In der Arzberger Bergbräu Amanda erklärt frotzelnd die Welt

Christl Schemm
„Liebe Amanda, jetzt musst du dich entscheiden. Wer soll dein Herzblatt sein? Kandidat eins, zwei oder drei?“ Auf der Bühne in der Arzberger Bergbräu erinnerten das kleine Nilpferd und sein Alter Ego Sebastian Reich an die beliebte Flirt-Show, die bis 2005 in der ARD zu sehen war. Den Fragen Amandas stellten sich (von links): Thomas Wiederock, Pfarrer Stefan Prunhuber und Steffen Rudolf, der das Rennen machte. Foto: /Christl Schemm

Mit der Vorpremiere seines neuen Programms „Verrückte Zeit!“ macht Bauchredner Sebastian Reich Station in Arzberg. Das Publikum genießt den Live-Auftritt.

Arzberg - Er übt noch. Deswegen liegt auf dem Bühnenboden auch ein großer Spickzettel. Würde man den und Sebastian Reichs sporadischen Blick nach unten nicht sehen und nicht wissen, dass der Auftritt die letzte von vier Vorpremieren ist, käme man nicht auf die Idee, dass da vielleicht noch etwas geschliffen und gefeilt werden muss, wie der Künstler freimütig bekennt. Denn das Gastspiel des Bauchredners und Comedians am Freitag im Festsaal der Arzberger Bergbräu läuft wie am Schnürchen. Genauso professionell und im engen Kontakt mit dem Publikum, wie dieses Reich und seine Puppen von zahlreichen Fernsehsendungen kennt.

Von der ersten Minute an lachen, jubeln und juchzen die Fans, freuen sich einfach, dass sie den Live-Auftritt – nach 2G-Regeln und mit Maske – genießen können. Denn schließlich war die Vorstellung schon zweimal aufgrund der Corona-Beschränkungen verschoben worden. Auch Sebastian Reich, der bis 2014 unter dem Pseudonym Pierre Ruby auftrat, ist froh, endlich wieder vor „echten Menschen“ spielen zu können und nicht in Autokinos oder online „in Boxershorts und mit Flipflops“. „Autos antworten nicht“, hat er erfahren. „Das war wie in einem Gebrauchtwagenmarkt. Hier kann ich in lachende Augen schauen.“

Lautstark und ausdauernd

Das Lachen kann der Künstler aber nicht nur an den Augen ablesen, sondern auch hören. Und zwar lautstark und ausdauernd. Denn das neue Programm „Verrückte Zeit!“ trifft augenscheinlich genau den Nerv der Besucherinnen und Besucher. Sie amüsieren sich köstlich über die Dialoge, die Reich mit seinen Puppen führt: mit dem rappenden Glücksschwein PigNic, das hypernervös und der „Chef im Stall ist“, mit einem durchgeknallten Pinguin, mit dem „Gabrielefant“, der seine „außerordentliche Sonderprüfung der Veranstaltung“ durchziehen will, und natürlich Amanda.

Immer wieder Amanda. Mit ihr lebt Sebastian Reich in einer Wohngemeinschaft, an deren Alltag das Paar sein Publikum teilhaben lässt. Die Nilpferddame kommt herb-charmant daher wie immer, erklärt in stetig frotzelnden Kabbeleien mit ihrem Alter Ego die Welt. Und sucht sich, anstelle des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den sie bei „Fastnacht in Franken“ ausdauernd angehimmelt hat, an diesem Abend Thomas aus der ersten Reihe zum Flirten aus, singt ihm sogar ein Geburtstagsständchen. Beim „Herzblatt“-Sketch, zu dem auch der katholische Pfarrer Stefan Prunhuber zum größten Amüsement des Publikums auf die Bühne geholt wird, macht dann aber doch ein anderer Kandidat das Rennen: Steffen Rudolf.

Rasantes Tempo

Dialoge, Filmeinspieler, Gesang, verschiedene Puppentypen und -stimmen, diverse Dialekte, aktuelle Themen wie die Fußball-WM in Katar und Herausforderungen des Internets, Kochen, Werbung von Carglass und Seitenbacher-Müsli: All das meistert Sebastian Reich mit seiner Baurednerkunst in rasantem Tempo, großer Flexibilität und viel Augenzwinkern. Der Comedian erzeugt durch seine Performance eine perfekte Illusion der Persönlichkeit seiner Puppen. Und spielt sich damit in die Herzen und mitten durch das Zwerchfell seiner Fans aus allen Altersgruppen. Selbst dann, wenn er noch übt.

 

Bilder