Gottesdienste in Zeiten von Corona Zu Hause bleiben und doch dabei sein

Auch Christen, die nicht zum Gottesdienst oder zur Andacht in die Kirche kommen können, sollen nicht vergessen werden. Deshalb stellt die evangelische Kirchengemeinde virtuelle Angebote ins Netz. Unser Bild zeigt den Blick von der Empore in das Kirchenschiff sowie im Vordergrund einen Laptop, auf dem eine Szene aus einem Anspiel zum 3. Advent mit Volker und Carolin Strößenreuther zu sehen ist. Foto:  

Adventsbesinnung trotz Corona: Mit Beiträgen im Internet will die evangelische Kirchengemeinde Arzberg auch aus der Distanz Nähe zu den Gläubigen schaffen.

Arzberg - Corona-Pandemie: das Wort des Jahres 2020. Wie könnte es auch anders sein. Denn das Virus beeinträchtigt nahezu alle Bereiche des Lebens. Es kommt sogar dem Wort Gottes in die Quere. Denn viele Menschen wollen oder können nicht mehr am Gemeindeleben teilnehmen, weil die Angebote wegen der Veranstaltungs- und Kontaktbeschränkungen dezimiert sind oder erst gar nicht stattfinden. Oder weil die Gläubigen Angst haben, mit vielen Menschen in einem Raum zu sein. Keine Kaffeenachmittage für die Seniorinnen und Senioren, kein Brot-für-die-Welt-Café, keine Chorproben, Gottesdienste und Andachten nur mit Abstand, Alltagsmaske und Hygieneregeln. Da kann es leicht passieren, dass manche Menschen sich vergessen fühlen. Damit das möglichst nicht passiert, geht die evangelische Kirchengemeinde ins Netz. So können die Gemeindemitglieder zu Hause bleiben und doch dabei sein.

Schon im Frühjahr online

„Momentan ist eine schwere Zeit, es gibt viele aktuelle Probleme“, sagt der Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Klaus Schönauer. „Daher haben wir überlegt, was wir dazu beitragen können, die Menschen trotzdem zu erreichen.“ Schon zu Ostern, als der strenge Lockdown galt, habe die evangelische Kirchengemeinde den Gottesdienst online gefeiert und auch später weitere Videos ins Internet gestellt. „Das waren einzelne Beiträge, mal Musik, mal eine kurze Andacht, mal Bilder, mal Berichte aus der Gemeindearbeit. Der Kindergarten hat eine Bastelanleitung gegeben, die Erzieherinnen haben was für die Kinder gemacht, um mit den Jungen und Mädchen in Kontakt zu bleiben“, erinnert sich Schönauer.

Nun hätten sich die Mitglieder des Kirchenvorstands überlegt, dass es gerade in der Adventszeit schön wäre, wenn die evangelischen Christen wiederum auf das Internet zurückgreifen könnten. Daher hat das Team um Klaus Schönauer, Kristina Martin, Sabrina Hinz und Volker Strößenreuther die Aufgaben für die vier Adventssonntage aufgeteilt und die Dreh-Termine für die Video-Clips organisiert. Aufgenommen werden die Beiträge mit dem Smartphone, geschnitten dann am Computer. Er selbst, so der Vertrauensmann, habe mit seiner Frau ein Lied und Gedanken dazu beigesteuert. Nach dem Anzünden der ersten Kerze auf dem Adventskranz interpretieren die beiden in dem Clip mit Keyboard-, Gitarren- und Rhythmusbegleitung „Stille vor dir, mein Vater“. Gerade dieses Lied hätten er und seine Frau ausgesucht, um in der Stille auf Gott zu hören. „Stille, nicht weil wir mehr Ruhe brauchen, sondern weil wir Gott brauchen“, sagt Klaus Schönauer in der Video-Sequenz.

Kämmerer und Fräulein Isebill

Am nächsten Sonntag steht das Thema „Nikolaus“ im Mittelpunkt. „Zum dritten Advent haben sich Volker und die Carolin Strößenreuther etwas Nettes überlegt“, kündigt der Vertrauensmann an. In einem Anspiel, wie sie manchmal auch im Gottesdienst üblich sind, schlüpfen die beiden in ihre Rollen aus den früheren Jugendgottesdiensten und spielen den Herrn Stadtkämmerer und das Fräulein Isebill. Damit verbunden ist auch eine kleine Aktion für die Zuschauer. „Mehr kann ich allerdings nicht verraten“, sagt Klaus Schönauer.

Zu Weihnachten steht ein kleiner Gottesdienst auf dem Programm, der aus verschiedenen Beiträgen zusammengeschnitten wird. Mit dabei sind der Posaunenchor, der Chor Crossing und Pfarrer Sebastian Stief mit einer Predigt. Auch Lesungen wird es geben. „Wir gestalten das kurzweilig. Es dauert maximal eine halbe Stunde“, verspricht Schönauer.

Einer freut sich ganz besonders über die Aktivitäten des Internet-Teams: Pfarrer Carsten Friedel. „Die Idee ist im Kirchenvorstand entstanden. Und es ist sehr schön, dass sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammengefunden haben, um den Menschen, die nicht in die Kirche kommen können oder möchten, ein Angebot zu machen“, sagt der Geistliche. Auf diese Weise könnten die Gläubigen auf anderen Kanälen erreicht werden. Der Advent solle ja eine Mut machende, tröstende Zeit sein. Dazu sollen die Videos beitragen. Friedel hält es auch für wichtig, dass nicht nur die Pfarrer aktiv seien, sondern viele Gemeindemitglieder. „Jeder hat Begabungen“, ist er überzeugt. „Ich bin gerne dabei, aber ich lasse auch gerne los.“

 
 

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