Bei Zell Falter am Haidberg

red
Diesen Großen Schillerfalter konnte die Biologin Anja Hager bei der Exkursion des Landschaftspflegeverbands am Haidberg den Teilnehmern zeigen – und ließ ihn danach unversehrt wieder frei. Foto: Landschaftspflegeverband

Am Haidberg in Zell gibt es etliche Schmetterlingsarten – aber weniger, als man erhoffen könnte. Der Landschaftspflegeverband beobachtet den generellen Rückgang vieler Arten.

Es hüpft und fliegt am Haidberg bei Zell: Dass der Haidberg als Schutzgebiet eine außergewöhnliche Lebensraum- und Pflanzenzusammensetzung beherbergt, ist weithin bekannt. Neueste Erkenntnisse aus dem Serpentinitprojekt des Landschaftspflegeverbands Landkreis und Stadt Hof haben die Bedeutung des Gebietes für zahlreiche gefährdete Falter- und Heuschreckenarten herausgestellt; darüber berichtet der Landschaftspflegeverband in einer Mitteilung.

Der Haidberg ist einer der Serpentinit-standorte im Landkreis Hof, der aktuell im Rahmen des Biodiversitätsprojektes „Lebende Extreme auf Blauem Fels – Das Serpentinitprojekt in Nordostoberfranken“ des Hofer Landschaftspflegeverbands genauer unter die Lupe genommen wird. Detaillierte Untersuchungen während der Erstellung des Managementplans zum FFH-Gebiet „Serpentinitstandorte am Haidberg südwestlich Zell“ zeigten die Vorkommen von seltenen Pflanzenarten wie dem Grünen Streifenfarn, der Arnika oder dem Deutschen Ginster auf.

Ziel des aktuellen Projekts ist es unter anderem herauszufinden, ob auch die Fauna von den außergewöhnlichen Lebensräumen auf dem seltenen, schwermetallhaltigen Serpentinitgestein profitiert. Deshalb wurden verschiedene Artengruppen untersucht. Im vergangenen Jahr wurden Tag- und Nachtfalter kartiert; dieses Jahr liegt der Fokus auf Reptilien.

Für Interessierte gab es kürzlich die Möglichkeit, an einer Schmetterlings- und Heuschrecken-Exkursion am Haidberg teilzunehmen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte die Biologin Anja Hager die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die hüpfenden und fliegenden Insekten vor Ort begeistern. Viele Schmetterlinge gab es zu keschern, jedoch nur in wenigen Arten. Unter anderem flogen zahlreiche Braunaugen, aber auch einige Schillerfalter, die alle nach der Bestimmung wieder freigelassen wurden.

Die Kartierergebnisse aus dem vergangenen Jahr spiegeln dieses nur mäßige Artenspektrum wider. „Insgesamt können wir überall einen generellen Rückgang vieler Arten betrachten“, erklärte Anja Hager. Dies liege unter anderem an fehlenden Lebensraumstrukturen und einem Mangel an Futterpflanzen für die Falter und ihre Raupen. Unter den 25 auf dem Haidberg gefundenen Tagfalterarten wurden nichtsdestotrotz fünf Arten festgestellt, die auf der Roten Liste Bayerns geführt werden, unter anderem der Wachtelweizen-Scheckenfalter und der Violette Feuerfalter. Auch einige gefährdete Heuschreckenarten waren zu finden, darunter der Heidegrashüpfer und der Kleine Heidegrashüpfer. Daraus kann geschlossen werden, dass der Haidberg und auch die anderen Serpentinitstandorte als wichtige Lebens- und Rückzugsräume für selten gewordene und teilweise stark gefährdete Arten dienen.

Die Serpentinitstandorte in den Landkreisen Hof und Kulmbach werden durch Klimawandel und Nährstoffeinträge massiv beeinträchtigt. Moose und Gräser überwuchern die Felsspalten und verdrängen konkurrenzschwache Pflanzen wie den stark gefährdeten Braungrünen Streifenfarn. Der Landschaftspflegeverband wirkt dem durch geeignete Pflegemaßnahmen entgegen. Das Projekt wird von der Regierung von Oberfranken mit Mitteln des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert und endet vorerst im Dezember 2022. Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Projekt unter:

www.lpv-hof.de

 

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