Fichtelgebirge Mutter und Tochter sterben bei Wohnhausbrand

, aktualisiert am 01.05.2021 - 16:34 Uhr

Schreckliches Unglück in Thiersheim: Am Freitagmittag sterben bei einem Wohnhausbrand in der Burgstraße nahe der Ortsmitte eine Mutter  (63) und ihre 40 Jahre alte behinderte Tochter. Am nächsten Morgen brennt auch das Nachbarhaus nieder.

Thiersheim – Es war am Freitag gegen 12.30 Uhr, als in der Burgstraße in Thiersheim ein Dachstuhl in Brand geriet. In dem Haus wohnt ein älteres Ehepaar im ersten Stockwerk. Im zweiten Stockwerk darüber lebt eine 63 Jahre alte Frau mit ihrer 40 Jahre alten behinderten Tochter.

Das Feuer brach offenbar im Obergeschoss des älteren Hauses aus, das noch mit Holz- und Ölöfen beheizt wird. Das Ehepaar im ersten Stockwerk bemerkte das Feuer, als es durch die Wand rauchte. Ab dem ersten Stockwerk besteht das Gebäude fast nur noch aus Holz. Und das brannte bald lichterloh.

Die Nachbarn alarmierten Feuerwehr und Polizei. Die örtliche Feuerwehr war rasch zur Stelle. Das Feuerwehrdepot liegt nur wenige Meter von der Brandstelle entfernt. Nur einige Häuser weiter wohnt auch der Thiersheimer Bürgermeister Werner Frohmader. Zusammen mit helfenden Nachbarn brachten sie das ältere Ehepaar aus dem ersten Stockwerk ins Freie. Auch der Familienhund wurde gerettet. Die beiden wurden vor Ort ärztlich behandelt. Sie waren mit einer leichten Rauchvergiftung davongekommen.

An ein weiteres Eindringen in den zweiten Stock war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Die Holzkonstruktion des Dachgeschosses stand bereits in hellen Flammen. Dort wohnte eine 63 Jahre alte Frau mit ihrer 40 Jahre alten Tochter. Beide galten zunächst als vermisst. Erst später bestätigte sich der schlimme Verdacht, dass beide in den Flammen umgekommen sind.

Zunächst aber trafen im Minutentakt Feuerwehren aus der ganzen Umgebung ein. Alle Feuerwehren aus der Umgebung von Thiersheim, aber auch die Stützpunktfeuerwehren von Marktredwitz über Selb bis Rehau waren in kurzer Zeit in Thiersheim und kämpften gegen die Flammen.

Von dem brennenden Wohnhaus war nichts mehr zu retten. So mussten die Wehren mit vereinten Kräften die gefährdeten Nachbargebäude von den Flammen abschirmen. Das gelang auch zunächst im Großen und Ganzen. Nur das unmittelbare Nachbarhaus wurde zunächst leicht in Mitleidenschaft gezogen.

Nicht auszudenken, wenn weitere Anwesen in unmittelbarer Umgebung – das bekannte Gasthaus „Weißes Roß“ und andere in der Ortsmitte – in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Direkt angebaut sind ein größeres Wohnhaus und das Sparkassengebäude.

Die Bewohner der Nachbarhäuser wurden sofort evakuiert. Bürgermeister Frohmader, der unmittelbar mit vor Ort war, kümmerte sich um die Unterbringung des nun obdachlosen Ehepaars, aber auch der Nachbarn. Mit vor Ort waren auch die Geistlichen aus Thiersheim und der Nachbarkommune Thierstein, Pfarrerin Katja Schütz, das Pfarrer-Ehepaar Meinel und Pfarrer Andreas Münster aus Selb, um seelischen Beistand zu leisten, wenn nötig.

Die örtliche Pfarrerin kümmerte sich um das obdachlose ältere Ehepaar, das nur mit dem aus dem Haus kam, was sie am Leib trugen. Die beiden saßen, unter Schock und mit wärmenden Decken umhüllt, mit ihrem Hündchen und unter Schock in der Nähe der Brandstelle, bis sie von der Pfarrerin in ein benachbartes Gasthaus, die „Post“, gebracht wurden. Dort hatte der Bürgermeister bereits drei Zimmer für die evakuierten Leute gebucht. Außerdem organisierte er einige Ferienwohnungen.

