Hofer Stadtbücherei Mehr Treffer bei der Büchersuche

Lisbeth Kaupenjohann
Einen Monat lang hat Manfred Hauer (links), IT-Fachmann für Bibliotheken, in der Stadtbücherei Hof rund 100 000 Titel konvertiert. Büchereileiter Peter Herold (rechts) ist begeistert von der neuen Suchmaschine „Dandelon“, die es leichter macht, Fachliteratur zu finden. Der Hofer Lyriker Salvatore Rinnone hat auf diese Weise lang gesuchte Fachliteratur gefunden. Foto: /Kaupenjohann

Die Stadtbücherei Hof profitiert vom Bundesprogramm „Neustart Kultur“. „Dandelon“ holt schneller als bisher wissenschaftliche Buchtitel auf den Bildschirm. Davon profitieren nicht nur Studenten.

Hof - Salvatore Rinnone ist glücklich. Endlich kann der Hofer Kafka-Fan und Lyriker auf die von ihm so sehnlich gesuchten Schriften von Theodor W. Adorno zugreifen, in denen sich der Philosoph mit der Arbeit des Schriftstellers Franz Kafka auseinandersetzt. Rinnone, der bereits einen Liederzyklus geschrieben hat über Kafkas „Prozess“, plant ein neues Projekt. Im Sommer will er es in der Bücherei Hof vorstellen. Das freut Büchereileiter Peter Herold, der zunächst vergeblich in allen bayerischen und bundesdeutschen Uni-Bibliotheken nach den von Rinnone gesuchten Texten geforscht hatte. Jetzt ist er fündig geworden – in der Stadtbücherei. Dank einer neuen Suchmaschine, die ein Spezialist in den vergangenen vier Wochen hier installiert hat. Wissenschaftliche Werke sind ab sofort schneller und leichter vor Ort zu finden, auch schwierige Bestellwünsche werden einfacher zu erfüllen sein. Für die Leser ist dies kostenlos.

„Peter Herold hat die Zeichen der Zeit erkannt und schnell agiert“, lobt Manfred Hauer, der die Konvertierung durchgeführt, also Barcodes auf Chips übertragen hat. Der IT-Fachmann für Bibliotheken ist ein Pionier auf seinem Fachgebiet, der Computeranalyse. Der Politologe und Informationswissenschaftler hat zusammen mit einem Kompagnon im Jahr 2001 die Firma AGI gegründet und die Suchmaschine „Dandelon“ erfunden, die besonders schnell arbeite. „Mir war schon sehr früh daran gelegen, Bibliotheken besser zu machen durch IT“, sagt er. „Dandelon“ erschließe rund 10 000 neue Titel pro Monat.

Das Besondere an dieser Suchmaschine ist nach Worten Herolds, dass sie nicht nur Titel und Autor einer Schrift – ob sie nun zwei oder 20 Seiten umfasst – erfasst, sondern auch deren Inhaltsverzeichnis, wodurch sie dem Suchenden mehr Informationen an die Hand gibt und eine eingehendere Textanalyse ermöglicht. Einen Link zu „Dandelon“ finden die Nutzer auch auf der Homepage. „Der Leser entscheidet über die Relevanz der Quellen“, erläutert Hauer. Urheberrechtlich gebe es dabei keine Probleme.

In der Stadtbücherei Hof hat man die Wahl unter 33 000 Titeln der Sach- und Fachliteratur. „Wir möchten den Hofer Studenten etwas bieten“, sagt Büchereichef Herold. Doch das neue IT-System helfe auch den Angestellten der Bücherei, weil es Routinearbeiten erleichtere und die Arbeit damit effizienter und sicherer mache – gerade in Corona-Zeiten.

Möglich geworden ist das alles mit Hilfe des Bundesprogramms „Neustart Kultur“. Peter Herold hatte sich frühzeitig um das Digitalisierungsprogramm für die RFID-Ausleihe beworben – zum einen wegen der Arbeitserleichterung, zum anderen wegen der Verbesserung der Qualität in Hinblick auf die Ausleihen. Als einer der ersten Nutznießer hat er rund 44 000 Euro Fördermittel erhalten, das sind rund 90 Prozent der Gesamtkosten.

 

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