Hof – Der Handels-Experte Christian Klotz aus Bad Reichenhall hat am Mittwochabend in einem Vortrag vor 400 Besuchern in der Hofer Bürgergesellschaft seine Bestandsaufnahme des Hofer Einzelhandels präsentiert. Sein Urteil fiel zum Teil verheerend aus: „Die Stadt präsentiert sich in einer schlimmen Optik, wie es sie kein zweites Mal in Bayern gibt.“ Der Handel habe zudem viel zu wenig Kunden und lebe von der Substanz. Klotz’ wichtigste Botschaft lautete: „Bringt Frequenz in die Stadt.“ Für den schlechten Zustand der Stadt und des Handels machte er die Politik, die Stadtverwaltung mit der Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing verantwortlich. Er warf den Ämtern Untätigkeit vor.
Die Kommunalpolitik habe in den vergangenen Jahren viele Fehler begangen, indem sie etwa der Ansiedlung von mehreren Nahversorgungszentren an der Peripherie zugestimmt hätte. „Hunderte Existenzen hat diese falsche Kommunalpolitik ins Elend getrieben“, sagte Klotz. Die Folge sei eine sterbende Stadt. Der geplanten Hof-Galerie erteilte Klotz eine Absage. Seiner Meinung nach würde sie die ohnehin vom Leerstand gebeutelte Fußgängerzone komplett zerstören. Mit seinen deutlichen Ausführungen wollte Klotz die Verantwortlichen aufrütteln.
Walther und Pfersdorf hoffen auf den Ruck

Mit wachem Kopf und ein paar Stunden Schlaf blicken am Donnerstagmittag der Initiator des Abends, Stefan Walther, und der Hofer Einzelhandelssprecher, Lutz Pfersdorf, auf den denkwürdigen Abend zurück. „Was ich nicht beabsichtigt habe und was nicht passieren darf, ist, dass sich die Stadt spaltet“, sagt Walther. Die teils derben Aussagen von Handelsexperte Christian Klotz seien Geschmacksache. „Kraftvolle Aussagen rütteln auf“, darum sei es ihm gegangen. „Der Kern der Aussagen ist fundiert und entspricht der Wahrheit. Hof ist das Schlusslicht in Bayern, dabei hat Hof außergewöhnliche Highlights“, sagt Werner. Er wünscht sich von jenen, die an diesem Abend ihr Fett wegbekommen haben, dass sie „den langen Weg auf sich nehmen und die Fakten wenigstens hinnehmen“.

Ganz begeistert vom klotz’schen Vortrag ist Lutz Pfersdorf. Er fühlt sich bestätigt: „Klotz hat Dinge angesprochen, die auch vom Handel immer wieder angesprochen wurden.“ Vor allem die mangelnde Sauberkeit in der Stadt sei ein Grundproblem. Einst habe die CSU-Stadtratsfraktion eine medienwirksame Innenstadtbegehung gemacht. „Danach war es mal drei Tage sauberer“, scherzt Pfersdorf. Er sieht allerdings nicht nur die Stadt in der Pflicht. Jeder, dem die Stadt am Herzen liegt, müsse sich um ein ordentliches Erscheinungsbild bemühen. Die Stadtverwaltung müsse dies aber vorleben. Für genügend öffentliche Toiletten könne kein Privatmann sorgen. Für viele Touristen sind genügend Stille Örtchen aber ein wichtiger Aspekt. Fehlen sie, würde schnell Anti-Werbung für die Stadt gemacht. Für den Hofer Stadtmarketingverein wünscht sich Pfersdorf ebenso eine neue Richtung. „Der Verein muss kreativ und losgelöst von der Politik entscheiden.“ Derzeit steht Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner dem Verein vor.

Doch nicht alle im Publikum konnte der Referent mit seinen drastischen Aussagen überzeugen: Einige Zuhörer waren über die Inhalte des Vortrags erzürnt – allen voran der Hofer OB Dr. Harald Fichtner, der eine Lanze für die Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung brach und den Nutzen des Vortrags von Klotz infrage stellte. Er warf dem Referent vor, über vieles falsch informiert zu sein. Trotzdem traf Klotz offensichtlich einen Nerv. Am Ende des Abends übergab der Handels-Experte den Vertretern des Handels, der Politik und der Hausbesitzer eine Checkliste mit dem, was sie tun können, um Frequenz in die Stadt zu bringen. In weiteren Veranstaltungen soll die Lage der Stadt analysiert und weitere Schritte besprochen werden.