Noch während der Brandbekämpfung – zuletzt waren nicht weniger als 170 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatz – setzte im Ort eine beispielhafte  Nachbarschaftshilfe ein. Bald standen Getränke und Brotzeiten für die Betroffenen und die Feuerwehrleute bereit. Der Betreiber eines Bratwurststandes direkt am Markt kam kaum mit der Arbeit nach.

Die Polizei, die ebenfalls stark vertreten war und den Verkehr regelte, hatte zunächst eine Nachrichtensperre verhängt. Grund war wohl die Befürchtung, dass es Tote gab, aber auch die Ermittlungen nach der Brandursache. Schließlich konnte auch eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

Zusätzlich hatte die Einsatzleitung im Hinblick auf die Verletzten und Vermissten zwei Rettungshubschrauber angefordert. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder abfliegen. Denn schon am späten Nachmittag bestätigte sich der schreckliche Verdacht, dass die beiden Frauen aus dem zweiten Stockwerk in den Flammen umgekommen waren. Betroffenheit breitete sich im ganzen Ort aus.

Wehrmänner, die mit der großen Drehleiter direkt ins Dachgeschoss blicken konnten, sahen ebenso wenig ein Lebenszeichen der beiden wie ein Einsatztrupp der Rehauer Wehr, der mit einer Drohne über dem inzwischen gelöschten Brandherd nach den beiden vermissten Bewohnerinnen suchte.

Am späten Nachmittag kam ein Spezial-Einsatzwagen des Marktredwitzer THW an den Brandort, mit dessen Hilfe die verkohlten Balken des Dachgeschosses abgetragen wurden. In der ausgebrannten Wohnung wurden dann auch die verkohlten Leichen der beiden Frauen gefunden.

Noch am Freitag nahmen auch die Brandfahnder der Hofer Kriminalpolizei ihre Ermittlungen nach der Brandursache auf. Zu später Stunde, das Feuer war gelöscht und auch die Suche nach weiteren Brandnestern hatte nichts ergeben, zogen die Feuerwehrkräfte wieder ab. Zurück blieb nur, wie in solchen Fällen üblich und vorgeschrieben, eine Brandwache. Aber auch für die anderen Einsatzkräfte war der Abend noch lang: Geräte und Kleidung mussten gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet werden – der dann auch bald kam.

Warum dann kurz vor 5 Uhr morgens in dem Nachbar-Wohnhaus, dessen Dachgeschoß schon am Vortag etwas in Mitleidenschaft gezogen worden war, erneut ein Brand ausbrach, ist noch ein Rätsel. Waren auf dem Dachboden doch noch Glutreste, die der nächtliche Wind erneut entfachte? War es ein Funkenflug aus dem niedergebrannten Haus? Fragen, die bisher noch nicht beantwortet werden können.

Fakt ist, dass der Dachstuhl im Nu in hellen Flammen stand und das gesamte Haus ausbrannte. Damit sind die vorher schon evakuierte sechsköpfige Familie und ein alleinstehender Mann, der in dem Haus wohnte, endgültig obdachlos.

Es waren die gleichen Wehren vom Vortag, die nun erneut in Thiersheim eintrafen und gegen die Flammen ankämpften. Das Sparkassengebäude konnte noch gerettet werden, das zweite Wohnhaus aber dürfte ein Totalschaden sein.

Ein Ort steht unter Schock: Fassungslos stehen am nächsten Morgen viele Thiersheimer vor den rauchenden Trümmern am Brandort. Unter ihnen auch Kreisbrandrat Wieland Schletz, Landrat Peter Berek und Bürgermeister Werner Frohmader, als Nachbar schon seit dem frühen Morgen wieder auf den Beinen. Sie konnten nur noch zusehen, wie ein Spezialkran die verkohlten Dachreste von dem zweiten Wohnhaus beförderte. Der Sachschaden beläuft sich auf eine noch unbekannte sechsstellige Summe. 

 

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