Wohlverwahrt in seinem Raumanzug hat der deutsche Astronaut die Station ISS verlassen und schwebt nun (fast) frei im All, um, sagen wir, eine schadhafte Antenne gerade zu biegen. Was macht der Ärmste, wenn es ihn ausgerechnet jetzt an Bein oder Kopf juckt? Immerhin gegen störende Reizungen der Nase haben die Entwickler der unförmigen Schutzkleidung vorgesorgt: Wie kurz gemeldet, kann der gepiesackte Raumfahrer das Organ an einer Art Schnupfkissen an der Innenseite seines Helms reiben. Gut so. Denn zu den schlechtesten Angewohnheiten unserer Mitmenschen gehört - neben dem Verzicht aufs Frühstück, dem Genuss von zu viel Fett und Alkohol, lautem Sprechen am Handy und dergleichen - so manches, was mit der Nase zu tun hat. Immer mal wieder weisen Internet und Medien in Rankings aus, woran wir zivilisierten Mitteleuropäer am meisten Anstoß nehmen: zum Beispiel wenn Langstreckenläufer oder Profiradfahrer sich ungebremst durch die Finger schnäuzen; oder wenn unser Nebenmensch nach Benutzung seines Taschentuchs dessen Inhalt untersucht. In jene Versuchung gerät Herr Gerst bei seinen interstellaren Aktivitäten nicht, wie er auch nicht darauf verfällt, sich am Po zu kratzen, in den Schritt zu greifen und was derlei Ungezogenheiten mehr sind. Wenn's juckt, egal wo, muss er's irgendwie aushalten. Was aber, wenn unvorhergesehen ein Schnupfen ihn anfällt? Schon der Tropfenregen eines einzigen Niesers kann die Durchsichtigkeit des Helmvisiers einschränken, mit fatalen Folgen. Wenigstens erspart das Schnüffelkissen dem Astronauten den Rückgriff auf eine weitere anstößige Verhaltensweise: das geräuschvolle Hochziehen des Naseninhalts. Zu Recht rangiert dies Laster unter den Top Ten der Frankenpost ekelhaftesten Angewohnheiten, mögen seine Verfechter uns auch spitzfindig versichern, der Schluck aus der Nase sei die Auster des kleinen Mannes.
Kunst und Kultur Wenn's juckt
Michael Thumser 10.06.2018 - 18:52 Uhr