Fast 700 Fälle Callcenter-Betrügereien nehmen weiter zu

In Oberfranken sind die angezeigten Betrugsversuche durch einen Schockanruf in 2021 von 41 auf 693 Fälle angestiegen. Die Polizei appelliert an junge Menschen bei der Präventionsarbeit mitzumachen.

Es ist 10 Uhr morgens als das Telefon von Ute S. klingelt und sie die drastische Nachricht erreicht: Ihre Enkelin Stefanie hat soeben eine Frau überfahren! Im Hintergrund hört sie ihre aufgelöste Enkelin weinen. Für Ute S. ein Horror, denn ihre geliebte Enkelin wird laut dem anrufenden „Staatsanwalt“ gleich verhaftet.

Doch der „Polizist“ und der „Staatsanwalt“, die auf die völlig überrumpelte Frau immer wieder einreden, können helfen: Mit einer Kaution von 20.000 Euro kann Stefanie zunächst auf freiem Fuß bleiben. Doch das Geld muss sofort überwiesen werden. Reden dürfe sie über den Vorfall keinesfalls!

Genauso geschah es am 28. Juli 2022 im Landkreis von Hof. Die Polizei änderte lediglich den Namen der Geschädigten.

Nicht nur dreist, sondern auch existenzgefährdend

Laut Polizei häufen sich Fälle wie dieser in den vergangenen Jahren zunehmend. Im vergangenen Jahr stiegen in Oberfranken Callcenter-Betrugsversuche von 41 auf 693 Fälle an. Bis heute überziehen beinahe täglich Telefonbetrüger die oberfränkischen Städte mit ihren dreisten Anrufen. Laut Polizei Oberfranken bleiben die meisten Versuche erfolglos, denn es gebe bereits viel Präventionsarbeit. Dennoch gelinge es den Tätern in Einzelfällen hohe Geldsummen zu ergaunern.

Unterstützung durch Städte und Gemeinden

Zur Bekämpfung dieser Betrugsmasche hat die Polizei bereits Banken für den Fall der Fälle ausgestattet: Größere Geldbeträge sollen in Briefkuverts gesteckt werden, die darauf hinweisen, dass gerade ein Betrug stattfindet.

Um weiter über das Thema aufzuklären, lud die Polizei Oberfranken gemeinsam mit der Stadt Hof an diesem Donnerstag zu einer Kick-Off-Veranstaltung ins Hofer Rathauses ein. Ein dortiger Klappaufsteller und Infobroschüren sollen vor allem ältere Bürger vor den Betrugsmaschen warnen.

„Unsere Erfahrung zeigt, dass es den Tätern durch geschickte Gesprächsführung gelingt, ihr Gegenüber in eine psychische Ausnahmesituation zu versetzen. Unser Ansatz ist es deshalb, den resultierenden Tunnelblick der Geschädigten durch die Aufsteller, die neben dem eigenen Telefon platziert werden können, im richtigen Moment wieder zu weiten“, so Kriminaldirektor Jürgen Schlee, Dienststellenleiter der Kriminalpolizeiinspektion Hof.

Auch die Oberbürgermeisterin von Hof, Eva Döhla, sicherte ihre Unterstützung zu: „Leider treten auch bei uns häufig Straftaten auf, die sich gezielt gegen den älteren Teil der Bevölkerung richten. Es ist wichtig, dass wir diesen Taten gesamtgesellschaftlich entgegentreten.“

Abschließend gab die Präventionsbeauftragte des Polizeipräsidiums Oberfranken, Kriminalhauptkommissarin Katrin Kneidinger, bekannt, dass sie auf die Unterstützung von jüngeren Menschen hoffe: „Wir möchten auch die oberfränkischen Schulen einbeziehen, um generationenübergreifend auf das steigende Kriminalitätsphänomen aufmerksam zu machen. Denn wir sind der Meinung, dass gerade die jüngere Bevölkerung in der Verantwortung steht, ihre Angehörigen zu schützen.“

Zudem appelliert die Polizei Oberfranken an alle Bürger, ebenfalls über das Thema aufzuklären und ihre Angehörigen zu schützen. Mit diesen kleinen Bausteinen, könne es gelingen, dieses Phänomen im Keim zu ersticken.

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Der Begriff „Callcenter-Betrug“

2021 verzeichnete die oberfränkische Polizei 1288 angezeigte Fälle von Trickbetrügereien – 164 mehr als im Vorjahr. Glücklicherweise waren hiervon nur 73 erfolgreich. Im Jahr 2020 waren es noch 96 Fälle, bei den meist überrumpelten älteren Menschen. Das beinhaltet aber nicht die nicht-angezeigten Fälle: Tagtäglich greifen die Betrüger zum Hörer und versuchen ihre dreisten Geschichten ihren Opfern schmackhaft zu machen - per Anruf, als Whatsapp-Nachricht oder gar persönlich an der Haustür.

Ein Video, das die Whatsapp-Betrugsmasche darstellt und erklärt, ist bei der bayerischen Polizei zu finden.

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