Kulmbacher Diakonie Übers Tablet in Kontakt bleiben

Mit Hilfe moderner Technik bleiben die Menschen mit Behinderung in den Wohngruppen der Kulmbacher Diakonie auf dem Laufenden und in Kontakt mit ihren Lieben. Foto: /red

Für Menschen mit Behinderung bietet die Kulmbacher Diakonie digitale Lösungen für den Schwatz mit Freunden oder der Familie. Doch die Geräte können noch mehr.

Kulmbach - Gruppen-Tablets bereichern den Alltag der Wohngruppen für Menschen mit Behinderung der Diakonie Kulmbach: Durch den Video-Call halten die Bewohnerinnen und Bewohner den Kontakt zu ihren Familien und Freunden, doch auch Speisepläne und die spezifischen Interessen der Frauen und Männer profitieren.

„Apps“, „Google“ oder „Jitsi-Meet“ sind auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung der Diakonie Kulmbach keine Fremdwörter. Viele von ihnen besitzen ein eigenes Handy, eine Spielekonsolen oder ein Laptop. In jeder Wohngemeinschaft gibt es bereits seit über einem Jahr ein Tablet zur gemeinsamen Nutzung, tatsächlich war das schon vor der Pandemie so. „Die Corona-Krise hat die Beschäftigung mit der digitalen Technik aber beschleunigt und angefeuert“, verrät Christopher Kairies, stellvertretender Fachbereichsleiter der „Angebote für Menschen mit Behinderung“.

Je nach geistigem Vermögen erhalten die Frauen und Männer beispielsweise Anleitung zum Video-Call via JitsiMeet, mit dessen Hilfe sie auf ganz neue Weise den Kontakt zu ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden, Betreuern und Lebensgefährten halten können. Das sei besonders zu Beginn der Pandemie, als strikte Besuchsverbote in den Einrichtungen existierten, von großem Wert gewesen. Doch auch die Gemeinschaft profitiert von den modernen Medien: Mit Hilfe des Tablets suchen die Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig Kochrezepte über eine bekannte App aus und kochen diese nach. Auf diese Weise entstehen gesunde und abwechslungsreiche Gerichte.

Spiel und Spaß kommen ebenfalls nicht zu kurz: Am Abend wird mit Hilfe einer TV-Zeitung-App gemeinsam das jeweilige Fernsehprogramm der Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Zimmern ausgewählt. Apps mit Rätsel- und Geschicklichkeitsspielen gehören ebenso zum Angebot der neuen Medien: Die Mitarbeitenden der Wohnbereiche suchen gemeinsam geeignete Apps aus und stellen sie den Bewohnerinnen und Bewohnern vor. „Manche bewegen sich schon sehr selbstverständlich im Internet, vor allem die jüngeren und geistig Fitteren“, weiß Christopher Kairies. „Andere, unabhängig vom Alter, hatten vor der Anschaffung unserer Tablets keinerlei Bezug zu dieser Art von Technik, waren aber neugierig. Die Mitarbeitenden zeigen ihnen alles von Anfang an.“

Durch Lautstärkeregulierung sowie Bildzoom und der Unterstützung durch die Mitarbeiter kann das Tablet in jedem Fall optimal auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Bewohners angepasst werden. Es fördert Geist und Motorik gleichermaßen und zusätzlich haben die Menschen mit Behinderung auch noch Teilhabe am normalen, modernen Leben und können ihren individuellen Interessen ein Stück weit nachgehen. Mit Hilfe der gezielten Suche nach Videos oder Texten können durch die Pandemie abgesagte Einzelbetreuungen teilweise kompensiert werden. „Eine Frau zum Beispiel hat durch das therapeutische Reiten in den Monaten vor der Krise persönlich viel gelernt. Das war eine große Bereicherung für sie“, erzählt der Fachbereichsleiter. Heute sieht sie sich die Reitschule und ausgewählte Filme dazu an und hält den Bezug zu ihrer Passion aufrecht – in der Hoffnung darauf, dass sie bald wieder selbst reiten darf. Doch bei allen Chancen durch die digitale Technik bleibt eine Herausforderung: Die Bewegung in den sozialen Netzwerken ist auch für Menschen mit geringer geistiger Behinderung selbstverständlich geworden. Der Fachbereich „Angebote für Menschen mit Behinderung“ plant daher ein Konzept, das einer Art Training zur Mediennutzung gleichen soll und auf die Risiken von Facebook und Co aufmerksam macht. red

 

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