Kurzfilm "Fou de toi" bei einem großen Festival zeigen.	Foto: Juravel
Ella Cieslinski ist aufgeregt: Zum ersten Mal darf sie ihr "Baby" den Kurzfilm "Fou de toi" bei einem großen Festival zeigen. Foto: Juravel  

Hof - Ella Cieslinski gehört zu den Menschen, die Licht und Wärme ausstrahlen. Wenn die 24-Jährige redet, hört man ihr gerne zu, weil es ihr so leicht fällt, Charisma zu versprühen. Dabei bleibt sie immer auf dem Boden der Tatsachen, ohne in jugendliche Naivität abzurutschen: "Ich weiß, dass ich mir einen schweren Beruf ausgesucht habe, der dazu noch von Männern dominiert wird."

Tatsächlich gehört die Münchnerin zu einer seltenen Spezies in der Filmbranche. Nur 15 Prozent aller deutschen Kino- und Fernsehfilme werden von Frauen gemacht. Dabei sind 42 Prozent der Filmhochschul-Abgänger weiblich. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Rostock. "Ich weiß auch nicht, warum in Deutschland so wenig Frauen Regie führen. Es ist wirklich ein Jammer", sagt Cieslinski, die an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert.

Umso mehr freut es die junge Frau, die schon in Frankreich, Brasilien und Uruguay gelebt hat, dass sie mit ihrem Kurzfilm "Fou de toi" bei den Hofer Filmtagen dabei sein darf. Dabei hätte sie die Bewerbungsfrist um Haaresbreite verpasst: "Ich habe erst einen Tag vor dem Einsendeschluss erfahren, dass Heinz Badewitz Kurzfilme sucht." Ein Freund hat sie überredet, ihren Film einzureichen. "Ich hatte zuerst Zweifel, ob ich mich überhaupt bewerben soll, denn normalerweise werden nur Filme von Regie-Studenten genommen, ich dagegen studiere Drehbuch", erklärt die aufgeweckte junge Frau. Ihr Kurzfilm war an der Hochschule auch ein Sonderprojekt: "Ich hätte es gar nicht machen müssen, aber ich wollte es unbedingt."

Im Juli hat sie dann erfahren, dass sie nach Hof darf. "Ich habe mich so unendlich gefreut, schließlich sind die Hofer Filmtage ein so großes und wichtiges Festival in Deutschland, noch dazu ein super Sprungbrett für junge Filmemacher, wie mich." Zweimal wird ihr "Baby" in Hof gezeigt. "Ich hoffe, dass mein Kurzfilm die Leute berührt, darum geht es mir beim Filmemachen", unterstreicht sie. In ihren Film habe sie nicht nur Zeit und Geld investiert, sondern auch ganz viel Herzblut. "Beim Filmemachen gebe ich mich vollkommen hin, schließlich will ich mich mit meinen Werken identifizieren können", betont Cieslinski. Einen Film nur wegen des kommerziellen Erfolgs zu machen, kann sich die Münchnerin nicht vorstellen: "Das wäre nicht ich."

Nächstes Jahr schließt Cieslinski ihr Drehbuch-Studium in München ab. Was dann auf sie zukommt? "Keine Ahnung, ein bisschen Angst habe ich schon, diesen Kokon zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen." Am liebsten würde sie als Regisseurin durchstarten und auch lange Spielfilme drehen: "Auch wenn ich weiß, dass Frauen es hier besonders schwer haben, meinen Traum werde ich nicht aufgeben."

Ich hoffe, dass mein Kurzfilm die Leute berührt, darum geht es mir beim Filmemachen.

Ella Cieslinski,

Drehbuchautorin und Regisseurin

 
Kurzfilm

"Fou de toi" ist der dritte Kurzfilm von Ella Cieslinski, aber der erste, der auf einem Festival gezeigt wird. Darin geht es um eine junge Frau, die ihre eigene Sexualität entdeckt und sich plötzlich zu ihrem Bruder hingezogen fühlt.

Die erste Vorstellung findet am Mittwoch, 22 Uhr, im Central-Kino statt. Die zweite folgt am Freitag, 12 Uhr, ebenfalls im Central-Kino.

Autor
Alina Juravel

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2015
00:00 Uhr

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22. 10. 2015
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