"Wir sind nicht, als unsere jüdischen Freunde abgeführt wurden, auf die Straße gegangen, haben nicht geschrien, bis man auch uns vernichtete, wir haben vorgezogen, am Leben zu bleiben mit dem schwachen, wenn auch richtigen Grund, unser Tod hätte doch nichts helfen können. Dass wir leben, ist unsere Schuld." Es war 1945, also noch im Jahr der Befreiung, als Karl Jaspers diese Sätze in seiner Schrift "Zur Schuldfrage" notierte. Das Überleben, das Leben als Schuld, weil man, mehr oder weniger ohnmächtig, nichts gegen das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit, nichts gegen den Holocaust getan hat. "Dass wir leben, ist unsere Schuld." Kann es eine größere Schuld überhaupt geben?