In Marktredwitz Seelbinder feiert 75.

Herbert Scharf
Ein Teil der Gratulanten mit der Jubilarin (von links): Landrat Peter Berek, Oberbürgermeister Oliver Weigel, Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger, Birgit Seelbinder, Regierungspräsidentin­ Heidrun Piwernetz, Bundestagsabgeordneter Hans-Peter Friedrich und CSU-Politiker Peter Gauweiler. Foto: Herbert Scharf

Mit einem Festakt und zahlreichen Gratulanten hat Birgit Seelbinder am Sonntag 75. Geburtstag gefeiert. Als Oberbürgermeisterin lenkte sie fast zweieinhalb Jahrzehnte die Geschicke der Stadt Marktredwitz.

Es war fast ein Familienfest, das am Sonntag zum 75. Geburtstag von Alt-Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder in der Stadthalle stattfand. Ein Fest der politischen Familie der Vergangenheit bis in die Gegenwart, mit all denjenigen, mit denen die Jubilarin zu tun hatte oder noch zu tun hat.

Gekommen waren alte Weggefährten wie der frühere bayrische Umweltminister Peter Gauweiler, die Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Friedrich und Jörg Nürnberger, Bezirksrat Holger Grieshammer, Landrat Peter Berek sowie Prominenz aus der Politik und Wirtschaft der Region.

Mehr als 40 Ehrungen

Oberbürgermeister Oliver Weigel hieß die Gäste willkommen und gratulierte Seelbinder im Namen der Stadt. Er erinnerte an die Ernennung zur Ehrenbürgerin und zur Alt-Oberbürgermeisterin, mit der die Stadt Marktredwitz ihre frühere Oberbürgermeisterin gewürdigt habe.

Mehr als 40 weitere Ehrungen, vom Bundesverdienstkreuz bis hin zur Verdienstmedaille für Diplomatie aus Tschechien, hat Seelbinder ebenfalls erhalten. 1990 wurde Seelbinder, die zuvor beim Wunsiedler Landratsamt und der Regierung von Oberfranken als Juristin gearbeitet hatte, zur ersten Oberbürgermeisterin Bayerns gewählt. Seit dem Jahr 1996 sitzt sie im Kreistag – bis heute.

Gelände der „Chemischen“ entwickelt

Weigel erinnerte an die Aufarbeitung der Missstände in der Chemischen Fabrik. Auf dem entsorgten Gelände entstand das KEC, das Marktredwitz zu dem Einkaufszentrum in der Region machte. Ein zweiter Altlastenfall, der in die Zeit Seelbinders fiel, war das Benkergelände. Hier entstand im Jahr 2006 zunächst die grenzübergreifende Gartenschau mit der Nachbarstadt Eger. Damit hatte Marktredwitz einen neuen Stadtteil, auf dem ein Park, Wohnbebauung, ein neuer Kindergarten, ein Parkhaus und Gebäude für öffentliche Ämter entstanden oder noch entstehen.

Weiter erinnerte Weigel an vier Städtepartnerschaften, die die Jubilarin pflegte und die Marktredwitz zur europäischen Stadt machten. Energisch und erfolgreich setzte sie sich mit der Euregio Egrensis schon bald nach der Grenzöffnung für gute Beziehungen nach Tschechien ein. Dazu kamen ihr Engagement für die Lebenshilfe sowie im bayerischen und deutschen Städtetag.

Aktiv über Landes- und Parteigrenzen

Bundestagsabgeordneter Hans-Peter Friedrich wandte sich an die Alt-Oberbürgermeisterin: „Die Politik braucht wieder mehr Typen wie Sie.“ Er bescheinigte der Jubilarin, dass sie nicht nur für das Wohl der Stadt Marktredwitz, sondern auch für das der Region gearbeitet habe. Und das über Landes- und Parteigrenzen hinweg.

Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger freute sich, dass Seelbinder schon früh die Bedeutung der Beziehungen nach Osten als Garant des Friedens erkannt und gepflegt habe. Wenn sie etwas wollte, kam man schlecht an der damaligen Oberbürgermeisterin vorbei, schmunzelte Nürnberger und sprach die Glückwünsche aller vertretenen SPD-Organisationen aus.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bescheinigte Seelbinder, dass sie bei ihrer Arbeit für die ganze Region immer über den Tellerrand hinausblickte. Mit langem Atem und Beharrlichkeit sei sie fast immer zum Ziel gekommen, wobei sie Rekorde eingeheimst habe. Nach ihrer Wahl zur ersten Oberbürgermeisterin Bayerns habe sie mit einer Amtszeit von fast 25 Jahren einen weiteren Rekord als dienstälteste Oberbürgermeisterin aufgestellt. „Als Vorreiterin machte sie anderen Frauen Mut, in frühere Männerdomänen vorzustoßen“, betonte Piwernetz.

Landrat Peter Berek erinnerte an 30 Jahre Tätigkeit Seelbinders als Kreisrätin. Erst im vergangenen Jahr übernahm sie noch den Ausschuss für soziale Gerechtigkeit im Landkreis. Der Landkreis Wunsiedel zeichnete sie für ihre Verdienste mit der Ehrenmedaille in Gold aus. Und mit der Euregio Egrensis habe sie gute Verbindungen über die Landesgrenze nach Tschechien gepflegt.

Gauweiler: „Ich bin ein großer Fan“

„Ich bin ein großer Fan von Birgit Seelbinder,“ bekannte der CSU-Politiker Peter Gauweiler. Alle Politik müsse zu Problemlösungen führen, sagte er und erinnerte an das rote Kleid, das die Jubilarin bei öffentlichen Veranstaltungen oder Treffen getragen hatte. Viel erreicht habe Seelbinder auch nach der Aufarbeitung des damals größten Umweltskandals in der Chemischen Fabrik und dem sich anschließenden Bau des Kösseine-Einkaufszentrums.

„Es war eine spannende, arbeitsreiche, aber auch schöne Zeit“, blickte Seelbinder zurück auf ihre fast zweieinhalb Jahrzehnte auf dem Chefsessel im Marktredwitzer Rathaus. Sie bedankte sich für die Glückwünsche und bei allen, die sie unterstützt haben.

In ihrem Rückblick erinnerte Seelbinder an den Bau des KEC nach der Entsorgung der Chemischen Fabrik, an die Entstehung der A 93 und an die Ausweisung der Rathaushütte mit dem Bau des Ost-West-Kompetenzzentrums. Weiter nannte sie unter anderem den Ausbau des Klinikums, die grenzübergreifende Landesgartenschau und den Aufbau der Städtepartnerschaften. „Wir haben versucht, mit einem Minimum das Maximum zu erreichen,“ blickte die Alt-Oberbürgermeisterin zurück.

Blumen und stehende Ovationen

Mit stehenden Ovationen würdigte das Publikum die Ehrenbürgerin, als Weigel seiner Vorgängerin einen großen Blumenstrauß überreichte.

Bevor es zum gemütlichen Teil überging, gratulierte der Jubilarin noch eine Abordnung der Dörflaser Faschingsgilde mit Faschingspräsidenten Benjamin Schenk und dem Prinzenpaar an der Spitze. Tanzmariechen Klara Förster, die sich bereits für die Teilnahme an der Süddeutschen Meisterschaft qualifiziert hat, bot einen Ausschnitt aus ihrem Gardetanz.

Für die Umrahmung sorgten das Klarinetten-Quartett sowie Miriam Weiher und Anna Haberkorn von der Musikschule unter der Leitung von Erwin Jahreis.

 

Bilder