Lichtenfels Humor zum Abschied

Ein Clown und eine Trauerfeier sind kein Widerspruch, findet die Psychologin Birgit Sauerschell aus Lichtenfels. Seit gut einem Jahr kann sie als "Kaala Knuffl" unter anderem für Beerdigungen und Trauerfeiern gebucht werden, sie kommt als Trauerrednerin oder als poetische Ergänzung zu der Feier, je nach Absprache mit den Verstorbenen zu Lebzeiten oder nach den Wünschen der Angehörigen. Foto: epd/privat Quelle: Unbekannt

Birgit Sauerschell bringt zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört. Seit gut einem Jahr kann man die Lichtenfelserin als Clown für Beerdigungen buchen.

Lichtenfels - Ein Clown auf einer Beerdigung: Das geht ja wohl gar nicht. Denkt man zumindest. Birgit Sauerschell aus Lichtenfels ist da anderer Meinung. Die Psychologin bringt zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört: Trauer und Poesie, Tränen und Humor, Tod und Leben. Seit gut einem Jahr kann sie als "Kaala Knuffl" unter anderem für Beerdigungen und Trauerfeiern gebucht werden, sie kommt als Trauerrednerin oder als poetische Ergänzung zu der Feier, je nach Absprache mit den Verstorbenen zu Lebzeiten oder nach den Wünschen der Angehörigen.

Ein Clown, der auf einer Bank sitzt, während der Trauerzug auf dem Weg zum offenen Grab vorüberzieht, das ist nicht nur ein eindrucksvolles Bild, das kann auch etwas bewirken, glaubt Birgit Sauerschell. Wenn dann noch jeder Trauernde einen weißen Luftballon in die Hand gedrückt bekommt und alle Anwesenden die Ballons anschließend in den Himmel steigen lassen, dann komme der eine oder andere schon ins Nachdenken. "Ein Clown kann eben Emotionen wecken", weiß Birgit Sauerschell.

Entstanden ist die Idee des Trauerclowns aus ihrem langjährigen Engagement als Klinikclown. Die 56-Jährige, die unter anderem viele Jahre in der Suchtberatung und in der Asylarbeit der Diakonie tätig war sowie als Psychologin bereits selbstständig gearbeitet hat, besuchte 2007 aus einer Laune heraus ein halbes Jahr lang eine Clownschule mit dem Namen "Die Kunst des Stolperns" in Freising. "Just for fun", wie sie sagt, als eine Art Selbsterfahrungstrip.

Dort lernte sie nicht nur Jonglieren und Improvisieren, sondern kam auch mit den Klinikclowns in Berührung. Das sind Clowns, die auf Kinderstationen, aber auch in Alten- und Pflegeheimen auftreten um zu trösten, um Hoffnung und Zuversicht zu spenden oder einfach den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Bis dahin war sie lediglich auf der einen oder anderen Familienfeier aufgetreten.

Seitdem ist sie zusammen mit Kollegen regelmäßig unter anderem in den Krankenhäusern in Coburg und Lichtenfels sowie in verschiedenen Altenheimen im Bamberger Raum anzutreffen. Man singt zusammen mit den alten Menschen Volkslieder und Schlager, stellt schillernde Seifenblasen für die Kleinsten her oder spielt mal auf der Geige. "Da ist manchmal auch ein schräger Ton dabei", sagt sie, aber das Leben sei halt auch nicht immer perfekt.

Wie ernst die Klinikclowns ihre Aufgabe nehmen, zeigt, dass sie zweimal pro Jahr an Fortbildungen teilnimmt, wo sie nicht nur von hochkarätigen Clowns lernt, sondern auch therapeutischen Fragen nachgeht. Ein Workshop mit dem Titel "Der Clown und der Tod" brachte Birgit Sauerschell auf die Idee des trauernden Clowns. Der Clown sei schließlich nicht nur lustig, er ist vielmehr eine Figur, die alle möglichen Emotionen weckt. So ist es für sie auch immer wichtig, dem Verstorbenen gerecht zu werden. In Form eines Musikstückes sein, eines Tanzes, einer kurzen Rede, im Freien oder im geschützten Raum, meist aber dezent im Hintergrund.

Schenkelklopfer sucht man bei "Kaala Knuffl" vergebens. Sowohl bei Hospizvereinen als auch bei Bestattern und sogar Pfarrern ist ihre Idee bislang auf Wohlwollen gestoßen, sofern ihr Auftreten nicht innerhalb der Liturgie stattfindet. Vereinzelte Auftritte wie der zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe Kronach gehören dazu oder die Präsenz auf einschlägigen Messen. Auch die Funktion einer Trauerrednerin ohne Clownskostüm ist für sie denkbar.

Zum Programm gehört auch eine Spielsequenz für Vor- und Grundschulkinder als Auseinandersetzung mit Tod, Trauer und Verlust. Gebucht werden kann sie von Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Förderbedarf und Gruppen, die einen ungewöhnlichen und einfühlsamen Einstieg in das Thema Tod und Trauer suchen.

 

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