Josef Wilfling ist tot Abschied vom legendären Kommissar

Mordermittler und später Buchautor: Josef Wilfling. Foto: /Tobias Hase/dpa

Josef Wilfling stirbt im Alter von 75 Jahren. Die Aufklärung der Morde an Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer machten den gebürtigen Münchberger berühmt. Seine Arbeitsweise galt als einzigartig, er galt als der bayerische Columbo.

Der langjährige Mordermittler Josef Wilfling ist tot. Der frühere Leiter der Münchner Mordkommission starb am Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren. Dies bestätigte der eng mit ihm befreundete Leiter des Bayerischen Kriminalamtes, der aus Selb stammende Harald Pickert, unter Berufung auf Wilflings Witwe. Zuerst hatte die Bild-Zeitung über den Tod berichtet.

Bundesweit bekannt wurde Wilfling unter anderem durch die erfolgreichen Ermittlungen nach den Morden an dem Volksschauspieler Walter Sedlmayr und dem Modedesigner Rudolph Moshammer. Insgesamt hat er in seiner beruflichen Karriere in 361 Mordfällen ermittelt. Seine Erfolgsquote galt ebenso als legendär wie seine Methode.

Josef Wilfling kam 1947 in Münchberg zur Welt. Seine Eltern waren Heimatvertriebene aus dem tschechischen Egerland. Als Josef zwei Jahre alt ist, stirbt der Vater. Die Mutter schuftet in einer Fabrik, um die fünf Kinder allein groß zu ziehen, was ihr mit viel Liebe und Hingabe gelingt: „Meine liebevolle Mutter war der wichtigste Mensch in meinem Leben. Bei ihr hatten wir eine ganz wunderbare Kindheit“, sagte Wilfling dieser Zeitung später einmal in einem Interview. „Er hat ein wahnsinnig gutes Gespür für die Situation und den Menschen gehabt“, schilderte Harald Pickert rückblickend. „Er konnte gut zuhören, hat die Menschen immer viel erzählen lassen. Und eine tolle Menschenkenntnis natürlich, das hat ihn als Ermittler absolut ausgezeichnet, und dass er sehr hartnäckig war und nicht aufgegeben hat.“

Auf diese Weise kommt Wilfling auch Horst David auf die Spur, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingskind einst in Hof gestrandet war. Es ist der bis dahin spektakulärste Fall eines Serienmörders in der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte. Er beginnt für Wilfling im Mai 1994, als ein neues Computersystem plötzlich einen Fingerabdruck zu einem nie geklärten Prostituierten-Mord 20 Jahre zuvor in München zu Tage fördert. Der spätere Leiter der Münchner Mordkommission vernimmt David. Wieder und wieder. Unter Druck setzt er ihn – wie alle anderen Verdächtigen – nie. „Vernehmung ist Psychologie auf der Basis von Fairness und Ehrlichkeit und nicht, in dem ich irgendwelche Tricks anwende“, sagt er einmal. Irgendwann gesteht David. Den Mord an der Prostituierten und sechs weitere. Dabei ist er ständig bemüht, sich Wilflings Achtung zu erhalten. Später schreibt der Mörder aus dem Gefängnis jedes Ostern und Weihnachten eine Karte – und bedankt sich beim Ermittler für dessen faire Behandlung.

Kritik zieht Wilfling später bei den Ermittlungen zu den NSU-Taten auf sich. Dass die beiden Münchner Morde zu den wenigen gehören, die er nicht aufklären kann, geht Wilfling nahe. „Wir sind in die falsche Richtung gelaufen, daran gibt es nichts zu beschönigen.“ Den Vorwurf, die Polizei sei auf dem rechte Auge blind will er aber nicht stehenlassen: „Das stimmt einfach nicht.“

Wilfling sei aber auch privat ein Mensch gewesen, der sich fürsorglich um seine Mitmenschen gekümmert habe, sagte Pickert, der rund ein Jahrzehnt lang mit seinem Kollegen in einem quasi oberfränkischen Team gearbeitet hat. Er verabschiedete sich von seinem Freund mit einem großen Lob: „Josef war ein ganz feiner Mensch.“

Vor einigen Jahren hat unsere Redaktion mit ihm über seine Karriere, die spannensten Fälle und seine Heimat Münchberg gesprochen.

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