Seine Majestät, Edward VIII., von Gottes Gnaden König von Großbritannien, Irland, und der britischen Herrschaftsgebiete jenseits der Meere, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien" ging nicht wegen besonderer Herrscherfähigkeiten in die Geschichte ein, sondern wegen eines Skandals; und, weil er der erwachsene britische Monarch mit der vermutlich kürzesten Amtszeit war: Sie dauerte nur zehn Monate. Geboren wurde er am 23. Juni 1894 als ältestes Kind des späteren Königs Georg V. und von Königin Mary. Als Edward, den sie in der Familie Windsor immer nur David riefen, gestern vor vierzig Jahren in Paris an den Folgen einer Operation starb, war er 35 Jahre lang "nur" Herzog von Windsor gewesen. Als Grund für seine schnelle Abdankung, die ihm von der Regierung nahegelegt worden war, gilt gemeinhin die Liebe des ungekrönten Monarchen und Kirchenoberhaupts zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson. Ohne die Unterstützung der Frau, die er liebe, hatte er in einer Ansprache erklärt, sehe er sich außerstande, sein Amt so zu bekleiden, "wie ich es gewollt hätte". Es gab viele Vorbehalte gegen Mrs. Simpson. Für die einen waren es religiöse Gründe, die gegen eine Heirat sprachen, für die anderen moralische: Ihr Lebenslauf und Auftreten sei einer Königin nicht angemessen, sie sei nymphoman, übe sexuelle Macht über den König aus und habe, was er allerdings nie erfuhr, neben ihm noch einen Autohändler als Geliebten. Zudem habe sie es nur auf sein Vermögen abgesehen und sei überhaupt eine Nazi-Sympathisantin. Doch auch ohne Wallis wäre ein König Edward heikel für die Briten gewesen, denn Sympathie mit Hitler und Rassismus wurden auch ihm nachgesagt. Nachdem er England 1936 verlassen hatte - er durfte nur nach Einladung der königlichen Familie wieder einreisen - lebten er und Wallis, die er 1937 heiratete, als luxuriöses Jetset-Paar, mit dem sich auch Hitler und Mussolini gerne schmückten; die Windsors wurden auf dem Obersalzberg empfangen, und Edward plante gar, später als "Führer" nach England zurückzukehren. Erst in den Sechzigerjahren näherten sich der Herzog und sein Vaterland wieder an, und Edward durfte zu bestimmten Anlässen wie etwa Beerdigungen wieder einreisen. Als er 1965 in einer Londoner Klinik behandelt wurde, bekam er gar hohen Besuch: seine Nichte, die inzwischen gekrönte Elizabeth II., begrüßte ihn und, zum ersten Mal, auch seine Frau.
Kunst und Kultur Skandal-König
Von Kerstin Starke 29.05.2012 - 00:00 Uhr