Briten-Variante Corona-Mutation in Bayreuth aufgetaucht

Die neue Virus-Variante ist am Klinikum Bayreuth aufgetaucht. Foto: Ralf Münch

Das Klinikum Bayreuth hat die neue, angeblich ansteckendere Mutation bei einem Patienten nachgewiesen. Harte Maßnahmen sind im Gespräch. Alle 3300 Mitarbeiter sollen getestet werden. Landratsamt: Kein Grund zur Sorge.

Bayreuth - Die erstmals in England aufgetretene Mutation des Corona-Virus B.1.1.7 ist jetzt auch in Bayreuth nachgewiesen worden. Eingeschleppt hat ihn nach Angaben des Landratsamte Bayreuth kurz vor Weihnachten, der aus Großbritannien kam. Dieser Virustyp ist nach derzeitigem Kenntnisstand im Krankheitsverlauf nicht gefährlicher, wohl aber deutlich ansteckender. Je nach Studie soll die Ansteckungsgefahr um 50 bis 70 Prozent höher liegen. „Die Leitung des Krankenhauses begegnet dieser Entwicklung mit einer Reihe von Maßnahmen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums.

Ein Abstrich erbrachte nach Angaben des Landratsamtes „den Nachweis des Coronavirus“. Allerdings lag das Ergebnis der Sequenzierung, mit dem der Nachweis der neuen Variante geführt wurde, erst am 16. Januar vor. „Zu einem Zeitpunkt, als die Isolation und Ansteckungsfähigkeit bereits beendet waren“, so die Mitteilung des Landratsamtes weiter.

Die Behörde gibt Entwarnung: „Auch aufgrund der guten Mitarbeit der betroffenen Person bestanden zu keiner Zeit Kontakte, die zu einer Ansteckung geeignet gewesen wären.“ Der Krankheitsverlauf sei mild gewesen, sodass die Person auch nicht als Patient im Klinikum gewesen war. „Daher kann das Gesundheitsamt nach menschlichem Ermessen ausschließen, dass das derzeitige Infektionsgeschehen im Klinikum Bayreuth mit diesem Indexfall in Zusammenhang stehen könnte.“

Dennoch ist das Klinikum in Alarmbereitschaft. „In den vergangenen Tagen gab es an der Klinikum Bayreuth GmbH mehrere Ausbrüche, die in ihrer Dynamik die bisherigen Ausbruchsereignisse übertroffen hatten“, so die Mitteilung weiter. Am Mittwochnachmittag hieß es noch, es sei „nicht auszuschließen, dass dieser Virustyp inzwischen im Klinikum angekommen ist“ in einer Mitteilung des Klinikums. Weiter hieß es: „In Anbetracht dieser ernst zu nehmenden Entwicklung und vor dem Hintergrund weiterhin hoher Inzidenzzahlen in Stadt und Landkreis Bayreuth werden wir jetzt entschlossen handeln“, sagt der Ärztliche Direktor und Pandemiebeauftragte der Klinikum Bayreuth GmbH, Prof. Thomas Rupprecht. „Es geht darum, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten, um Patienten, ob mit oder ohne Covid, helfen zu können. Der Schlüssel dazu ist der Schutz unserer Mitarbeiter.“

Bereits jetzt werden komplette Teams von Kliniken und Abteilungen, in denen positive Testergebnisse auftraten, zu Abstrichen einberufen. Sobald als möglich werden alle Mitarbeiter der Klinikum Bayreuth GmbH, in Summe sind dies mehr als 3300 Menschen, getestet. Dazu bauen die Verantwortlichen des Großkrankenhauses auf die Unterstützung Stadt Bayreuth, die über ausreichend Testkapazitäten verfügt. „Darüber hinaus werden wir das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bitten, uns durch seine Task Force mit Expertise und bei der Umsetzung weiterer eventuell notwendiger Maßnahmen zu unterstützen“, sagt Dr. Thomas Bollinger, Leitender Oberarzt und Fachimmunologe am Institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Klinikum Bayreuth GmbH.

Das Gesundheitsamt macht sich über die Situation am Klinikum „Sorgen“. Es sei beabsichtigt, das Klinikum, das bislang erforderliche Infektionsschutzmaßnahmen, wie in Häusern dieser Versorgungsstufe üblich, selbst etabliert hat, durch die Behörden zu unterstützen. Auch die möglichst umfangreiche Testung der Mitarbeiter zähle zu diesem Angebot, wobei hier voraussichtlich die Teststrecke von Stadt und Landkreis zur Verfügung stehen wird. Allerdings betont die Behörde in einem Schreiben nochmals, dass es „keinerlei Hinweise darauf“ gebe, „dass das Geschehen am Klinikum im Zusammenhang mit der englischen Virusvariante stehen könnte“.

In der Presse-Mitteilung des Klinikums enthalten ist ein Appell an die Politik wegen der Unterversorgung mit Impfstoff: „Eine stetige Belieferung mit Impfstoff, um die Impfaktion für Mitarbeiter verlässlich fortsetzen und ausbauen zu können, würde der Klinikum Bayreuth GmbH zudem helfen.“

Und noch eine weitere Maßnahme kündigt das Klinikum am: „Ebenfalls werden alle stationären Patientinnen und Patienten, bei denen dies möglich ist, entlassen.“

Die personelle Situation kann sehr eng werden. Im Moment zählt die Einrichtung 147 krank Gemeldete im Pflegebereich, dazu kommen 120 unbesetzte Stellen. Dazu sind 20 Ärzte zurzeit krank gemeldet. Auf die Frage, ob eine Schließung droht, sagt Pressesprecher Frank Schmälzle: Er rechne nicht damit, aber „wir haben nicht über eine Schließung zu entscheiden, das machen andere Stellen.“ Damit meint er das Gesundheitsamt.

Am vergangenen Wochenende und am Montag lagen die Zahlen der Covid 19-Patienten an der Klinikum Bayreuth GmbH erstmals bei über 100. Am Dienstag und am heutigen Mittwoch rangieren sie leicht unter dieser Marke. Am Mittwoch waren es insgesamt 97, davon zehn auf der Intensivstation, die restlichen 87 auf den Normalstationen. Die Klinik hat 81 Intensivbettplätze, davon waren am Mittwoch 54 Betten belegt.

 

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