In Selb Neue Leitlinien für Photovoltaik

Grundlegend geändert hat der Selber Bauausschuss seine Meinung zu Photovoltaikanlagen. Bleibt die Wertschöpfung in der Region, sind die Räte solchen Projekten gegenüber aufgeschlossen. Foto: picture alliance/dpa/Patrick Pleul

Der Selber Bauausschuss steht dem Bau einer Freiflächenanlage in Erkersreuth positiv gegenüber. Die grundlegende Neubewertung von PV-Anlagen hat auch mit der aktuellen weltpolitischen Lage zu tun.

Bisher haben der Selber Stadtrat und auch sein Bauausschuss dem Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen eher reserviert gegenüber gestanden. So hatte zuletzt der Ferienausschuss Ende August eine solche PV-Anlage zwischen Oberweißenbach und Bernsteinmühle einstimmig abgelehnt. Inzwischen hat sich die welt- und energiepolitische Lage verändert. Deswegen könnte nun eine PV-Anlage in Erkersreuth in der Nähe des Reuthweges hinter der ehemaligen Schreinerei entstehen. Zumindest ist der Bauausschuss bereit, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen und den Flächennutzungsplan zu ändern.

Das Umdenken in Sachen PV-Anlagen begründete Oberbürgermeister Pötzsch mit den veränderten Voraussetzungen: „Neue Zeiten erfordern neues Verhalten und neue Entscheidungen“, so der Oberbürgermeister. Die aktuelle Situation auf dem Energiemarkt sei allen bekannt, viele Überzeugungen aus der Vergangenheit müssten hintanstehen. Wenn man sich von Strom und Gaslieferungen unabhängig machen wolle, müsse man die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen weiterführen.

Fraktionsübergreifend

Bei der jüngsten Bauvoranfrage für eine PV-Anlage in Erkersreuth habe man fraktionsübergreifend beraten, wie man auf die veränderte Ausgangslage reagieren solle. Auch habe man ihn beauftragt, mit der Antragstellerin zu sprechen. Daraus hätten sich grundlegende Voraussetzungen ergeben, unter denen Freiflächen-PV-Anlagen denkbar seien.

Die betreffenden Grundstücke dürfen nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt werden,

der Eigentümer soll auch der Betreiber der PV-Anlage sein und

die Wertschöpfung müsse am Ort bleiben.

Keine Heuschrecken

Man wolle damit verhindern, dass Unternehmen von auswärts die Wertschöpfung abziehen: „Wir wollen keine Heuschrecken, die nur auf Profit aus sind.“ Mit diesen Voraussetzungen gebe man Leitplanken auch für künftige Entscheidungen vor. Bei der aktuellen Bauvoranfrage seien die Voraussetzungen erfüllt: Die Fläche sei landwirtschaftlich nur bedingt nutzbar, hinter dem Projekt stehe die Eigentümerin und die Wertschöpfung bleibe am Ort. Deswegen plädierte Pötzsch für ein Bauleitplanverfahren.

Ähnlich beurteilten die Sprecher der Fraktionen den Sachverhalt. Wie Walter Wejmelka sagte, habe sich seine Fraktion schon immer auf eine Bewertung des jeweiligen Einzelfalles ausgesprochen. Er kenne die zur Diskussion stehenden Flächen seit seiner Kindheit: „Landwirtschaftlich gesehen war das nie was und wird nie was.“ Roland Schneider sagte, bei den Freien Wählern Selb habe es angesichts der Energieknappheit ein gewisses Umdenken gegeben, immerhin müsse die heimische Industrie sicher versorgt werden. Energie, die vor Ort produziert werde, werde in diesem Fall auch vor Ort bleiben. Für Matthias Müller (CSU) sah ebenfalls die Energieerzeugung für die heimische Wirtschaft an Ort und Stelle als wichtige Wertschöpfung an. Deswegen stimme die CSU zu.

Das Projekt

Bauvoranfrage
Bei dem Projekt in Erkersreuth geht es um Folgendes: Die Antragstellerin, die namentlich im Vortrag nicht genannt war, wollte zunächst wissen, ob die Stadt ihr Vorhaben überhaupt unterstützen würde. Entstehen könnte die PV-Anlage auf einer knapp 9000 Quadratmeter großen Fläche hinter der ehemaligen Schreinerei am Reuthweg. Das Areal befindet sich im Besitz der Antragstellerin. Die Anlage könnte eine Leistung von 600 Kilowattpeak haben, was nach Angaben der Bauverwaltung den Strombedarf von etwa 200 Vier-Personen-Haushalten decken würde. Die betroffene Fläche ist nach Angaben der Besitzerin landwirtschaftlich nur sehr schwierig zu bewirtschaften. Es handele sich um eine Magerwiese mit saurem Boden, auf der früher Torf abgebaut worden sei. Der Aufwuchs sei spärlich, die Grasarten, die auf dem sauren Boden wachsen, würden von Tieren oft verschmäht. In den Randbereichen befinden sich nach ihrer Aussage einige nasse Stellen, sogenannte „Kouwampm“, die kaum mit Traktoren zu bewirtschaften seien. Sie habe schon mehrfach überlegt, die Fläche aus der Erzeugung zu nehmen. Problematisch sei auch, dass bei Starkregen verdrecktes Wasser aus dem Regenüberlauf in das Voitsbächlein gelange und die Ufer verschmutze, weswegen das Gras dann entsorgt werden müsse. Auch sei schon mehrfach Erde aus der Aufschüttung oberhalb der Wiese heruntergespült worden. Deswegen sei eine PV-Anlage eine neue Perspektive und zudem ein Beitrag zur Energiewende – zumal der Boden aus landwirtschaftlicher Sicht nicht wertvoll sei und die Fläche von der Straße aus gut zu erreichen wäre. Das Areal sei zudem von der Straße kaum zu sehen, eine optische Beeinträchtigung gebe es also nicht. Wie die Antragstellerin nach der Sitzung sagte, werde sie jetzt – mit dem positiven Signal aus dem Bauausschuss im Rücken – das Vorhaben weiter verfolgen.

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