Gemeinde Nagel Projekt „Seebühne“ vor der Feuertaufe

Die Vermessungsarbeiten durch die beiden Bauhofmitarbeiter Christopher Söllner (kniend), Oliver Götte und Architekt Gerhard Plaß (rechts), beobachtete Bürgermeister Helmut Voit (links). Foto: /Christian Schilling

In Nagel wird zunächst der Boden des Gewässers auf die Machbarkeit untersucht. Der finanzielle Rahmen des Vorhabens ist jedoch klar abgesteckt.

Überwiegend im Herbst lassen die meisten Teichbesitzer das Wasser zum Abfischen ab. In Nagel hat die Gemeinde den Mönch des Sees, das regulierbare Ablaufwerk, bereits am Montag geöffnet. Hintergrund ist eine Machbarkeitsstudie für die geplante Seebühne.

„Heute ist der entscheidende Tag, ob die Umsetzung der Seebühne realistisch ist.“ Ein wenig Zweifel ist in diesen Worten von Bürgermeister Helmut Voit, der sich vor Ort ein Bild machte, herauszuhören. Bereits vor einem Jahr hatte sich die Gemeinde Nagel am Wettbewerb „Gütesiegel Heimatdorf 2021“ des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat beteiligt. Im Zuge des Wettbewerbs zeichnete das Heimatministerium Gemeinden mit bis zu 3000 Einwohnern mit besonders hoher Lebensqualität aus, die vorher mit mindestens einem Ortsteil am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen hatten. Nagel erhielt als Gemeinde im „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ für den Vorschlag der Seebühne als eine von 14 Kommunen eine Prämie von 60 000 Euro. Nun gilt es, das Projekt umzusetzen.

Ursprünglich sei die Bühne unterhalb der sanitären Einrichtungen geplant gewesen, wo bereits ein Steg vorhanden ist, erklärt Voit. Doch der Gemeinderat habe diesen ersten Vorschlag abgelehnt. Der Bauausschuss habe sich danach erneut mit dem Thema beschäftigt und einigte sich auf den Standort am Nordwestufer. Diese Reglung fand schließlich auch die einstimmige Zusage im Gemeinderat.

Tiefe Schlammschicht

Um die Machbarkeit zu prüfen, war nun der Wasserstand reduziert worden. „Das geht nur am Ende des Sommers“, weiß das Gemeindeoberhaupt. Mitarbeiter des Bauhofs testeten nun bei Baggerarbeiten, wie hoch die Schlammschicht im nordöstlichen Teil des Gewässers ist. Und der Bagger musste ziemlich tief graben, bis er auf eine feste Schicht stieß. Dort sollen nun laut Architekt Gerhard Plaß mindestens vier Betonpfeiler das Fundament bilden, das letztlich die Bühne trägt. Nachrutschende Schlammmassen, bedingt durch den nun am Seegrund fließenden Bach, erschwerten die Arbeiten. Auf fast vier Meter Höhenunterschied kam Planer Plaß, der für das Projekt verantwortlich zeichnet. Anhand eines Nivelliergeräts und eines Fixpunkts am Seeufer errechnete der Experte – einfach ausgedrückt – diese Höhe. „Angesichts des Schlamms habe ich Schlimmeres befürchtet“, sagte der Architekt, der nun in den nächsten Tagen vor einer weiteren großen Herausforderung steht.

Denn die Gemeinde Nagel ist bekanntlich finanziell nicht auf Rosen gebettet. „Als Konsolidierungsgemeinde dürfen wir kaum freiwillige Leistungen finanzieren“, erklärt Bürgermeister Voit. Und als freiwillige Leistung zähle der Bau der Seebühne. Das Vorhaben dürfe daher nicht mehr als die 60 000 Euro kosten, die als Prämie von der Regierung flossen. Diesen finanziellen Rahmen gilt es jetzt für den Architekten bei seinen Planungen abzustecken. Das Ergebnis soll bereits in der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag bekannt gegeben werden. Denn das Vorhaben steht unter einem gewissen Zeitdruck. „Wir wollen noch heuer mit den Betonarbeiten fertig werden“, betont Voit. Sonst würde man ein ganzes Jahr verlieren und könne erst im nächsten Herbst beginnen. Dabei setzt die Kommune auch auf eigene Manpower. Die ringförmigen Stützen sollen von den Mitarbeitern gesetzt und ausbetoniert werden.

Erweiterte Liegewiese

Auf die Betonsockel soll schließlich ein Stahlnetz montiert werden und darauf die Bühne mit Reling. Auch ein Steg als Zugang soll dabei entstehen, damit die Bühne quasi als erweiterte Liegewiese von den Badegästen genutzt werden kann. Dazu müssen dem Projekt auch einige Bäume am Ufer weichen. Als Ausgleich sollen dafür Obstbäume an der Schule gepflanzt werden, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Auch ein Teil des Hanges, der vom See wegführt, soll planiert und dann als Art Tribüne genutzt werden.

Bedenken, dass während der Sommersaison zuviel Halligalli um die Bühne herrscht zerstreut Voit. „Es wird nicht jedes Wochenende ein Konzert oder ähnliche Veranstaltungen geben.“ Zudem habe man bereits gute Erfahrungen mit der Kulisse am See gemacht. Ein Konzert von Andy Lang habe damals die Zuhörer begeistert. Die Gemeinde will die Bühne aber auch für eigene kulturelle Angebote nutzen, beispielsweise für Konzerte der Musikschule Tröstau-Nagel-Bad Alexandersbad. Vorgespräche hierzu habe es bereits gegeben, bei denen die Musikschule auch ihre Bereitschaft signalisierte.

Kulturverein angedacht

Die Gemeinde könne allerdings mehrere Veranstaltungen nicht alleine stemmen. Deshalb sei auch die Gründung einer Art Kulturverein angedacht. Nun gilt es aber, zunächst die Kosten abzuchecken, damit der Bau auch beginnen kann. Architekt Plaß zeigte sich dabei am Ende zuversichtlich: „Das kriegen wir schon hin.“

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