Gebrauchtmöbel Für ein längeres Möbel-Leben

Timo Schmidt
Wer braucht schon alte Möbel? Sehr viele, meinen die „weitergeben.org“-Gründer Harald Prokscha (links) und Daniela Roßner. Foto: /Sonja Wietzel-Winkler

Wohin mit alten Möbeln? Dieser Frage widmete sich das Hofer Sozialunternehmen „weitergeben.org“. Mit ihrem nachhaltigen Konzept wollen sie Ressourcen schonen und gleichzeitig sozialen Einrichtungen helfen.

Muss ich den alten Schreibtisch wirklich auf dem Wertstoffhof entsorgen? Oder findet sich im Freundes- und Bekanntenkreis doch noch jemand, der ihn haben möchte? Diese Frage stellt sich häufig, wenn alte den neuen Möbeln weichen sollen. Wo für den Einzelnen die Suche nach einem Abnehmer bereits nervenzehrend ist, haben Unternehmen und Institutionen dagegen kaum eine Möglichkeit, ihre gebrauchte Büro-Ausstattung weiter zu vermitteln.

Das wollten die Hofer Daniela Roßner und Harald Prokscha ändern. Ihr Sozialunternehmen „weitergeben.org“, das seit knapp sechs Jahren besteht, vermittelt gebrauchte Büro- und Schulmöbel von Unternehmen und Behörden an gemeinnützige Einrichtungen und Vereine in ganz Europa. Ob an Frauenhäuser, Jugendtreffs oder Schulen: „Es gibt so gut wie keine Organisation, die von uns noch keine Möbel bekommen hat“, gibt Prokscha an. Die Sach- beziehungsweise Möbelspenden kommen unter anderem von vielen namhaften Unternehmen oder auch Bundesbehörden.

Probleme bei Vermittlung von alten Möbeln

Die Idee nahm vor knapp zehn Jahren Gestalt an, meint Harald Prokscha. „Da war ich im Elternbeirat einer Schule, die Möbel brauchte.“ Doch billige gebrauchte Schulmöbel zu finden, war unmöglich. Später lernte der Hofer die andere Seite des Problems kennen: Als Unternehmer wollte er alte Schränke aus seinen Büroräumen abgeben. Auch damit hatte er keinen Erfolg. „Da habe ich gemerkt: Das Problem gibt es nicht nur in Hof, sondern überall.“

Plattform für

gebrauchtes Mobiliar

Das Konzept von weitergeben.org ist so einfach wie unproblematisch: Auf der Webseite der Initiative können die Firmen und Ämter ihre Gebraucht-Möbel einstellen. „Dann geht das Angebot weiter in unseren Verteiler“, erklärt Prokscha. „Wir haben deutschlandweit den einzigen Verteiler für gemeinnützige Einrichtungen, die Möbelspenden haben wollen.“ Die Interessenten können dann direkt mit dem Anbieter in Kontakt treten. Die Abnehmer kommen dabei nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum. Auch nach Spanien, Kroatien oder Rumänien werden die Gebraucht-Möbel vermittelt, vor allem Schul-Equipment. „Der Bereich Logistik ist bei uns aber nicht mit drin“, sagt Prokscha, „damit beschäftigen wir uns vielleicht irgendwann später.“ Im Moment sei er froh, dass weitergeben.org nicht auch noch den Transport der Möbel anbiete. „Die Kosten und die fehlenden ukrainischen Fahrer stellen dabei gerade ein großes Problem dar.“

Sozial-ökologisches

Projekt

Hinzu kommt, dass Prokscha aktuell als Einziger in Vollzeit die Möbel-Vermittlung betreut. Ansonsten helfen Ehrenamtliche bei dem „sozial-ökologischen“ Projekt, wie es Prokscha bezeichnet. In erster Linie gehe es schließlich um die Schonung von Ressourcen und Nachhaltigkeit. Die bayerische Möbelindustrie habe sich diesen Themen bisher kaum angenommen, meint Prokscha. Der soziale Aspekt von weitergeben.org komme hingegen durch die Vermittlung an Vereine und gemeinnützige Einrichtungen zum Tragen.

Erfolgreich bei

Nachhaltigkeitswettbewerb

Das Konzept fand und findet großen Anklang. In diesem Jahr ging weitergeben.org als einer der Sieger aus der „Circular City Challenge“ hervor. Bei dem Wettbewerb ging es darum, umweltfreundliche und nachhaltige Konzepte aus der Kreislaufwirtschaft zu präsentieren. Das Hofer Projekt ist eines der acht Finalisten, die am 16. Juni in Berlin vorgestellt werden. Ein Preisgeld gibt es zwar nicht, doch haben die Gewinner gleich direkten Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern und Investoren. Für Prokscha hat sich die Teilnahme an dem Wettbewerb bereits gelohnt. „Das Berliner Bezirksamt Spandau hat wegen der Aktion Kontakt mit uns aufgenommen.“

Durch die neu gewonnene Aufmerksamkeit dank des Wettbewerbs hofft Prokscha auch auf neue Geldgeber. Denn: weitergeben.org soll weiter wachsen, braucht dafür aber finanzielle Unterstützung. Aktuell liefen Gespräche mit den Ländern Berlin, Bayern und Hessen. Es brauche aber weitere Partner, damit im ersten Schritt die Vermittlung der Möbel aus gewerblicher und behördlicher Hand standardisiert ablaufen könne. Wenn das reibungslos funktioniere, könne man sich daran machen, auch die gebrauchten Möbel von Privatpersonen zu vermitteln. Das ist aktuell noch nicht möglich. Geschäftspartner aus Oberfranken hatte weitergeben.org übrigens noch nicht, bedauert Prokscha. Immerhin gab es bereits mit der Stadt Hof Gespräche, „die sehr gut gelaufen seien.“ Auch mit dem Hofer Landratsamt ist ein Treffen geplant.

 

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