Elektrifizierung der Bahnlinie „Mitten durch das Herz von Oberkotzau“

Johannes Keltsch
Blick in die Zukunft: Diese Visualisierung zeigt, wie die Bahnlinie mit Lärmschutzwänden durch Oberkotzau künftig aussehen könnte. Die Wände, hier grün, werden drei bis fünf Meter hoch; bei der Farbgestaltung sind viele Möglichkeiten offen. Foto:  

Vertreter der DB stellen im Hauptausschuss die geplanten Lärmschutzmaßnahmen vor. Die Planer suchen den Konsens mit der Bevölkerung.

Oberkotzau - Die Elektrifizierung und der Ausbau der Bahnstrecke Hof – Regensburg (künftig „Ostkorridor“) werden für Oberkotzau gravierende Einschnitte bringen, insbesondere wegen der Lärmschutzwände. Dies wurde einmal mehr deutlich, als Vertreter der DB am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss – etwa zwei Dutzend Besucher hörten zu - die Vorplanungen vorstellten. Sie präsentierten auf der Großleinwand Visualisierungen, die zeigten, wie die Bahnlinie mit Lärmschutzwänden, die sich durch den gesamten Ort ziehen werden, künftig ungefähr aussehen wird. Das Echo der Marktgemeinderäte spiegelte nicht reine Freude wider. Wobei die Bahnvertreter deutlich machten: Ihre Präsentation beruhte auf der wirtschaftlich günstigsten Lärmschutzvariante – das letzte Wort zur optischen Gestaltung muss längst nicht gesprochen sein. Denn anders als früher ist heute nicht mehr das Eisenbahnbundesamt für die letzten Entscheidungen zuständig, sondern der Bundestag: Und der hat das Mandat, auch teurere Lösungen zu genehmigen.

Klar sei aber: Ohne Lärmschutzwände geht es nicht. Denn der zu erwartende Geräuschpegel der in Zukunft viel stärker frequentierten Bahnstrecke muss um zehn bis 15 Dezibel reduziert werden, damit er die vorgeschriebenen Grenzwerte einhält. Und immerhin hatten ja die Oberkotzauer selbst mit einer Bürgerinitiative 2017 erheblich dazu beigetragen, dass sich die Forderung nach mehr Lärmschutz entlang des künftigen Ostkorridors durchsetzen konnte.

Die Bürger sind 2022 gefragt

Im Haupt- und Finanzausschuss standen nun von der Deutschen Bahn Marion Fink (Kommunikation Bahnausbau Nordostbayern) und der Projektleiter für Oberkotzau, Matthias Holfeld, den Räten Rede und Antwort. Holfeld wies nachdrücklich darauf hin, dass die Bahn in den kommenden Jahren das Gespräch mit den Bürgern und die Akzeptanz durch die Öffentlichkeit suchen werde. Denn immerhin bedeute der Ausbau einen erheblichen Eingriff ins Ortsbild; Holfeld sprach von „Trennungswirkung“.

Marion Fink erklärte den Zeitplan, der aber noch diffus ist. In diesem Jahr soll die sogenannte Entwurfs- und Genehmigungsplanung für den Abschnitt Hof – Martinlamitz erfolgen. Möglichst im Jahr 2022 ist das „Vorbereitende Verfahren“ an der Reihe, also das frühere Planfeststellungsverfahren. Besonders in dieser Phase sind die Bürger und die Kommunen gefragt; Einwände sind möglich und auch Klagen vor Gericht. „Wir hoffen auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wo wir eventuell nachbessern kann“, betonte Matthias Holfeld. Es folgt dann die detaillierte „Ausführungsplanung“, bevor schließlich der Bau beginnen kann. Wann die Bagger rollen werden, lässt sich nicht sagen. „Das wird noch eine ganze Weile dauern“, sagte Marion Fink.

Bekanntlich führt die Bahnstrecke „mitten durch das Herz von Oberkotzau“, wie es Marion Fink formulierte: Der Lärmschutz sei deshalb ein besonders spannendes Thema. Auf einer Gesamtlänge von etwa neun Kilometern werden drei bis fünf Meter hohe Schutzwände gebaut, teils einseitig der Bahnlinie, teils beidseitig; für manche Abschnitte sind auch Mittelwände vorgesehen. Die Lärmschutzwände werden im Norden und Süden des Orts jeweils etwa 200 Meter vor der Bebauungsgrenze beginnen.

