Seine Aida trat 1980 in der Oper Frankfurt als Putzfrau auf, im Sommer 2010 ließ er in "Lohengrin" den Wagner-Chor als Ratten auf die Bühne des Bayreuther Festspielhauses kommen. Im Jahr 2006 gar schritt das Landeskriminalamt ein, weil Hans Neuenfels in seiner Inszenierung der Oper "Idomeneo" an der Deutschen Oper Berlin die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Christus, Mohammed und Buddha auf vier Stühle stellen ließ und die Behörde deswegen islamistisch motivierte Anfeindungen befürchtete; das Stück wurde im September abgesetzt und im Dezember wieder gespielt - unverändert. Heute wird der Theater- und Opernregisseur, Librettist, Schriftsteller und Filmemacher siebzig Jahre alt. Aufregung, ja Skandale gab es in der Karriere des gebürtigen Krefelders immer wieder. Buhrufe - aber auch Bravos; denn der Mann, der als Exzentriker des Gegenwartstheaters gilt, erntete auch Lobeshymnen und Preise; zweimal war er Opernregisseur des Jahres, und für seine Rede über die Klassik zur Eröffnung einer Ausstellung in Berlin wurde er 2003 mit dem Cicero-Rednerpreis ausgezeichnet. Nach dem Studium Schauspiel und Regie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien folgte er für ein Jahr als Assistent seinem "geistigen Vater", dem surrealistischen Maler Max Ernst, nach Paris. Seine Karriere als Regisseur begann Neuenfels 1964 am Theater am Naschmarkt in Wien. Mit 28 hatte er bereits dreißig Stücke inszeniert und eine feste Schauspieltruppe mit Ulrich Wildgruber, Gottfried John und seiner späteren Ehefrau Elisabeth Trissenaar um sich geschart. "Ohne Theater und Oper hätte ich ein für mich nicht gelungenes Leben geführt, sie waren meine Rettung und mein Glück", resümierte Neuenfels kürzlich im Gespräch mit der dpa. "Die Bühnenarbeit hat mir eine unglaubliche Kraft gegeben, es war eine große Bereicherung meines Lebens." Neben seiner Regie-Tätigkeit an Opernhäusern und Theatern ist Hans Neuenfels ein leidenschaftlicher Autor. Ein halbes Dutzend Bücher hat er bislang veröffentlicht. Ein siebtes kommt im August dazu, wenn seine Erinnerungen "Das Bastardbuch - Autobiografische Stationen" erscheint. Es ist eine vorläufige Bilanz. Hans Neuenfels hat noch viel mitzuteilen.