150 Jahre Wärschtlamo Traditionelles Hofer Fast Food feiert Geburtstag

Schon das ganze Jahr über lässt die Stadt den Hofer Wärschtlamo anlässlich des 150. Jubiläum hoch leben. Am Montag fand der offizielle Festakt statt. Eva Döhla schlüpfte für kurze Zeit selbst in die Rolle des Wurstverkäufers.

Hof - Ein lautes, aber kurzes Knacken, aufsteigender Rauch aus einem goldglänzenden Kessel und die häufige Verwendung des Wortes „Sempft“ – na, an was denken Sie? Alle sechs Wärschtlamänner kamen am Montagvormittag im neuen Rathaus-Innenhof zusammen, um mit den Hofern ihr 150. Jubiläumsjahr zu feiern. Das Jubiläum wird in der Saalestadt schon das ganze Jahr über zelebriert, und doch sollte es noch einmal ein richtiges Fest anlässlich der weltweit einzigartigen Tradition geben. Oberbürgermeisterin Eva Döhla schlüpfte zur Jubiläumsfeier für kurze Zeit selbst in die Rolle eines Wärschtlamos – oder besser einer Wärschtlafraa – und verteilte Wienerla an die begrenzte Anzahl an Gästen. „Ich wollte gar nicht mehr aufhören“, sagt sie nach ihrem Einsatz und lacht. Ihr neuer Traumjob? „Mal schauen. Vielleicht irgendwann mal“, scherzt sie weiter.

Ein neues Wärschtlamo-Logo, Aufkleber, eine eigene Praline sowie Schokolade, ein Williams Christ in Wärschtlamo-Optik, eine Sonderausstellung unter dem Namen „Mit oder ohne Sempft?“ im Museum Bayerisches Vogtland und noch vieles mehr: Die Saalestadt ließ sich in diesem Jahr nicht lumpen und ließ ihren geliebten Wärschtlamo hoch leben. Rund 35 000 Euro hat die Stadt Hof laut dem Wirtschaftsförderer Klaus-Jochen Weidner für das Jubiläumsjahr in Pandemiezeiten eingeplant. „Unter anderen Umständen hätten wir uns eine größere Feier in der Freiheitshalle vorstellen können, an der auch die Bevölkerung hätte teilnehmen können“, sagte Weidner. Doch das sei mit der unsicheren Lage und der Planung vorab nicht zu vereinbaren gewesen. Die geplante Summe habe aber trotzdem ihre Verwendung gefunden in all den bereits durchgeführten und noch kommenden Attraktionen.

Zu den Rednern des Festaktes zählten neben Oberbürgermeisterin Eva Döhla der Bezirksheimatpfleger Günter Dippold und Stadtarchivar Arnd Kluge. Die beiden Herren gingen auf den geschichtlichen Hintergrund des Hofer Wärschtlamos und der oberfränkischen Wärscht ein. Dippold erzählte von den Anfängen: „Anders als in Coburg bei der Bratwurst musste sich der Wärschtlamo nicht durch den Geruch Bekanntheit verschaffen, sondern durch seine Stimme.“ Er ergänzte: „Die Wärschtlamänner verkauften damals quasi Fast Food. Sich schnell ein paar Wiener in die Hand mitzunehmen, war zu der Zeit noch nicht so üblich wie heute. Aber es war kein Junkfood – auf deutsch: Schnellgerichte mit schlechten Inhaltsstoffen – was die Männer verkauften. Die Waren standen schon immer für Qualität.“

Stadtarchivar Kluge berichtete unterdessen von den Hoch-Zeiten der Wärschtlamänner nach dem zweiten Weltkrieg. 30 Wurstverkäufer habe es damals gegeben. Doch recht schnell kamen nach und nach Imbissbuden, Fertiggerichte von Bäckern und Metzgern sowie Fast-Food-Ketten dazu, die eine starke Konkurrenz waren. Neben dem informativen Teil umrahmte die Band Waldschrat das Fest am Vormittag musikalisch.

Auch die sechs aktuellen Hofer Wärschtlamänner kamen bei der Veranstaltung zu Wort. Sie erzählten von ihrem einzigartigen Beruf und den Sonnen- und Schattenseiten davon: „Wir stehen sowohl bei minus zehn Grad draußen als auch bei plus 35“, sagte Cetin Samat. Es stecke mehr hinter dem Job, als so manche denken, erklärt er. „Viele fragen sich, was am Wärscht verkaufen denn so schwierig sein soll. Doch da steckt eine Menge Durchhaltevermögen dahinter und natürlich das Wichtigste: Spaß.“ Samat könnte sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Da schließen sich auch seine fünf Kollegen an. Viele von ihnen sind schon über zehn oder 20 Jahre in dem Beruf tätig. Das Schönste für sie: „Wir lernen immer neue Leute kennen und sind im ständigen Austausch mit den Hofern.“ Marcus Traub ergänzt: „Oft weiß man nicht wie die Kunden heißen, aber ganz genau, was sie essen wollen. Man ist nicht nur Wärschtlamo, sondern manchmal auch Kummerkasten.“

Doch wird es den Wärschtlamo auch noch in 150 Jahren in Hof geben? Die Stadt möchte alles daran setzen, die Tradition zu bewahren, wie Eva Döhla in ihrer Rede betonte. Und doch komme es stark auf die Kundschaft an. „Wir müssen die Attraktivität der Stadt hochhalten, damit mehr geht. Ohne ausreichend Kundschaft können wir uns nicht halten“, sagten Samat, André Rochon und Detlef Büttner. „Im Moment langen sechs Wärschtlamänner in Hof aus, ein Siebter könnte sich nicht lange halten“, meint Samat. „Und noch möchten wir ja alle noch nicht aufhören“, fügte er hinzu. Es werde also noch dauern, bis Nachfolger gesucht werden.

Einen ersten Einblick in die Welt des Wärschtlamos erhielten am Montag auch Eva Döhla und ihre Stellvertreterin Angela Bier. Die beiden Damen verteilten das erste Mal selbst die Wärscht an die Gäste. „Es hat wirklich Spaß gemacht. Aber es ist schwieriger, als man denkt, dass die Wärscht richtig im Breedla halten und der Sempft richtig platziert ist“, scherzt Döhla anschließend.

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