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Wie Wirtschaft und Kultur voneinander lernen

Beim Filmtage-Event der Unternehmerinitiative Hochfranken wird deutlich: Ein Filmfestival-Leiter ist ein Manager und ein Unternehmer ist ein Regisseur.



Nach dem Stehempfang mit Sekt: Die Zuschauer warten im Saal gespannt auf die Verleihung des Hans-Vogt-Filmpreises und die Filme.	Foto: Thomas Neumann
Nach dem Stehempfang mit Sekt: Die Zuschauer warten im Saal gespannt auf die Verleihung des Hans-Vogt-Filmpreises und die Filme. Foto: Thomas Neumann  

Hof - Wirtschaft und Kultur bereichern sich gegenseitig. Das unterstrichen am Mittwochabend alle Beteiligten im Hofer Scala-Kino. Dort trafen sich Unternehmer, Mitarbeiter, Freunde und Geschäftspartner von 25 Unternehmen aus der Region, die sich gemeinsam zur Unternehmerinitiative Hochfranken zusammengeschlossen haben. Seit nunmehr 15 Jahren fördert diese Initiative die Hofer Filmtage. Als Dankeschön lädt das Filmtage-Team die Unterstützer jährlich zu einem Kinoabend ein.

Bevor der Vorhang fiel, erläuterte Jürgen Werner, Sprecher der Unternehmerinitiative, im Gespräch mit der Frankenpost beim Sektempfang im Foyer des Kinos, weshalb die beteiligten Firmen die Filmtage unterstützen: "Das Erbe von Heinz Badewitz reicht Jahrzehnte zurück. Die Unternehmerinitiative hat früh erkannt: Das Film-Festival ist eine Perle." Es sei eine einzigartige Marke für die Stadt und die Region, was Einheimischen oftmals gar nicht bewusst werde. "Es mag kurios klingen: Das gute Image der Filmtage ist wahrscheinlich außerhalb Hofs noch verbreiteter als in der Stadt selbst." Durch das Sponsoring der Filmtage wolle man eben diese Strahlkraft der Region stärken.

Schließlich sei nun einmal die Attraktivität eines Standorts für ein Unternehmen maßgeblich: "Wir als Firmen haben uns lange Zeit schwergetan und uns gefragt: Wie locken wir denn Fach- und Führungskräfte in eine Region wie die unsere? Und was braucht es, damit die Mitarbeiter die Region auch langfristig toll finden?" Es genüge eben nicht, wenn der Job und das Unternehmen selbst attraktiv wirken. Gerade für die jüngeren Leute sei es eben auch wichtig, dass in der Region in Sachen Kultur und Freizeit etwas los ist.

Werner, Geschäftsleitungsmitglied der Rehau-Gruppe, ergänzt: "In unserer Belegschaft sind die Hofer Filmtage eines der kulturellen Highlights im Jahr. Da gibt‘s Cineasten, die sich nahezu jeden Film anschauen. Die sagen dann: "Toll, was es hier gibt. Danach sucht man in anderen Städten vergebens.‘"

Die Filmtage böten für die Mitarbeiter aber weit mehr als reine Unterhaltung. Eine Führungskraft kann laut Werner allerlei von Künstlern wie etwa Regisseuren lernen: "Kreativität, offenes Denken, andere Perspektiven einnehmen. Solche Eigenschaften sind heute wichtiger denn je. Umgekehrt müssen Künstler für eine Veranstaltung wie die in Hof wirtschaftliche Rahmenbedingungen beachten und sich vor Augen führen: ‚Ich kann nur dann wachsen und mich entfalten, wenn auch die Zahlen stimmen.‘" In Hof funktioniere das sehr gut, stellt Werner klar, der die Arbeit des künstlerischen Leiters, Thorsten Schaumann, lobt.

Auch für den ist eine enge Verzahnung der Bereiche Wirtschaft und Kultur unabdingbar. Die Organisation eines Filmfestivals bedeute einen hohen Aufwand an Management. Schaumann, selbst Diplom-Ökonom und Bankkaufmann, erläutert im Gespräch mit der Frankenpost weiter: "Unser Produkt ist im Grunde der Film. Wir können von Firmen lernen, wie man den Unternehmergeist in einem Kulturbetrieb stärker etabliert." So wie Unternehmen sich den stetig verändernden Marktgegebenheiten anpassen müssen, müssten sich auch die Hofer Filmtage fortlaufend verändern: "Für mich ist der Weg das Ziel. Man muss immer vorangehen; beispielsweise beschäftigen wir uns mit neuen Technologien wie Augmented und Virtual Reality. Wir arbeiten mit Digital-Plattformen zusammen. In diesem Jahr haben wir erstmalig eine Web-Serie als Deutschland-Premiere im Programm."

Das sich stets verändernde Festival belebe wiederum den Wirtschaftsstandort Hof immer wieder aufs Neue. "Die Gäste übernachten in den hiesigen Hotels, essen in den Restaurants, fahren hier Taxi."

Wie sich Kultur und Wirtschaft gegenseitig befruchten können, betonte auch Dr. Hanns-Peter Ohl, Geschäftsführer der Netzsch-Gruppe mit Stammsitz in Selb, beim Sektempfang vor dem Kino-Event im Gespräch mit der Frankenpost : "Ein Künstler schafft es, regelmäßig über den Tellerrand zu blicken. Auch uns als Unternehmer tut es gut, wenn wir nicht nur unseren vergangenen Ideen folgen, sondern neue Sichtweisen einnehmen."

Anschließend bedankte sich Thorsten Schaumann auf der Bühne bei der Unternehmerinitiative für die finanzielle Unterstützung. Im Gegenzug versprach Jobst Wagner, Präsident der Rehau-Gruppe und Mitbegründer der Unternehmerinitiative, in seiner Begrüßung: "Wir werden auch in den nächsten Jahren die Hofer Filmtage unterstützen. Es ist wichtig, Kontinuität zu wahren." Jährlich fördere man die Hofer Filmtage mittlerweile mit 54 000 Euro. Über die 15 Jahre sei ein Betrag von etwa 600 000 Euro zusammengekommen, berichtete Wagner.

Danach sahen die Mitarbeiter und Freunde der 25 beteiligten Firmen zunächst den Kurzfilm "Paris you got me". Es folgte der Eröffnungsfilm "Glück ist was für Weicheier". Während des Kino-Events der Unternehmerinitiative hatte Bürgermeister Michael Abraham den Hans-Vogt-Filmpreis der Stadt Rehau an Regisseur Veit Helmer verliehen.

Autor
Georg Jahreis

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Veröffentlicht am:
25. 10. 2018
22:57 Uhr

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