Bonn - Ohne Mütter wäre die Menschheit nicht denkbar. Mag sich in jener Einsicht auch nicht viel mehr als ein dummer Spruch verbergen, gab sie doch der Kunst von Anbeginn an einen ihrer machtvollsten Impulse. Seit vor Jahrzehntausenden der Mensch in der Bildnerei der Uraltvorderen überhaupt Gestalt gewann, erscheint die Mutter und also auch, was sie zur Mutter macht, ihr Kind, in zahllosen Verwandlungen. Mythisch überhöht oder propagandistisch heroisiert kann dies ganz besondere Menschenpaar auf Grafikblättern, Leinwänden und in Plastiken auftauchen, und ebenso ganz natürlich oder zur Idylle verklärt. Weil Kunst durch viele Epochen hindurch fast ausschließlich durch Männer entstand, spielt hier freilich eine verengende Auffassung des Weiblichen stark hinein: Sie besagte lange, ein Mädchen werde erst zur Frau, indem sie sich einem Mann hingebe und "schenke", durch Kind, Familie, Mutterschaft.