So!: Herr Ochsenknecht, in Ihrem neuen Film geht es um einen fetten Lotteriegewinn und die Folgen. Was würden Sie denn mit ein paar Lotto-Milliönchen machen?
Uwe Ochsenknecht: Auf jeden Fall nicht in Aktien investieren (lacht). Eher schon in Stein und Mauern.
So!: Also Immobilien. Ein schönes Häuschen an der Côte d’ Azur vielleicht?
Ochsenknecht: Also, da schon mal gar nicht. Lieber irgendwo, wo ursprüngliche Natur ist. Außerdem würde mir da der Schickimicki-Zirkus gewaltig auf den Geist gehen. Da liegen mir unberührte Landschaften ohne Jubel und Trubel schon mehr.
So!: Ein Ferrari oder eine Luxusyacht könnten Sie nicht reizen?
Ochsenknecht: Überhaupt nicht, so was brauche ich alles nicht. Ich komme aus einfachen Verhältnissen und das hat mich geprägt. Für mich ist es schon Luxus, mal kurzfristig in den Urlaub zu fahren oder schön essen zu gehen – wenn man in solchen Fällen nicht überlegen muss, ob man sich das leisten kann, dann reicht mir das schon.
So!: Jetzt kokettieren Sie.
Ochsenknecht: Nein, überhaupt nicht, ich bin da ganz bescheiden. Sehen Sie: Was soll ich mit einem Ferrari, wo soll ich den denn fahren? Auf der Autobahn mit 120? Außerdem mag ich sowieso keine Rennautos, in denen man mit dem Allerwertesten knapp über dem Boden sitzt und hinterm Steuer eingeklemmt wie eine Ölsardine ist.
So!: Apropos Sardine: Im Film spielen Sie einen fiesen Fischfabrikanten, erst kürzlich haben Sie einen charakterlich fragwürdigen Schuhfabrikanten gespielt. Was reizt Sie an der Rolle des Ausbeuters?
Ochsenknecht: Ach, Fieslinge machen einfach Spaß. Die Guten sind doch langweilig, glattgebügelt, bieten wenig Angriffsfläche. So ein richtig böser Unternehmer hat schon mehr Ecken und Kanten, die mich interessieren. Als nächstes spiele ich übrigens bei Dieter Wedel einen Bauunternehmer.
So!: Früher haben Sie oft den unbeschwerten und unangepassten Typen mit wenig Kohle und großer Klappe gespielt.
Ochsenknecht: Stimmt, aber man wird ja schließlich auch älter. Es ist ja schön, wenn sich dadurch auch was ändert. Das ist das Leben, ständige Veränderung
So!: Mit Kultregisseur Lars Becker, der die Lotto-Komödie inszeniert hat, haben Sie schon öfter zusammengearbeitet.
Ochsenknecht: Richtig, das war schon der dritte oder vierte Film mit ihm, mittlerweile gehöre ich wohl zur berühmten Becker-Familie, er arbeitet ja immer mit den gleichen Leuten. Er fragt mich immer wieder, ob ich dabei bin, und ich fühle mich bei ihm gut aufgehoben und in dieser Familie sehr wohl.
So!: Was macht Becker anders als andere Regisseure?
Ochsenknecht: Becker ist einer, der es immer wieder schafft, trotz verschlechterter Bedingungen Niveau und Qualität abzuliefern. Es ist ja alles nicht einfacher geworden, Sie haben heutzutage weniger Geld und weniger Drehtage für einen Film. Becker schreibt auch die Drehbücher selbst und weiß deshalb beim Drehen immer ganz genau, worum es ihm geht und ist in relativ kurzer Zeit sehr effektiv. Außerdem arbeitet er, fast wie im Theater, mit den Schauspielern akribisch an den Rollen – das ist selten heutzutage. Er hat auch selbst einen Wahnsinnsspaß beim Drehen, und das überträgt sich natürlich auf die Schauspieler.
So!: Man merkt den Schauspielern die gute Laune auch an – das war ja mit Ihnen, Armin Rohde, Ingo Naujoks, Christian Ulmen, Heike Makatsch und Cosma Shiva Hagen eine ganz lustige Bande...
Ochsenknecht: Das war in der Tat ein lustiges Völkchen, das wir da beieinander hatten – hat Spaß gemacht. Wir haben ja alle einen tollen Beruf und sind auch noch erfolgreich damit. Darüber spricht man natürlich auch am Drehort, da heißt es dann: Mensch, eigentlich haben wir doch einen geilen Job, wir sind gute Kumpels, wir spielen schön zusammen, haben jede Menge Spaß und werden auch noch gut bezahlt dafür.
Interview: Martin Weber