Frauenfußball Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Svenja Müller vom FFC Hof erhofft sich vom guten Abschneiden der deutschen Dameneinen weiteren Schub. Foto: /Michael Ott

Gold nicht – die deutschen Damen sind dann doch „nur“ Vize-Europameister. Auch wenn es nicht der neunte Titel war – die DFB-Mädels haben viel erreicht und hoffentlich weiter befeuert.

Als Cloe Kelly in der Nachspielzeit des Europameisterschaft-Endspiels den Ball zum 2:1 ins deutsche Tor stochert und England wenig später als neuer Titelträger feststeht, herrscht auch in Hof, Weißenstadt und Münchberg Enttäuschung.

„Wir waren alle ziemlich euphorisch, gerade nach dem Ausgleich“, erinnert sich Alisa Harzer, Spielerin vom FC Eintracht Münchberg, an das gemeinsame Spielschauen mit der Mannschaft. „Dann waren wir aber alle richtig enttäuscht. Da war Totenstille.“ Genau ebenso ist die Gefühlslage im Vereinsheim des FFC Hof, wo Kapitänin Svenja Müller das Finale mit ihrem Team schaute, aber trotz der unglücklichen Niederlage ein sehr positives Fazit zieht. „Jeder war einfach traurig und eigentlich auch bisschen sauer, dass wir den Elfmeter nicht bekommen haben. Aber es war eine geile EM. Die Deutschen haben sich echt gut präsentiert. Man hat einfach die Motivation und den Ehrgeiz der Mannschaft gespürt. Das hat uns auch motiviert. Vielleicht haben jetzt auch noch mehr Mädels Bock, Fußball zu spielen.“

Mit dieser Hoffnung steht Müller nicht allein. Julian Rott, Trainer bei den Damen der SpVgg Weißenstadt, gönnt den Engländerinnen den Titel, wegen des guten Fußballs. Gleichzeitig unterstreicht er jedoch auch den enormen Imagegewinn der Deutschen und dessen Wert für die Breite. „Natürlich profitiert der Frauenfußball durch diese mediale Aufmerksamkeit. Wenn sich mehr Mädchen für Fußball interessieren und es mehr Spielerinnen gibt, gründen sich neue Vereine, können zweite Mannschaften aufgebaut werden. So kann sich der Frauenfußball natürlich besser weiterentwickeln.“

Dabei nahm die Entwicklung in den letzten Jahren schon einen rasanten Verlauf. Statt Schmähkritik und Flachwitzen liest man gerade auch in sozialen Medien immer mehr Anerkennung. Eine Folge davon war die Pressekonferenz mit Alexandra Popp und angeklebtem Bart, weil ein guter Stürmer eben auch dem Herren-Nationalteam gut täte. Sowohl die ARD, als auch die BBC erreichten mit jeweils knapp 18 Millionen Zuschauern neue Einschaltrekorde bei der Übertragung eines Frauenfußballspiels und 87. 000 im Wembley-Stadion sprechen für sich. Also ist doch alles bestens, der Frauenfußball hat es endlich geschafft – angekommen im Olymp direkt neben Hansi Flicks Jungs!

Nein, so ist es eben noch nicht! Und bei aller Euphorie bleibt festzuhalten, das ausverkaufte Wembley Stadion ist so ziemlich das Einzige, was die Frauen den Männern gleichstellte – und auch nur in diesem Wettbewerb. Das ist ein Umstand, der sich längst nicht mehr mit dem unterentwickelten Frauenfußball in dessen Entstehungszeit begründen lässt. „Vor ein paar Jahren war Frauenfußball noch Nebensache. Doch jetzt sieht man, dass Frauen auch Fußball spielen können“, freut sich Müller über die wachsende Anerkennung. „In Sachen Tempo, Technik, Taktik haben die Frauen zu den Männern im Prinzip aufgeschlossen. Wer das nicht sieht, dann weiß ich auch nicht weiter.“

Mit dem erneuten Verweis auf die sozialen Medien – es wird von allen gesehen, die dem Frauenfußball wohlgesonnen gegenüberstehen. Warum stehen dann ausgerechnet die Verbände auf der Bremse? Die Bezahlung von Männern und Frauen betrifft nur die Profis. Doch auch bei den Amateuren gibt es Ungleichheit. So dürfen beispielsweise Damenteams erst ab der Landesliga Eintrittsgeld verlangen. Ein dahin gehender Weißenstädter Vorstoß stieß allerdings bei anderen Vereinen nicht nur auf Gegenliebe. „Wenn da die Befürchtung geäußert wird, die Fans könnten wegbleiben, liegt dem wohl auch fehlende Selbstwertschätzung zugrunde“, meint Andreas Reinel, Vorstand Damenfußball bei der SpVgg Weißenstadt. Auch Harzer sieht zum Teil die Vereine in der Pflicht. „Vielleicht muss man gerade bei so einer EM auch selber aktiver sein, mit speziellen Thementagen um neue Spielerinnen zu generieren. Doch so etwas braucht doch insbesondere auch die Unterstützung des Verbandes.“ Eben diese hat Harzer nicht bemerkt und ist dabei nicht allein. Doris Prell, Jugendleiterin der SpVgg Weißenstadt mahnt auch andere Faktoren wie die Unterstützung im Schulsport, oder bessere Koordinierung des Mädchentrainings seitens der Vereine an. Aber gerade die Verbandsebene kam auch ihr zu kurz. „Ganz konkret habe ich bei dieser EM Kampagnen seitens des DFB oder BFV vermisst, die den Frauen- und Mädchenfußball konkret fördern. Bei der WM 2011 war das anders. Da gab es beispielsweise über Module Trikotsätze zu gewinnen oder Hilfen zu Trainerlehrgängen. Daraus ist auch die Damenabteilung in Weißenstadt entstanden. Aber diese Unterstützung ist sehr schnell abgeebbt.“ Mit eben dieser Erkenntnis bleibt auch Harzer eher verhalten optimistisch. „Die Aufmerksamkeit war in diesem Jahr so groß wie noch nie. Doch momentan kann gerade für kleinere Vereine nicht so viel passieren. Da fehlen die Angebote.“ Bleibt zu hoffen, dass DFB und BFV den aktuellen Hype nicht nur nutzen um sich zu sonnen. Es ist die gute Gelegenheit, den Frauenfußball ehrlich und nachhaltig voranzutreiben.

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