Freiwasserschwimmen Erst zerronnen, dann gewonnen

Nina Hanisch (links) hatte kein Glück bei der deutschen Freiwasserschwimm-Meisterschaft, Helmut Hertelendy am Ende doch noch. Foto: /Barbara Reiss

Erst Deutscher Meister, dann nicht, dann doch wieder: Helmut Hertelendy erlebt eine Gefühlsachterbahn bei der deutschen Meisterschaft im Freiwasserschwimmen.

Erst kürzlich wurde Helmut Hertelendy ein Hofer mit der Sportmedaille in Gold ausgezeichnet. Goldig ist es für den Trogener nun bei den 28. internationalen deutschen Meisterschaften der Masters im Freiwasserschwimmen weitergegangen. Nahe Frankfurt trafen sich 342 Wettkampfschwimmer, um ihre Meister zu küren. Das Wetter konnte nicht besser sei: Keine Wolken, kein Wind und der See wartete bei 25 Grad auf die Schwimmer.

Vom Hofer Schwimmverein Hof startete neben Helmut Hertelendy (Altersklasse 70) auch Nina Hanisch in der Altersklasse 30. Nina Hanisch ist vor vier Jahren nach Hof gezogen – und dem SV Hof 1911 beigetreten. Das ist wahrlich ein großes Glück für den Verein, denn Hanisch zählt zu den besten Freiwasserschwimmerinnen in Deutschland. An diesem Wochenende startete sie über die Fünf-Kilometer-Strecke. Und wie so oft gab es auch diesmal reihenweise nichtgeplante Vorfälle.

Hanisch hatte ihre Schwimmbrille vorbereitet, damit diese nicht während des Wettkampfes anläuft. Im Freiwasser ist eine gute Sicht sehr wichtig, oft sind die Hauptbojen 500 Meter entfernt. In der Brille musste jedoch noch ein Rest des Mittels verblieben sein, denn während des Wettkampfes begann ein Auge feurig zu brennen. Sie konnte es vor Schmerzen kaum aushalten. Trotzdem gab sie nicht auf und wurde in diesem starken Feld ausgezeichnete Dritte. Im Krankenhaus stellte der Arzt eine Verätzung des Auges fest, die aber wieder verheilen sollte.

Helmut Hertelendy startete am Samstag bei den zweieinhalb Kilometern. Die Siegeschancen waren äußerst gering, da als Hauptgegner Karl Heinz Notrot startete. Der dreimalige Ironman-Sieger in Hawaii war Hertelendy klar überlegen. Der Trogener freute sich aber trotzdem über den Gewinn der Silber-Medaille. Am Sonntag früh ging es auf die Fünf-Kilometer-Strecke. Die Streckenführung war diesmal verändert – und nicht wie gewohnt war der Dreieckskurs 1250 Meter, sondern 833 Meter lang. Das bedeutete, dass bei den fünf Kilometern sechs anstatt vier Runden zu schwimmen waren. Dies führte zu einem Dilemma mit langem Nachspiel. Hertelendy startete gut, fühlte sich gut. „Wenn man vorne sein will, muss man Gas geben“, sagte er. Als Hertelendy ins Ziel kam, sah er zu seiner Überraschung einen Gegner aus seiner Altersklasse am Strand stehen.

Das bedeutete, dass der Gegner wohl viel schneller als Hertelendy war. Aber wie konnte das sein? Einen Tag zuvor war Hertelendy auf den 2,5 Kilometern noch drei Minuten schneller als der Kontrahent. Nun stellte sich aber heraus, dass der Gegner nur fünf Runden geschwommen war. Die Konsequenz: „Huch, ich war erleichtert. Ich war also Deutscher Meister über fünf Kilometer“, sagte Hertelendy. „Ich freute mich sehr. Aber zu früh...“ Denn dann passierte das Unglaubliche: Die Siegerehrung wurde verschoben, denn es mussten alle Durchgangsprotokolle genau überprüft werden. Danach wurde entschieden, dass nicht Hertelendy, sondern sein Gegner der Sieger sei.

Hertelendy war zugleich sauer und enttäuscht, sagte doch der Gegner selbst, er sei eine Runde zu früh ausgestiegen. Aber die Gerechtigkeit fand doch seinen Lauf: Stunden später entdeckte man man einen Fehler im Protokoll und Hertelendy wurde nachträglich zum Sieger ausgerufen. Nicht nur das Rennen war also hart, sondern auch die nachfolgenden Entscheidungen.

Nun müssen Nina Hanisch und Helmut Hertelendy hart trainieren, um in Rom bei EM erfolgreich sein zu können. Dort werden mindestens 12 000 Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet.

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