Lichtenberg Burgturm ist wieder offen für Besucher

Sandra Hüttner

Nach Umbauarbeiten am Turm der Burgruine Lichtenberg darf man nun hinaufsteigen. Oben bietet sich ein fantastischer Rundumblick.

Viele Jahrelang war die Tür zum Burgturm auf dem Waldenfelsplatz verschlossen – aus Sicherheitsgründen. Unzählige Besucher erklommen die Stufen zum Burgturm und an der Türe enttäuscht kehrt machen. Jetzt können Besucher wieder hinein und hinaufgehen. Oben kann man den Blick weit über den Frankenwald und ins Thüringer Land schweifen lassen. Die Arbeiten, die für die Sicherheit nötig waren, sind abgeschlossen: Es gibt ein Notausstiegsfenster, eine Notrufübertragungseinrichtung, ein Rauchabzugsfenster und eine Notstrombeleuchtung. Die Eingangsplattform wurde vergrößert für ein Drehkreuz: So kann die Personenzahl reguliert werden; maximal zehn Personen können gleichzeitig auf den Turm. 90 Prozent der Kosten von 70 000 Euro trug das Programm Förderoffensive Nordostbayern. Zu den zehn Prozent Eigenanteil der Stadt kam wiederum Unterstützung: Zehn Prozent dieser Summe übernahmen die Burgfreunde Lichtenberg.

Beim Festakt am Freitag, den die Musikkapelle Nordhalben einläutete, wurde der 25 Meter hohe Turm wieder eröffnet, der 1936 auf dem sieben hohen Mauerstumpf des mittelalterlichen Bergfrieds erbaut wurde. Auch der beschilderte historische Rundweg durch Lichtenberg wurde eingeweiht. Auf dem Rundweg können Spaziergänger, was sich in den vergangenen Jahrhunderten in Lichtenberg ereignet hat.

Bürgermeister Kristan von Waldenfels (CSU) freute sich mit einer Vielzahl an Gästen über die neuen Touristenattraktionen. „Der Blick in die Geschichte Lichtenbergs beginnt mit dem Eintritt in den Burgturm und startet im 13. Jahrhundert“, erläuterte er. Auf dem Weg nach oben geht es weiter in der Zeit bis ins 20. Jahrhundert. „Oben kann man sich beim Blick vom Turm wie die Ritter im 14. Jahrhundert fühlen“, meinte von Waldenfels schmunzelnd. Tafeln zwischen den acht Fenstern erläutern, was man sieht, die Erhebungen und Täler sowie die markanten Gebäude.

„Die Texte der historischen Beschilderung hat die Journalistin Elfriede Schneider recherchiert, niedergeschrieben und spannend und packend dargestellt“, berichtete von Waldenfels. Die Zeichnungen auf den Tafeln stammen von Designerin Amelie Wendland aus Hof, eine gebürtige Lichtenbergerin. Hinter der historischen Beschilderung steht zudem ein Arbeitskreis, der sich aus Rudolf von Waldenfels, Klaus-Peter Seyer, Christoph Klasen und Matthias Quehl zusammensetzt. Sie erhielten als Dank für ihr ehrenamtliches Wirken Gutscheine für ein Essen in einem Lichtenberger Restaurant. Auf den Geschichtstafeln geben Einzelschicksale Einblick in die Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Das Projekt lief von 2014 bis 2021 mit Leader-Förderung, unterstützt von der Lokalen Aktionsgruppe Landkreis Hof. „Es gab viele Partner, darunter ein P-Seminar des Hochfranken-Gymnasiums Naila mit Lehrerin Barbara Ernst und der Geschäftsführerin der Ferienregion Selbitztal-Döbraberg, Nadine Hofmann“, informierte der Bürgermeister. Etwa zwei Dutzend Tafeln, über Lichtenberg verteilt, sind entstanden. Sie erzählen von den Rittern, dem Besuch des Forschers Alexander von Humboldt, vom Wiesenfest bis hin zur Flucht über die innerdeutsche Grenze.

Bürgermeister von Waldenfels erzählte eine dieser Geschichten: Am 7. Mai 1796 holte der Stadtschreiber von Lichtenberg sein Ausgabenbuch hervor und zahlte dem früheren königlichen Soldaten Korrmann zehn Kreuzer aus. Korrmann hatte vor der Stadt Belgrad mitgekämpft und sein Bein verloren. „Seitdem zog er als Bettler durch das Land“, erzählte von Waldenfels. Damals seien zahlreiche Elende und Bedürftige nach Lichtenberg kamen, es waren unruhige Zeiten. „Wie in vielen Städten gab es Lichtenberg eine Armen-Gasse, aus der die durchziehenden Bettler kleine Beträge erhielten und sich davon ein Essen kaufen konnten“, berichtete von Waldenfels. Der Rundweg wurde bezuschusst vom EU-Leader-Programm mit rund 65 000 Euro und zudem von der Waldenfels-Stiftung, der Stadt Lichtenberg und der Sparkasse Hochfranken.

Zu den Ehrengästen des Festaktes zählten Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Landrat Oliver Bär; beide waren voll des Lobes über die Entwicklung. „Auch jetzt wird Geschichte geschrieben mit dem gelungenen Projekt“, betonte Piwernetz. Landrat Bär sprach von Lichtenberg als einem Ort, der Historie und Zukunft vereint. Er dankte Bürgermeister und Stadtrat für den Mut, Projekte nicht nur zu planen, sondern auch zu realisieren.

Viele Besucher erklommen den Burgturm und äußerten nur lobende Worte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Petra und Peter.

 

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