Es ist ein Familienmitglied, das viele Jahre lang treuer Begleiter ist. Stirbt es, soll es nicht einfach in der Tierverwertungsanlage enden – wie auf den Müll geworfen. Wer keinen eigenen Garten hat, um sein Haustier zu begraben, kann es auf dem Tierfriedhof bestatten lassen. Seit mehr als 30 Jahren. Damit ist der Bayreuther Tierfriedhof einer der ältesten in Deutschland.
Die Ruhestätte für Tiere ist in privater Hand. Michael Zartner setzte die Idee seines Vaters Helmut Zartner, Tierarzt und jahrelanges Stadtratsmitglied, in die Tat um. Das war 1987. Drei Jahre dauerte es, bis der Friedhof fertig war – allein die Genehmigung zu bekommen, habe lange gedauert. Schließlich habe es für die Behörden keinen Vergleich gegeben. Der geplante Tierfriedhof war der einzige weit und breit, erinnert sich Zartner.
Was bleibt, sind die Knochen
Michael Zartner studierte BWL und machte später seinen Schreinermeister. Um den Friedhof kümmert er sich von Anfang an nebenbei, gestaltete fast alles selbst. Die Hauptwege nämlich legten Insassen des Bayreuther Gefängnisses an. Große Sandstein-Quader säumen den Weg. „Sie sind von der alten Mälzerei der Brauerei Maisel“, sagt er. Als sie abgerissen wurde, nahm er die Steine für seinen Friedhof. Da der allerdings mit Baumaschinen nur schwer zugänglich ist, schleppten die Häftlinge die schweren Quader mit der Sackkarre an und verlegten sie entlang des Weges per Hand.
Etwa 450 Grabplätze gibt es in dem kleinen Waldstück an der A9, das Zartner gepachtet hat. Manche Gräber sind bereits seit Jahren vergeben. Die Besitzer beerdigten bereits mehrere Haustiere. „Die normale Laufzeit für Hunde und Katzen liegt bei fünf Jahren. Sie kann aber jederzeit verlängert werden“, sagt Zartner. Die Gräber kleinerer Tiere wie Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen müssen mindestens für drei Jahre gepachtet werden.
Für alle Tiere aber gilt: Das Grab muss 50 Zentimeter tief sein, das Tier in ein Baumwolltuch gewickelt oder in einen Holzsarg gelegt werden. Die gibt es bei Zartner. Es gingen aber auch Bettlaken oder Handtücher. Die Hauptsache ist, das Material verrottet. Endet die Laufzeit, bleiben die Knochen des Tieres in der Erde und der Grabplatz wird neu vergeben.
Freie Hand bei der Grabgestaltung
Für fünf Jahre Grabpacht und die einmaligen Bestattungskosten zahlen Katzenbesitzer 225 Euro. „Es gibt fünf Kategorien. Der Preis richtet sich nach der Größe des Tieres.“ Für einen großen Hund beispielsweise zahle man etwa 480 Euro. Zartner hebt das Grab aus und bereitet es vor. Er holt die Tiere auch vom Tierarzt ab, wenn die Besitzer es wünschen. Für die Umrandung der Gräber sammelte er Steine aus der Fränkischen Schweiz. „Ich mag es natürlich.“ Bei der Bestattung können die Besitzer dann dabei sein.
Bei der Grabgestaltung lässt Zartner den Grabbesitzern freie Hand. Nur Kreuze und religiöse Symbole seien nicht erlaubt. Bei Engeln mache er eine Ausnahme. Manche Besitzer pflanzen Blumen und kommen regelmäßig zum Gießen, andere schmücken ihr Grab mit pflegeleichtem Efeu oder stellen kleine Figuren auf. Einige Gräber haben einen richtigen Grabstein mit Aufschrift oder einem Bild des verstorbenen Haustieres. Gerade junge Haustierbesitzer hätten häufig die ausgefallensten Wünsche und Vorstellungen, sagt Zartner.
Zartner hat schon viele Tiere beerdigt. Als Sohn eines Tierarztes kann er damit gut umgehen. Hauptsächlich sind es Hunde und Katzen, aber auch exotischere Tiere liegen auf dem Friedhof. „Ein Papagei, Schildkröten, ein Leguan, Ratten“, zählt er auf. Manche Gräber sind Massengräber.
Meerschweinchen in der Gefriertruhe
Zartner hat schon viel gesehen: Seit 20 Jahren bringe eine ehemalige Studentin, die mittlerweile nicht mehr in Bayreuth wohnt, ihre Meerschweinchen, um sie von Zartner beerdigen zu lassen. „Sie sammelt sie in der Gefriertruhe und bringt sie dann zu mir.“
Damit der Tierfriedhof in Zukunft auch besser gefunden wird, hat Zartner einen Straßennamen und eine Hausnummer beantragt. Navigationssysteme kennen den Ort nicht und zeigen Nürnbergerstraße/A9 an. Das ist nicht nur schlecht für Zartner und alle, die den Friedhof besuchen wollen, es kann auch gefährlich sein.
„Einmal ist eine Frau auf dem Friedhof gestürzt. Doch der Rettungswagen hat nicht hergefunden.“ Kollegen aus Weiden, die Zartners Tierfriedhof besichtigen wollten, mussten sogar mit einer Polizeieskorte hingebracht werden. Auch sie fanden den Weg nicht. Das soll sich nun bald ändern.