Kulmbach/Neudrossenfeld Kulmbacher Rathaus wieder rot: Lehmann wird neuer OB

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Daumen hoch: Ingo Lehmann, im Bild mit seiner Frau Margit am Abend des ersten Wahlgangs am 15. März, ist der Gewinner der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in der Stadt Kulmbach. Foto: Gabriele Fölsche Quelle: Unbekannt

Ingo Lehmann von der SPD löst Henry Schramm (CSU) mit knapper Mehrheit als Oberbürgermeister ab. In Neudrossenfeld bleibt Amtsinhaber Harald Hübner mit deutlicher Mehrheit vor Björn Sommerer.

Kulmbach/Neudrossenfeld - Die Stadt Kulmbach wird in den kommenden sechs Jahren wieder von einem SPD-Oberbürgermeister regiert. Herausforderer Ingo Lehmann schaffte es, mit knapper Stimmenmehrheit den seit 13 Jahren amtierenden Oberbürgermeister und Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm aus dem Amt abzulösen. Denkbar knapp mit nur 248 Stimmen Unterschied lag Lehmann mit 50,81 am Ende vor dem Amtsinhaber, der es auf 49,19 Prozent brachte. Trotz seines Wahlsieges kam bei dem 48-jährigen Diplom-Geographen aber keine rechte Feierstimmung auf. Nachdem in Kulmbach (wie berichtet) noch immer Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer möglichen Wahlmanipulation ermittelt, erklärte der Wahlsieger in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Frankenpost , er sehe das Ergebnis noch unter Vorbehalt. Niemand wisse, ob es dabei bleibt. "Aber natürlich habe ich mich gefreut. Ich nehme das jetzt erst einmal zur Kenntnis, dann werden wir sehen."

Ebenso wie Ingo Lehmann, der den Wahlabend zu Hause mit seiner Frau Margit verbracht hat, verfolgte auch Henry Schramm seine Niederlage im engsten Familienkreis. Schramm war sichtlich niedergeschlagen. "Ich habe 13 Jahre lang alles für diese Stadt getan. Sie ist wirtschaftlich stark, Universitätsstadt geworden. Das ist ein gutes Fundament. Ich gratuliere Herrn Lehmann und wünsche unserer Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern alles Gute." Schramm dankte allen, die ihm ihr Vertrauen ausgesprochen haben. "Ich bin dankbar, dass ich so viele Jahre dieser Stadt dienen durfte."

Auch die Kulmbacher Grünen, die nach dem Ausscheiden ihrer Kandidatin Dagmar Keis-Lechner eine Wahlempfehlung zugunsten des SPD-Kandidaten abgegeben hatten, wollen vorerst noch nicht feiern. "Jetzt haben wir ein vorläufiges Wahlergebnis", sagte Keis-Lechner. "Ingo Lehmann ist mein vorläufiger Oberbürgermeister. Ich warte jetzt erst alle noch möglichen Einsprüche ab. Natürlich habe ich per Whatsapp schon vorläufig gratuliert." Vor allem weil die Stimmendifferenz nicht groß ist, sieht Keis-Lechner die Möglichkeit einer Wahlanfechtung als gegeben an. "Wir gehen davon aus, dass im juristischen Nachgang noch etwas kommt."

Betroffen reagierten Vertreter des bürgerlichen Lagers aus CSU, WGK und FDP in Kulmbach, das bei der Stadtratswahl eine Mehrheit erhalten und gemeinsam Henry Schramm als Kandidaten für das OB-Amt nominiert hatte. Dr. Michael Pfitzner, Fraktionsvorsitzender der CSU, sprach davon, er habe den Wahlausgang befürchtet. "Die Sachpolitik der letzten 13 Jahre hat den Emotionalitäten aus allen Richtungen nicht standgehalten." Ganz ähnlich äußerten sich auch Sprecher von WGK und FDP.

Eindeutig fiel der Sieg in der zweiten Stichwahl im Landkreis Kulmbach aus. Auf den amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Neudrossenfeld, Harald Hübner von der CSU, entfielen 1587 der gültigen Wählerstimmen. Das entspricht 64,07 Prozent der Wählerstimmen. Sein Herausforderer Björn Sommerer von der Wählergruppe FuG (Für unsere Gemeinde) bekam 890 gültige Stimmen (35,93 Prozent). Bereits vor sechs Jahren musste Harald Hübner gegen Björn Sommerer in die Stichwahl. Damals konnte Hübner nur 50,31 Prozent der Wählerstimmen auf sich verbuchen und siegte äußerst knapp. Auf Björn Sommerer entfielen 49,39 Prozent. In seiner ersten Amtszeit eckte Hübner mit seiner Politik immer wieder bei den Gemeinderäten der FuG an. Harald Hübner freute sich in einer ersten Stellungnahme sehr über das eindeutige Ergebnis, das ihn darin bestätigt, seine bisherige Arbeit fortzusetzen. "Wir haben viele Aufgaben vor uns", sagte er und verwies unter anderem auf den Parkplatzbau in der Ortsmitte, das städtebauliche Entwicklungskonzept, den geplanten Ausbau der Mittagsbetreuung an der Schule und die Bedarfsplanung für einen Kinderhort. Ein großes Anliegen ist ihm auch die Schaffung von Wohnraum, um mehr Neubürger nach Neudrossenfeld zu holen. "Es gibt genug zu tun", betonte er gestern Abend.

"Das Ergebnis ist eindeutig", sagte auch der unterlegene Kandidat der FuG, Björn Sommerer. Er habe Hübner bereits persönlich zu seiner Wiederwahl gratuliert und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit im künftigen Gemeinderat. Dass das Wahlergebnis eindeutiger ausfiel als vor sechs Jahren, führt er unter anderem darauf zurück, dass der anfänglich dritte Kandidat vor sechs Jahren aus den Reihen der SPD kam, diesmal von den Freien Wähler. Die seien mit der Arbeit von Harald Hübner anscheinend zufrieden.

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