Drittes Gleis nach Hof

Zwischen Hof und Oberkotzau wird, wie berichtet, auf etwa fünf Kilometern Länge ein zusätzliches drittes Gleis gebaut, um den zu erwartenden Zugverkehr zu bewältigen. Demzufolge wird sich auch die Trassierung im Oberkotzauer Bahnhof deutlich ändern. Zu rechnen ist laut Holfeld nach der Elektrifizierung mit täglich etwa 300 Zügen, davon langfristig etwa 60 bis 70 Güterzüge. Der Reisefernverkehr wird wieder eingeführt. Auf Oberkotzau kommt also eine ganz neue Bahnepoche zu.

Matthias Holfeld erklärte die klassische und wirtschaftlichste Schutzwand-Variante, eine Aluminium-Verbund-Lösung mit Kunststoffanteilen. Beton und Glas seien weniger geeignet, da sie den Schall zu stark reflektieren und es dann einen Ping-Pong-Effekt geben würde. Aber auch Teils-Teils-Lösungen seien denkbar, beispielsweise Aluminium im Verbund mit Glas, um für Transparenz zu sorgen. „Wir müssen mit der Bevölkerung Konsenslösungen finden.“ Offen seien die Planer für die farbliche Gestaltung. In Forchheim beispielsweise trügen die Wände die Stadtfarben, die Mehrkosten seien gering gewesen.

Thomas Fickenscher, CSU-Gemeinderat und Gealan-Chef, befürchtete, dass es für den Lärmschutz neben dem direkt angrenzenden Parkplatz seines Unternehmens nicht genug Platz geben werde. Holfeld versicherte, die Bahn werde das Gespräch mit Grundstückseigentümern suchen, wenn die Planungen konkreter werden.

Flüsterbremsen

Auf die Frage von Erich Pöhlmann nach weiteren Lärmschutz-Möglichkeiten („zehn bis 15 Dezibel Reduzierung, das ist schon eine Hausnummer“) erklärte Holfeld, dass künftig alle Güterzüge mit modernen „Flüsterbremsen“ ausgestattet sein werden, die den Bremslärm halbierten. Aber „passiver“ Lärmschutz allein reiche nicht aus. Auf Anfrage von Christian Feller (UWO) versicherte Holfeld, dass bei der Höhe der Wände auch die Tal-Lage von Oberkotzau berücksichtigt werde. Die Geschwindigkeit der Züge auf der Fahrt durch den Ort werde 110 Stundenkilometer nicht überschreiten, erklärte der Projektleiter auf Anfrage von Volker Dittmar (CSU), der die Lärmschutzwände als „katastrophalen Einschnitt“ für Oberkotzau bewertete. Weniger drastisch drückte sich Wolfgang Kemnitzer (CSU) aus: Der Anblick sei „gewöhnungsbedürftig“, sagte er. Matthias Holfeld fügte hier an, dass bei der Gestaltung der Wände auch Bepflanzung möglich sei. Bastian Schatz (UWO) erkundigte sich, ob die Wände halbrund gestaltet werden könnten, um den Schallschutz zu erhöhen. Dies sei wegen der Oberleitungen nicht möglich, erklärte der Bahn-Experte, allerdings gebe es „abgeschrägte Wände“.

Bürgermeister Stefan Breuer fasste die Vorstellungen der Bürger so zusammen: „Wir wünschen uns natürlich die wirksamste Lärmschutz-Variante – und die schönste! Es handelt sich schließlich um einen wesentlichen Eingriff.“

Termine

Folgende Bürgersprechstunden finden in den Rathäusern statt: am Dienstag, 23. Februar, in Hof und am Mittwoch, 24. Februar in Schwarzenbach an der Saale. Es gibt auch die Möglichkeit einer „telefonischen Sprechstunde“ unter 0911/219-1814. Hier kann man auch Termine für die Bürgersprechstunden in den Rathäusern vereinbaren.

Am Dienstagabend, 12. Januar, bietet die DB ab 18 Uhr eine Online-Info-Veranstaltung mit Live-Chat an:

www.bahnausbau-nordostbayern.de

 

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