Die Wölfe enttäuschen Der nächste Abend zum Vergessen

Was ist los in Selb? Nach dem 0:7 gegen Ravensburg schlittern die enttäuschenden Wölfe am Dienstagabend im so wichtigen Spiel gegen Heilbronn erneut in ein Debakel. Ganz kurios: Beim auch in der Höhe verdienten 6:1-Sieg des Tabellennachbarn aus Baden-Württemberg trifft sogar der Torwart.

Das 0:7 vor der Länderspielpause gegen die Ravensburg Towerstars war eher nebensächlich, weil es zu Beginn des Schlussdrittels mit der Verletzung von Maxi Gimmel viel Wichtigeres als Eishockey gegeben hat. Die 1:6 (0:3, 0:2, 1:1)-Niederlage am Dienstagabend gegen die als Tabellenvorletzter angereisten Heilbronner Falken muss aber zu denken geben. Als „Katastrophe“ bezeichnete es Arturs Kruminsch schon zur zweiten Pause, vor heimischer Kulisse erneut so abgefertigt zu werden. „Da stimmt was nicht“, sagte der erfahrene Wölfe-Stürmer, der die individuellen und kollektiven Fehler in der Defensive, aber auch die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive bemängelte. „Jeder muss eine Schippe drauflegen.“

Auch die Miene von Trainer Sergej Waßmiller bei der Pressekonferenz verriet, dass er höchsten Gesprächsbedarf sieht nach den beiden jüngsten Auftritten und vor den kommenden Spielen am Freitag in Bad Nauheim und am Sonntag gegen die Dresdner Eislöwen. „Wir standen jetzt zwei Mal hintereinander total neben der Kappe“, sagte der Wölfe-Coach. Seine Mannschaft müsse sich schnellstmöglich wieder auf Eishockey konzentrieren.

In die so wichtige Partie gegen den Tabellennachbarn im DEL2-Keller starteten die Wölfe wieder mit dem zuletzt verletzten und schmerzlich vermissten Lukas Vantuch, aber ohne die Verteidiger Michael Schaaf und Max Gimmel. Und einer fehlte noch, der auch künftig nicht mehr im Selber Kader stehen wird. Was unsere Zeitung bereits in der Dienstag-Ausgabe angedeutet hatte, machten die Wölfe am Spieltag auch offiziell: Der Vertrag mit dem seit Wochen sehr blassen Kanadier Brett Thompson ist laut Mitteilung „im beiderseitigem Einvernehmen“ aufgelöst worden. Trainer Sergej Waßmiller sagte nach dem Spiel, dass es nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der Wunsch von Thompson selbst gewesen sei, den Verein zu verlassen. Die Wölfe seien bereits auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten, der die frei gewordene Kontingentstelle neu besetzen soll. An diesem Dienstagabend aber standen Waßmiller, der im Vorfeld von einem „Sechs-Punkte-Spiel“ sprach, erst einmal nur drei Kontingentspieler zur Verfügung. Sicher nicht optimal.

Die 1006 Zuschauer in der Netzsch-Arena sahen gegen Heilbronn eine Partie zum Vergessen für die Wölfe, die so ziemlich alle guten Vorsätze wohl in der Kabine gelassen hatten. Nach einer zähen, aber noch ausgeglichenen Anfangsphase übernahmen nach und nach die Gäste das Geschehen auf dem Eis. Die nach zwölf Minuten nicht unverdiente Führung gelang den Falken durch einen klassischen Konter. Im Powerplay erhöhten die Falken durch den Ex-Bayreuther Cabana auf 2:0 (16.). Die Wölfe waren nun komplett von der Rolle und fingen sich in der 19. Minute noch ein Tor ein, das an Kuriosität kaum zu überbieten ist: In Überzahl und bei einer weiteren angezeigten Strafe gegen Heilbronn nahmen die Wölfe den Torwart vom Eis. So weit, so gut. Dann aber passierte das schier Unglaubliche: Trskas Schlagschuss fälschte Falken-Torwart Tiefensee minimal ab, die Scheibe prallte von der Banden zurück in Richtung verwaistes Selber Gehäuse, der zurückfahrende McNeill unterschätzte die Situation, zeigte keinerlei Eile – und der Puck lag im Netz. 0:3, Torschütze Torwart Tiefenbach! Und weil die Hausherren in der folgenden 5:3-Überzahlsituation nicht einen gefährlichen Schuss auf das Tor brachten, mussten sie sich auf dem Weg in die Pause erstmals in dieser Saison einige Pfiffe ihrer Anhänger anhören.

Kein Aufbäumen

Wer im Mittelabschnitt auf Besserung im Spiel der Wölfe gehofft hatte, wurde ziemlich bitter enttäuscht. Zunächst musste McNeill auf die Strafbank, dann war für Verteidiger-Routinier Lavallee die Partie wegen eines Stockstichs vorzeitig beendet (23.). Im folgenden fünfminütigen Powerplay erhöhte Heilbronn auf 4:0. Von ihrem eigenen Team sahen die fast sprachlosen Wölfe-Anhänger weiter herzlich wenig. Auch wenn die Hausherren die Partie wieder etwas ausgeglichener gestalten konnten – oder mit Unterstützung der sich etwas zurücklehnenden Heilbronner durften: Ein echtes Aufbäumen sieht anders aus. Und spätestens 53 Sekunden vor der zweiten Pause glaubten auch die größten Selber Optimisten nicht mehr an eine Wende. Da nämlich erhöhten die Falken auf 5:0.

Im Schlussdrittel ging es eigentlich nur noch um Schadenbegrenzung für die Wölfe. Zumindest das gelang an diesem Abend. Nur noch einmal musste Bitzer hinter sich greifen. Offensiv blieben die Hausherren weiter harmlos, kamen in Überzahl aber zumindest noch zum Ehrentreffer. Ebenso bitter wie die Niederlage: Fünf Minuten vor der Schlusssirene rauschte Kapitän Richard Gelke in die Bande und musste verletzt in die Kabine.

Selber Wölfe: Bitzer (Weidekamp) – Trska, Lavallee, Kania, Fern, Silbermann, Deeg, Melnikov – Miglio, Kruminsch, McNeill, Gelke, Vantuch, Schwamberger, Hlozek, Hammerbauer, Naumann, Klughardt, Noack, Woltmann.

Schiedsrichter: Sicorschi/Kapzan. – Zuschauer: 1006. – Tore: 12. Min Lautenschlager (Della Rovere, Williams) 0:1, 16. Min. Cabana (Williams; 5-4) 0:2, 20. Min. Tiefensee (4-5) 0:3, 24. Min. Della Rovere (Thiel; 5-4) 0:4, 40. Min. Ramoser (Morrison) 0:5, 48. Min. Ramoser (Morrison) 0:6, 56. Min. Kruminsch (Trska; 5-4) 1:6. – Strafminuten: Selb 6 + 5 + Spieldauer für Lavallee, Heilbronn 14.

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