Fichtelgebirge Mit den Kräutergärten kommen die Gäste

Nagel vermarktet ein besonderes Potenzial und steigert damit die Übernachtungszahlen. Der Ort ist Mosaikstein in der Entwicklung des Fichtelgebirges.

Nagel - Etwa 1700 Einwohner hat die Gemeinde Nagel im Fichtelgebirge - und ein großes Potenzial. In der Theorie war dies dem Bürgermeister und dem Gemeinderat schon immer bewusst, doch sie wussten nie so recht, was sie daraus machen könnten. In der Umgebung des Ortes wachsen viele seltene Pflanzen, die es andernorts nicht mehr gibt, und die Naturschutzbehörden wiesen immer wieder darauf hin, dass dies eine große Chance für den Ort sei.

Bürgermeister Theo Bauer, der seit 22 Jahren im Amt ist, erzählt diese Geschichte, als der radelnde Pfarrer Dr. Peter Hirschberg auf seiner Tour bei ihm Station macht. Bauer ist stolz auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, obwohl es ein schwieriger und dornenreicher Weg war. Nagel trägt jetzt offiziell den Namen Kräuterdorf, kann zwei große und gut ausgeschilderte Kräutergärten vorweisen und ein vorbildlich saniertes Haus der Kräuter in der Ortsmitte. Seit zwei Jahren steigen die Übernachtungszahlen: von 7300 im Jahr 2013 - als der erste Garten eingeweiht wurde - auf 9700 im vergangenen Jahr. Heuer, da Nagel eine Außenstation der Landesgartenschau Bayreuth ist, erwartet der Bürgermeister nochmals eine deutliche Steigerung.

"Die Nachfrage wird immer besser", erzählt der Bürgermeister. "Wir sehen uns als ein Mosaikstein für die Entwicklung des Fichtelgebirges. Der Tourismus spielt dabei eine entscheidende Rolle ." Wenn im Herbst das neue Kurzentrum in Weißenstadt öffnet, rechnet Bauer auch mit steigendem Interesse am Angebot in Nagel. Dabei sei es schwierig gewesen, den Einwohnern zu vermitteln, welche Chance sich mit dem Titel Kräuterdorf verbinde, erzählt der Bürgermeister weiter. "Wir verfügen über eine gute Infrastruktur mit Geschäften und Handwerksbetrieben, aber über keine Industrie. Mit dem Tourismus können wir dafür sorgen, dass die Läden eine Zukunft haben."

Als Bürgermeister und Gemeinderäte ihre Pläne für ein Natur- und Kräuterdorf vorstellten, waren zahlreiche Einwohner dagegen - "weil sie gesagt bekamen, sie müssten alles aus eigener Tasche bezahlen", berichtet Bauer. Die Gegner initiierten einen Bürgerentscheid, die Mehrheit der Einwohner stimmte gegen die Pläne. Der Bürgermeister ließ sich jedoch nicht entmutigen. "Ein Bürgerentscheid hat eine Bindungsfrist von zwölf Monaten. Diese Zeit haben wir genutzt und Aufklärungsarbeit geleistet." Bei einem zweiten Bürgerentscheid im Juli 2012 stimmte die Mehrheit für die Pläne. 2013 begannen die Bauarbeiten, 2014 war Einweihung.

Die Gelder für das 1,5 Millionen teure Projekt kommen von der Städtebauförderung, von der Oberfrankenstiftung und der EU, weil Nagel sein Vorhaben gemeinsam mit einem Projekt in dem tschechischen Ort Dolní Žandov verwirklicht. Äußeres Zeichen dieser Zusammenarbeit über Grenzen ist die durchgehend zweisprachige Beschilderung der Pflanzen in den Kräutergärten. Dank eines engagierten Vereins, dessen Mitglieder die Pflegearbeiten übernehmen, betragen die Folgekosten für das Kräuterhaus nur etwa 2000 Euro im Jahr.

Fast immer ausgebucht sind die Wildkräuterführungen in der Umgebung des Ortes. Dort können die Führerinnen seltene Pflanzen zeigten, die auf dem mageren, sumpfigen Boden wachsen. Der Naturreichtum rund um Nagel zeigt sich auch darin, dass die Gemeinde - auf die Einwohnerzahl umgerechnet - die Kommune in Bayern mit den meisten FFH-Gebieten ist. FFH steht für eine EU-Richtlinie zum Schutz bedrohter Pflanzen und Tiere. Ein besonderer Besuchermagnet ist das Kräuterfest, das heuer am Sonntag, 3. Juli, von 11 Uhr bis 18 Uhr stattfindet.

Für die Zukunft zeigt sich der Bürgermeister sehr zuversichtlich. "Das Interesse der Besucher ist sehr viel höher, als ich erwartet hatte. Ich bin positiv überrascht von den Besucherzahlen."

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www.kraueterdorf-nagel. de

Wir sehen uns als Mosaikstein für die Entwicklung des Fichtelgebirges.

Der Nageler Bürgermeister

Theo Bauer

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