Die VGF enttäuscht Ein Volleyball-Abend zum Vergessen

Peter Perzl
Restlos bedient: Jan Liebscher schleicht nach der 1:3-Niederlage gegen Eibelstadt mit gesenktem Kopf vom Feld. Foto:  

Drittligist VGF Marktredwitz unterliegt Eibelstadt nach einer unterirdischen Vorstellung mit 1:3. Trainer Jan Liebscher spricht von „Totalversagen auf den Außen“ und rügt seinen Spielmacher.

Marktredwitz - Was so verheißungsvoll begann, endete in Verzweiflung, Resignation und Chaos: Warum „seine“ VGF Marktredwitz die durchaus reelle Chance, den Tabellenzweiten TSV Eibelstadt in die Knie zu zwingen, nicht nutzen konnte, die Frage beantwortete Jan Liebscher unmittelbar nach Spielschluss mit einem Achselzucken. „Ich weiß es nicht!“ Zu viele Baustellen taten sich bei der 1:3-Niederlage auf einmal auf beim Volleyball-Drittligisten. An der langen Vorbereitung kann es nicht gelegen haben. Und auch nicht daran, dass der zuletzt ohnehin nur auf bescheidenem Level agierende Tomas Houda kurzfristig wegen einer Erkältung passen musste.

Gesenkte Häupter

Mit gesenkten Häuptern schlichen seine Spieler vom Feld. Der Stachel der Enttäuschung saß tief. Von den Flügeln kam wenig bis gar nichts, was Liebscher dazu veranlasste, von einem „Totalversagen auf den Außen“ zu sprechen. Vielleicht sind starke Trainingsabende doch nicht mit Wettkampfpraxis gleichzusetzen. Das letzte Kräftemessen der VGF datierte vom 27. November gegen Zirndorf. Also sechs Wochen zuvor, während die Eibelstädter noch vor Weihnachten im Spielbetrieb standen.

Zeitweise wie gelähmt

Bezeichnend, dass der 44-Jährige, also der Trainer selbst, sich als effektivster und beständigster Spieler seines Teams hervortat, während der große Rest aus unerfindlichen Gründen mit zunehmender Spielzeit abtauchte, zeitweise wie gelähmt agierte und so den munter im Feld einschlagenden Bällen staunend wie hilflos hinterherschaute. Eine Ausnahme bildete noch Janek Lindner, der zwar ungewöhnlich wenige Bälle serviert bekam, obwohl die Stallorder gegen die abwehrstarken Gäste vorsah, doch vermehrt über die Netzmitte zu kommen. Aber was er machte, hatte zumindest Hand und Fuß.

Die Hausherren kamen mit zunehmender Spielzeit mehr und mehr von ihrer Linie ab, servierten ihre Bälle selten mehr so rasiermesserscharf über die Netzkante wie im ersten Satz. Obwohl das anfänglich durchaus Wirkung gezeigt und den Unterfranken die Annahme erheblich erschwert hatte. So gelang es der VGF im ersten Durchgang trotz Rückstands (3:5) sich in die Partie einzugrooven und zwischenzeitlich auf 13:9 und 22:18 davonzuziehen. Zum Ende hin wurde es dann noch unnötigerweise eng. Nach zwei, drei unglücklichen Marktredwitzer Aktionen hatten die Eibelstädter urplötzlich die Chance, bei 23:24 den Satz für sich zu entscheiden. Die VGF stemmte sich erfolgreich dagegen und verwandelte dank eines Doppelblocks von Janek Lindner und Jan Liebscher ihren dritten Satzball erfolgreich. Bis dahin also alles in Butter.

Fassungsloses VGF-Urgestein

Im zweiten Durchgang zeigte Marktredwitz trotz 4:9-Rückstands mit dem 13:13-Ausgleich sowie bis zum 20:22 noch einigermaßen Gegenwehr. Was danach folgte dürfte zu weiten Teilen des dritten und im kompletten vierten Satz für die Gäste wohl nicht mehr als den Charakter eines Trainingsspiels gehabt haben. So wird das nix mit den Playoffs! Dass unterstreicht auch der Eindruck des VGF-Urgesteins Rudi Liebscher. Fassungslos attestierte er dem Team von der Galerie aus am Ende „nicht mehr als Bayernliga-Niveau“. Sohn Jan, jetzt in der Verantwortung und sichtlich angefressen, nahm sich denn auch kein Blatt vor den Mund, ging hart mit seinem Spielmacher Ondrej Kust ins Gericht. „Ich verstehe seine Einstellung nicht und warum er mir lange Zeit so wenig Bälle gegeben hat“, sagt Liebscher, obwohl der Tscheche auch mehrmals von der Seitenlinie daran erinnert wurde. Das Warum bleibe sein Geheimnis. „Taktisch war das einfach beschissen“, packte es Liebscher, der als einziger auf Außen eine starke Erfolgsquote aufwies, in deutliche Worte. Doch damit nicht genug. „Überhaupt keine Erklärung“ habe er, warum es Max Schwinger nicht gelungen sei, gegen einen nur 1,70 Meter großen Spielmacher in aussichtsreichen Positionen am Netz keine Bälle tot zu machen. Auch Außenangreifer Paul Soderer, der eigentlich wegen einer Erkältung nicht spielen wollte, blieb extrem blass, war damit aber zumindest entschuldigt. Zu allem Überfluss schwächelte auch Mittelblocker Petr Zakovsky drei Sätze lang. Nicht unerwähnt lassen wollte Liebscher freilich die Leistung der reaktionsschnellen und athletischen Gäste: „Die sind zurecht Tabellenweiter und haben sehr gut gespielt.“ Dennoch wäre in Normalform mehr drin gewesen.

Viele Baustellen

In dieser einen Partie bekam die VGF so viele Baustellen aufgezeigt, dass es schwer fällt, etwas Hoffnung bringendes zu finden. Geeignet dafür wäre einzig die Tatsache, dass die Mannschaft trotz des vertanen „Big Point“ die Playoffs weiter aus eigener Kraft erreichen kann, was Siege in den nächsten beiden Partien in Jena und daheim gegen Zschopau voraussetzt. „Wir werden uns darauf konzentrieren, beide auf Abstand zu halten“, meint der Trainer. Im Moment allerdings fehlt der Glaube daran…

VGF Marktredwitz: Ja. Liebscher, Kust, Schwinger, Ja. Lindner, Zakovsky, Jo. Lindner, Wenisch, Soderer (Jo. Liebscher, Möchel).

Schiedsrichter: Scarabis (Steinberg), Metzner (Ochenbruck). – Sätze: 1:3 (27:25, 21:25, 21:25, 17:25). – Spielzeit: 88 (22/24/23/19) Minuten. – Zuschauer: keine.

 

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