Coburg - Die Verhandlung begann um 0.07 Uhr. Richter, Staatsanwalt und Verteidiger besichtigten im Beisein der vier Angeklagten sowie zahlreicher Polizei- und Justizbeamter das Haus des Opfers Wolfgang R. Die Verhandlung wird am 18. Dezember um 9 Uhr im Landgericht Coburg fortgesetzt.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2013 war der 66-jährige Wolfgang R. in seinem Haus im Stadtteil Beiersdorf brutal erschlagen worden. Die Tat ausgeführt haben sollen der 23-jährige Paul K. aus Hildburghausen und der 45-jährige Peter G. aus Coburg. Beide gehören der Rockerszene an. Sie sind seit Dezember vergangenen Jahres inhaftiert und haben am Donnerstag letzter Woche vor dem Landgericht Coburg ein Geständnis abgelegt. Dabei haben sie den 57-jährigen Helmut Erhard S. schwer belastet. Der Mann, der bislang lediglich als Mitwisser galt und auf freiem Fuß war, wurde daraufhin im Schwurgerichtssaal festgenommen. Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft Habgier an.

Helmut Erhard S. ist der Ex-Mann der Brasilianerin Maria S., die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Gemeinsam betrieben sie eine Gastwirtschaft in der Unteren Salvatorgasse in Coburg. Wolfgang R. hatte die 42-jährige Maria S. im Rotlichtmilieu kennen gelernt. Die Brasilianerin hatte in Coburg und Würzburg als Prostituierte gearbeitet. Der 66-jährige pensionierte Orchestermusiker war zunächst ihr Kunde, später ihr Geliebter. Um sie aus der Prostitution heraus zu holen, hatte ihr Wolfgang R. die Kneipe in der Coburger Innenstadt verschafft. Diese schrieb jedoch von Anfang an Verluste. Bereits im Oktober 2013 war ein Defizit von 12.000 Euro aufgelaufen.

Wolfgang R. soll Maria S. schlecht behandelt und ihr ab Dezember 2013 vereinbarte Zahlungen für die Kneipe vorenthalten haben. Deshalb soll Helmut Erhard S. die beiden Täter Peter G. und Paul K. beauftragt haben, dem 66-Jährigen eine „Abreibung“ zu verpassen. Sie sollten ihn so schwer verletzten, dass er für einige Tage „außer Gefecht“ gesetzt sei und Maria S. die Vermietung von Zimmern an Prostituierte übernehmen könne, um wieder an Einnahmen zu kommen.

Peter G. und Paul K., die sich mit Sturmhauben maskiert hatten, überfielen Wolfgang R. vor fast genau einem Jahr in dessen Haus in Beiersdorf und schlugen ihn brutal zusammen. Kurz darauf erlag der Pensionär seinen schweren Verletzungen. Die mutmaßlichen Täter und Auftraggeber sowie das Opfer waren zum Zeitpunkt der Tat hoch verschuldet.