Großbrand in Hof Sieben Menschen ohne Zuhause

S. Göpel-Schulze und J. Reinboth

Nach dem Feuer in einem Mehrfamilienhaus sucht die Stadt nun Lösungen. Die Helfer sprechen von einem heiklen Einsatz und erklären, warum so viele Hubschrauber bereit standen.

Die Erinnerungen eines Lebens, Werte, Liebgewonnenes. Einfach weg. „Hier hat es gebrannt, die Wohnungen gibt es nicht mehr“, sagen die Einsatzkräfte zu einer Frau, die am Montag nicht in Hof war. Nun ist sie dorthin geeilt, wo mal ihr Zuhause war, an das Mehrfamilienhaus in der Marienstraße in Hof. „Ich bin jetzt obdachlos“, sagt die Frau mittleren Alters.

Bei einem Großbrand in Hof ist am Montag ein Wohnblock in Flammen aufgegangen. Nach ersten Schätzungen der Polizei entstand bei dem Feuer ein Schaden in einstelliger Millionenhöhe. Zunächst wurden fünf Verletzte gemeldet. Diese Zahl erhöhte sich am Dienstag auf sieben. Die meisten erlitten Rauchvergiftungen. Noch am Abend konnte die Feuerwehr den Brand löschen.

Insgesamt mussten am Montag 40 bis 50 Menschen evakuiert werden, da auch Nachbargebäude beschädigt wurden. Für die Bewohner richteten das Technische Hilfswerk und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) aus Selbitz in der Jahnhalle eine Notunterkunft ein, erklärt Sascha Plochberger, Katastrophenschutzbeauftragter der Stadt Hof. Dort wurden die Betroffenen betreut und versorgt. Es blieben aber nur 15 über Nacht. Die Turnhalle musste am Dienstag wieder geräumt werden. Polizei und Feuerwehr hätten im Laufe des Dienstags einige Wohnungen für die Bewohner wieder freigegeben, sodass noch sieben Menschen ohne dauerhafte Bleibe seien. Diese könne man aber in Hotels oder der Jugendherberge Hof unterbringen, so Plochberger.

Spezialeinheit aus Bayreuth vor Ort

Das Feuer war nach ersten Erkenntnissen in einem Schuppen im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses ausgebrochen, wie die Polizei mitteilte. Der Wohnblock brannte großenteils aus, der Dachstuhl stürzte laut Polizei ein. „Das Feuer griff im weiteren Verlauf auf die angrenzenden Hausnummern über“, hieß es in einer Mitteilung. Zwei weitere Häuser wurden demnach von den Flammen beschädigt, die Feuerwehr verhinderte eine noch größere Ausbreitung. Die Rauchschwaden hielten sich bis in den Abend hinein über der Stadt. Anwohner des Bahnhofsviertels und aus dem nahen Umfeld der Häuser sollten deshalb Türen und Fenster geschlossen halten. Die Einsatzkräfte informierten die Anwohner über Lautsprecherdurchsagen.

Zu den Rettungskräften gehörten auch die Besatzungen von vier Rettungshubschraubern – Christoph 20 aus Bayreuth, Christoph 80 aus Weiden, Christoph 70 aus Jena und Christoph Thüringen –, die vorsorglich im Einsatz waren. Einer unterstützte die Löscharbeiten mit Live-Bildern aus der Luft. Es waren laut Polizei zu Spitzenzeiten mehr als 250 Kräfte im Einsatz. Darunter auch die Flughelfergruppe Oberfranken aus Bayreuth, 15 speziell ausgebildete Feuerwehrleute, die zuletzt auch bei den heftigen Waldbränden in Sachsen unterstützten.

