In Selb Zeitplan für Goetheplatz wackelt

Der Kreisverkehr auf dem Goetheplatz in Selb nimmt langsam Formen an. Ob die Bauarbeiten noch heuer abgeschlossen werden können, ist allerdings nicht sicher. Foto: /Florian Miedl

Der eingebrochene Wasserstollen könnte die Fertigstellung des Kreisverkehrs vor dem Selber Bahnhof verzögern. Mittlerweile liegt der Stadt der Bericht des Gutachters vor.

Wird der Kreisverkehr auf dem Goetheplatz vor dem Bahnhof heuer fertig oder nicht? Diese Frage hat Stadtrat Willi Neupert (CSU) am Mittwoch im Ferienausschuss gestellt. Die Antwort von Bauamtsleiter Helmut Resch: Verzögerungen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Wie berichte,t war Mitte Juni das Problem im wahrsten Sinn des Wortes ans Tageslicht gelangt: Der Stollen, der wahrscheinlich in den 1900er-Jahren gegraben wurde, brach ein. Solche Kanate wurden damals zur Ab- und Weiterleitung von Quellwasser genutzt. So auch der künstliche Tunnel unter dem Goetheplatz, in den sich das Wasser einer direkt vor dem Bahnhofsgebäude liegenden unterirdischen Quelle ergießt.

Bisher keine Unterbrechung

Wie Resch ausführte, liegt der Stadtverwaltung seit Mittwoch der Bericht des eingeschalteten Gutachters vor. Über die notwendigen Maßnahmen werde man also demnächst entscheiden. Davon sei es dann abhängig, ob die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können. Klar sei, dass der Kanal zu Verzögerungen führen könne, eine Garantie für die Fertigstellung in diesem Jahr gebe es nicht. Allerdings habe es bisher keine Unterbrechung der Bauarbeiten gegeben. „Aber es ist nicht wegzudiskutieren, dass wir ein Problem haben, das Verzögerungen bringen könnte.“

Einig in ihrer Ablehnung waren sich die Mitglieder des Ferienausschusses bei einer geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage, die ein Unternehmen zwischen Oberweißenbach und Bernsteinmühle bauen wollte.

Drei Hektar

Wie Bauamtsleiter Helmut Resch erläuterte, soll die PV-Anlage auf drei Flurstücken nordwestlich von Oberweißenbach entstehen. Es handele sich dabei um landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen in einer Größe von insgesamt drei Hektar. Im Flächennutzungsplan ist das Areal auch als „Fläche für die Landwirtschaft“ festgelegt. Wie Resch sagte, müsste zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden, um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Anlage zu schaffen. Ein solches Verfahren habe das Unternehmen beantragt und würde auch die Kosten übernehmen. Ein Anspruch auf die Aufstellung eines Bebauungsplanes bestehe aber nicht.

Eindeutig Stellung bezog Willi Neupert (CSU), selbst Landwirt. Seit Jahren werde er nicht müde, für die Landwirtschaft zu sprechen, und deswegen lehne er die PV-Anlage ab: „Nicht hier und nicht auf wertvollem Ackerland.“ PV-Anlagen solle man eher auf Dächern installieren.

5000 LKW-Ladungen

Täglich gehen nach Neuperts Worten 54 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren, das entspreche 350 Tonnen Getreide. „Das sind aufs Jahr gerechnet 5000 Lkw-Ladungen.“ Andere, die vielleicht an solchen Freiflächen-Anlagen verdienten, seien eventuell anderer Meinung. Für ihn stehe fest: „Nicht auf Ackerland.“

Anneliese Schade (Aktive Bürger) stimmte Neupert uneingeschränkt zu. Sie könne eine solche Anlage auf wertvollen Flächen nicht mit ihrem Gewissen vereinen. Eher sollten PV-Anlagen auf Neubauten verpflichtend werden.

Walter Wejmelka (SPD) sagte, seine Fraktion habe sich in der Vergangenheit in der Regel offen für Erneuerbare Energien gezeigt. Einen Neubau auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen „können wir in der aktuellen Situation nicht bringen“.

Auch Roland Schneider (Freie Wähler Selb) schloss sich dem an. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Getreideknappheit in Folge des Ukraine-Krieges dürfe man landwirtschaftliche Flächen nicht „verbrennen“.

Dritter Bürgermeister Klaus von Stetten, der die Sitzung leitete, wies darauf hin, dass die Stadt Selb in Sachen Erneuerbare Energien mit Wasserkraft, Windparks und Biogasanlagen gut aufgestellt sei. Einstimmig lehnte der Ferienausschuss die Ausweisung eines Sondergebietes und die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens ab.

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