Kulmbach/Grafengehaig Private Brunnen im Landkreis mit Nitrat belastet

Untersuchungen haben ergeben, dass das Grundwasser unter anderem in Grafengehaig und Unterzettlitz zu hohe Nitratwerte aufweist. Ursache ist nach Expertenmeinung Überdüngung in der Landwirtschaft.

Kulmbach/Grafengehaig - Der Verein VSR-Gewässerschutz hat nach einer Probenuntersuchung jetzt auch Privatbrunnenbesitzern im Landkreis Kulmbach mitteilen müssen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Nach einer Mitteilung des Vereins haben Betroffene gerade in diesem Jahr frustriert reagiert. Familien nutzen in der Coronakrise den eigenen Garten wieder intensiv. Kinder helfen begeistert beim Anbau von Gemüse und Obst und planschen bei den sommerlichen Temperaturen gerne im Wasser. Dafür möchten viele Leute ihr Brunnenwasser verwenden.

Probenuntersuchung

Wer den Termin am Labormobil in Kulmbach verpasst hat, kann eine Wasserprobe vom eigenen Brunnen per Post an die Umweltschützer senden. Auf der Homepage der Gewässerschutzorganisation finden sich dazu alle Infos: https://www.
vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung/belastetes-grundwasser/by/


Um zu erfahren, ob dies gefahrlos möglich ist, ließen 39 interessierte Bürger ihre Wasserproben am Informationsstand am 15. Juni in Kulmbach untersuchen. Das Ergebnis: Jeder sechste Brunnenbesitzer aus dem Raum Marktleugast - Neuenmarkt - Kulmbach - Mainleus - Altenkun-stadt wurde enttäuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wachsen konnte. "Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen", so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die gemeinnützige Organisation fordert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

Diplom-Physiker Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz, der Bundesfreiwillige Lennart Hoster und Milan Toups fanden bei den Untersuchungen 85 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hornungsreuth. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Buchau mit 58 Milligramm pro Liter (mg/l), in Unterzettlitz mit 54 mg/l, in Kulmbach mit 64 mg/l, in Grafengehaig mit 55 mg/l und in Sessenreuth mit 60 mg/l fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer laut dem Verein wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist.

Der VSR-Gewässerschutz fordert die Agrarpolitik auf, die anstehende EU- Agrarreform so zu gestalten, dass die Nitratbelastung der Gewässer verringert wird. Die Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belasten, hätten große Probleme geschaffen. "Nur die großen Betriebe konnten mit intensiver Bewirtschaftung den Dumpingpreisen der Discounter standhalten. Die bäuerliche Landwirtschaft wurde verdrängt und die ökologische Landwirtschaft konnte nicht so wachsen, wie es für eine gesunde Umwelt notwendig wäre." Hier werde auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern verzichtet. Der ökologische Landbau, so der Verein, könne die von der Agrarindustrie hervorgerufene Nitratbelastung erheblich verringern.

"Die Agrarlobby darf nun die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben", so Susanne Bareiß-Gülzow. "Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert", betont die Umweltexpertin.

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