Wie heikel der Einsatz war, zeigt die Tatsache, dass Brandmauern eigentlich nur für bis zu 90 Minuten Feuerdruck ausgelegt seien, erklärt Markus Hannweber, Leiter der Integrierten Leitstelle Hochfranken. Das Feuer in Hof war erst nach mehr als vier Stunden unter Kontrolle, in den nächsten Tagen sind weiter Brandwachen vor Ort. Die Rauchschwaden waren bis weit an die Stadtgrenzen und darüber hinaus zu sehen. Hannweber lobt: „Unser Rettungssystem funktioniert, es gibt kein Kompetenzgerangel, die schnelle Hilfe steht im Vordergrund.“

Über den Rundfunk sowie Lautsprecherdurchsagen wurden die Anwohner des Bahnhofsviertels sowie rund um den Brandort am Abend darum gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Kooperation mit Krankenhäusern

Für die betroffenen Anwohner der Mehrfamilienhäuser wurde kurzfristig die Jahnturnhalle unweit der Brandstelle geöffnet und ein Feldbettenlager aufgebaut. Oberbürgermeisterin Eva Döhla machte sich vor Ort ein Bild. Auf Facebook zollte sie am späten Abend den Einsatzkräften ihren Respekt: „Über 300 Leute sind hier im Einsatz und leisten beste Arbeit, es ist ein schwerer Job! Unsere Freiwillige Feuerwehr der Stadt Hof, Feuerwehren aus dem Landkreis, K-Schutz, Polizei, BRK, THW und weitere hängen sich gemeinsam rein. Bewohner bekommen Notunterkunft in der Jahnhalle zur Verfügung gestellt. Alles läuft Hand in Hand vor Ort. Ich hab’ einen Wahnsinnsrespekt vor den Männern und Frauen hier, wir können sehr, sehr dankbar sein, dass es Sie, dass es Euch gibt! Und wir sind es... jede Minute. Hut ab!“

Nach der ersten Alarmierung wurde der Einsatz schnell als Großlage eingestuft, die Retter gingen von 16 bis 25 Verletzten aus, heißt es von der Landeszentralstelle des Bayerischen Roten Kreuzes. Auch deshalb wurden die Helikopter angefordert. Das BRK musste davon ausgehen, dass es Schwerverletzte gibt. „Wir haben deshalb Betten in Kliniken im Umkreis von 100 Kilometer gesichert“, erklärt Markus Hannweber. Dies sei mittlerweile nötig, weil bei Großlagen die Kliniken in der Region aufgrund verschiedener Entwicklungen im Gesundheitswesen nicht alle Verletzten aufnehmen könnten. Dies sei kein regionales Problem, sondern deutschlandweit zu beobachten. Die Häuser müssten sich immer mehr gegenseitig unterstützen.

Auch die Einsatzkräfte sind aufeinander angewiesen. Damit die weitere Versorgung in der Stadt Hof sichergestellt werden konnte, postierten sich Wehren aus den umliegenden Kommunen, unter anderem aus Rehau, vor dem Feuerwehrgebäude. „In einer Stadt von der Größe Hof kann es immer zu einem weiteren schweren Ereignis kommen“, erklärt Markus Hannweber die sogenannte Gebietsabsicherung.

Die stillen Helfer des BRK

Doch es sind auch die zunächst unscheinbaren Helfer, diejenigen, die nicht auf der Drehleiter stehen und den Brand bekämpfen oder Verletzte versorgen, die an einem solchen Tag große Aufgaben meistern müssen. Zu ihnen gehört Thomas Klich, Kreisbereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuzes, der am Montag die gut 50 Ehrenamtlichen des BRK vor Ort koordinierte. Bei ihm und seinem Team, erzählt er, kommen die Menschen zunächst an, mit dem, was sie noch am Körper tragen oder noch schnell zusammengesucht haben. Manche seien verängstigt, andere aufgeregt oder in sich gekehrt. „Wir bieten den Betroffenen erst mal Schutz, vor allem auch psychisch, das ist eine Aufgabe, die weniger gesehen wird“, sagt Klich. Sein Team kümmere sich dann um einfache Dinge: Windeln, Kleidung, ein Ladekabel für das Handy, um Angehörige zu informieren.

Er sei „sehr froh“, dass die Rettungsorganisationen in Stadt und Landkreis Hof so eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. „Wir üben viel, aber solche Einsätze sind nicht zu simulieren, sie funktionieren nur, weil das Ziel, Menschen zu retten, bei jedem ganz oben steht, weil Menschen Verantwortung tragen wollen.“

 

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