Hofer Filmtage Dieser Eröffnungsfilm macht Freude

Ralf Sziegoleit
Die Kunsträuber Vincent (Bernhard Schütz, links) und Nils (Jacob Matschenz). Foto: Hofer Filmtage/Felix Novo de Oliveira

„Das schwarze Quadrat“ ist eine schräge Komödie mit Top-Besetzung.

Hof - Er heißt „Das schwarze Quadrat“ wie eines der berühmtesten, vom Russen Kasimir Malewitsch geschaffenen Gemälde der Moderne. Darüber, dass dessen Wert auf 60 Millionen beziffert wird, schütteln Banausen die Köpfe. Über den gleichnamigen Film kringelt sich das Publikum der Hofer Filmtage seit gestern Abend vor Lachen.

Es geht tatsächlich um jenes schwarze Bild, das am Anfang an einer Museumswand kurz sichtbar wird und gleich darauf verschwunden ist — gestohlen. Zwei Gauner, Vincent und Nils, wollen damit auf und davon, auf einem Kreuzfahrtschiff soll es verhökert werden. Weil der Lieferant von Tickets und Pässen im Stau steht, muss das Duo die Identität zweier Entertainer annehmen und geht als Imitatoren von Bowie und Elvis an Bord. Das Bild bringen sie mit dem Hinweis, die fünfjährige Tochter habe es gemalt, durch den Zoll, worauf der kontrollierende Beamte erwidert, sein Kind sei vier und könne schon Häuser und Bäume.

Auch später ist das schwarze Quadrat noch für manches Späßchen gut. Ein Schimpanse könnte es gemalt haben, heißt es einmal, aber auch — wie komisch ist das denn —, dass es die Kunst endlich vom Ballast der objektiven Welt befreie. Die See- und Kreuzfahrt jedenfalls, bei der sich viele Wege kreuzen und ausgiebig getäuscht und geflunkert wird, ist ungemein lustig. Alle wollen nur das eine, und das manchmal auch über den Umweg durch fremde Betten: Sie wollen das gestohlene Bild.

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Der 34-jährige Peter Meister, dessen Schaffen bislang nur vier Kurzfilme umfasste, hat „Das schwarze Quadrat“ geschrieben und inszeniert. Als Co-Produzent taucht neben dem Sender Arte auch das als dröge geltende „Kleine ZDF-Fernsehspiel“ auf, das damit wohl einen Volltreffer verbuchen wird. Auf jeden Fall brillant ist das Darsteller-Ensemble, das von Bernhard Schütz (Vincent) und Jacob Matschenz (Nils) angeführt wird. Als Dritte im Bunde imponiert Sandra Hüller, die für ihre Rolle in „Toni Erdmann“ einen Europäischen Filmpreis erhielt. Hier nun geht sie als Komödiantin mit Finsterblick über Leichen. Die Handlung ist total überdreht, wird jedoch durch Poesie und einen Hauch Tragik verfeinert, der Klamauk im turbulenten Finale ist grandios.

Am Ende hängt das schwarze Bild scheinbar wieder an seinem Platz im Museum. Es riecht allerdings komisch — nach Urin irgendwie. Die Zuschauer wissen warum und freuen sich diebisch.

Sonderseite 55. Internationale Hofer Filmtage
Bis Sonntag gibt es 134 Filme, davon 69 Lang- und 51 Kurzfilme. Es werden prominente Filmschaffende und Schauspieler in Hof erwartet. Unsere Berichterstattung finden Sie auf der Sonderseite zur 55. Ausgabe der Hofer Filmtage
 

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