Gothic-Legende Goethes Erben kommen nach Hof

Frontmann Oswald Henke trägt die Live-Shows mit seinem Charisma. Foto: Udo Meixner

Die Bayreuther Band um Frontmann und Kreativkopf Oswald Henke spielt am Freitag in der Alten Filzfabrik. Sie gehört zu den Urgesteinen der deutschen Gothic-Szene.

Hof - Ganz spontan spielt am Freitag eine der wichtigsten Bands der deutschen Gothic-Szene in der Alten Filzfabrik in Hof: Goethes Erben. Da ein Konzert der Bayreuther in Hannover abgesagt wurde, der Club hatte keine Lust auf die 3G-Regeln, legen sie einen spontanen Zwischenstopp in der Saalestadt ein. Die Alte Filzfabrik versucht nun, die Fixkosten der Band für diesen Tag in kleinem Rahmen aufzufangen. Kommen dürfen 100 Leute. Hören werden sie an dem Abend in erster Linie das kommende Album der Gruppe, das auf den Namen „X“ hören wird. Frontmann und Kreativkopf Oswald Henke verspricht: „Es beginnt düster, bleibt düster und wenn man denkt, es geht nicht noch düsterer, wird man überrascht. Es geht . . . Erst bei den Zugaben wird es wohl auch hoffnungsvollere Stücke geben.“

Anfangs, in den 1990er-Jahren, gehörte die Band schnell zur Speerspitze der deutschen Gothic- und Dark-Wave-Szene. Fans und Presse verpassten ihr das Etikett „Neue Deutsche Todeskunst“ – aber die Ambitionen gingen schon immer darüber hinaus. Nach einer Album-Trilogie mit Henkes markantem Sprechgesang, der morbide Texte zu düsteren Synthesizer-Klängen darbot, entwickelte sich die Gruppe rasch weiter, bis hin zur Inszenierung eigener Theaterstücke und zur Aufnahme ambitionierter Konzeptalben. Mit dem Stück „Glasgarten“, das Peter Heppner von Wolfsheim am Gesang unterstützte, gelang ihr sogar ein kleiner Szene-Hit – Chartplatzierung inklusive. 2007 auf Eis gelegt, kehrte die Band im Jahr 2014 mit spektakulär inszenierten Shows im Leipziger Volkspalast wieder auf die Bühne zurück.

Heute ist Goethes Erben irgendwo in der Mitte zwischen Musik und Theater angesiedelt und bindet klassische, elektronische und avantgardistische Elemente mit ein. Der Sound hat sich in Richtung (Post-)Rock geöffnet und modernisiert, wie das Album „Am Abgrund“ im Jahr 2018 eindrucksvoll verdeutlichte. Die Liveshows sind sehr opulent, lange, intensiv und auch hinsichtlich der Ausstattung beeindruckend. Oswald Henke, der auf der Bühne mit dämonischem Charisma und nicht zuletzt einer großen Portion schwarzem Humor den Fixpunkt bildet, will auch in Hof das ganze Register auffahren.

Eindrucksvoll auf ganz andere Art präsentiert sich der Support-Act namens Sieben. Dahinter steckt Geiger Matt Howden, den Fans der Gothic-Szene auch als einstiges Mitglied der bekannten Neofolk-Band Sol Invictus kennen könnten. Der Geiger, Sänger und Songwriter aus dem englischen Sheffield tritt nur mit einer Geige und einem Sampling-Gerät auf. Er nimmt sich selbst auf, spielt die Aufnahmen in Schleife ab und baut so komplette Lieder auf. Dabei beweist er auf der Bühne erstaunliche Entertainer-Qualitäten, gibt sich als typisch britischer Gentleman und verblüfft zugleich mit musikalischem und lyrischem Tiefgang – eine faszinierende Mischung aus Folk-Punk, dunklen Balladen und traditioneller Musik, die sich allen Schubladen entzieht.

Tickets gibt es im Online-Vorverkauf zum Preis von 21,20 Euro. Das Konzert beginnt am Freitag, 17. September, um 20 Uhr. Einlass ist um 19 Uhr. Es wird feste Sitz- und Stehplätze geben um den Abstand zu anderen Haushalten einzuhalten, dann können am Platz die Maske abgenommen und Essen sowie Getränke verzehrt werden. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird beim Konzert die 3G-Regel gelten.

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