Mountainbike-Marathon Auf den Spuren des Weltmeisters

Erstmals in der Geschichte des Mountainbike-Radsports geht der WM-Titel im Marathon an einen Deutschen. Bei den Titelkämpfen auf Elba ist auch ein Starter aus dem Fichtelgebirge dabei. Und das ganz überraschend.

Schönwald - Das kann doch eigentlich nur ein Scherz sein? Dieser Gedanke ging Timo Späthling durch den Kopf, als er vor einigen Wochen die Einladung zur Marathon-WM der Mountainbiker erhielt. Sicherlich ist der Vorsitzende der Fichtelgebirgsracer einer, der oft und gern auf dem Sattel sitzt. Erst vor einigen Wochen hatte er erfolgreich die Rennserie zum Marathon-Man abgeschlossen, nun sollte er auf die Mittelmeer-Insel Elba fahren, um an der XCM-WM teilzunehmen. Und das auch noch inklusive eines freien Startplatzes und der Übernachtungen. „Ich hatte an einem Gewinnspiel teilgenommen“, bericht der Schönwalder. Und er hatte das Glück, der Ausgewählte zu sein.

Per Gewinnspiel zur WM? So einfach war es dann doch wieder nicht. Denn trotz der guten Vorleistungen fuhr Späthling dann doch nicht im Feld der weltbesten Fahrer, sondern am Tag danach einen Großteil der WM-Abschnitte im Rennen der Amateure. „So konnte ich selber fahren und eben am Tag zuvor den Profis zuschauen“, sagt Späthling.

Und was er zu sehen bekam, kam einer Sensation gleich: Erstmals im Mountainbike-Marathon gewann ein deutscher Starter. Auf der Langstrecke über 115 Kilometer und 4500 Höhenmeter waren die Männer gefordert. Andreas Seewald legte einen souveränen Auftritt hin und wiederholte seinen Triumph von den Europameisterschaften.

Späthling konnte dabei auch miterleben, wie Seewald sich trotz der anstrengenden langen Strecke auf den letzten Metern ein Duell mit dem Kolumbianer Alfonso Arias lieferte. Seewald gewann mit 2:24 Minuten Vorsprung. „Aus deutscher Sicht ist das eine super Sache“, sagt der Schönwalder, der auch hofft, dass durch den Triumph die Langstrecken-Rennen noch mehr Aufmerksamkeit erhalten – gerade eben im boomenden Mountainbike-Markt.

Harte Strecke

Und wer sich dafür interessiert, auch mal längere Strecken zu fahren, der sollte mit dem Fichtelgebirgsracer ein paar Worte wechseln. Seine Erfahrungen auf Elba sind beeindruckend: Zwar mussten die Amateure nicht auf die 115 Kilometer, aber 70 Kilometer waren es dann trotzdem. Und zirka 2600 Höhenmeter. „Das klang erst mal alles nicht so schlimm, war aber super anstrengend“, sagt Späthling. Denn: Nahezu alle Streckenteile waren Trails – und das heißt auch: Es ging permanent bergauf und bergab.

„Das Abfahren war teils nicht ohne“, sagt er. „Es war teilweise sehr steil, steinig, staubig, verblockt.“ Und bei den Aufstiegen lief es nicht anders – zumal am Ende der anstrengenden Tour noch der Hammer wartet: Nach 60 Kilometern kam der sogenannte „Legend Climb“, der längste Anstieg im Rennen. Vom Meer weg bis zum höchsten Punkt sind es knapp 400 Meter bergauf – mit stellenweise über 30-prozentiger Steigung. Und das eben am Ende des Rennens. „Nach der langen Zeit auf dem Rad war das fast nicht mehr zu treten“, gibt Späthling zu. Einigen Fahrern gab dies den Rest, sie mussten die weiße Flagge hissen. „Ich kam noch einigermaßen hoch, war aber am Limit.“

Niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit

Allerdings blieb danach kaum Zeit zum Erholen, was zu einer relativ niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit führte. Ein Vorteil für die Teilnehmer, die dann auch mal den Blick nach links und rechts werfen konnten. „Die Landschaft war insgesamt absolut geil. Die vielen Wege liefen oft auch entlang der Hänge, durch alte Eisenerzminen, zwischen Kakteen hindurch. Absolut geil.“ Der Blick aufs Meer entschädigte für die Anstrengungen.

Am Ende erreichten von den 777 Männern, die an den Start gegangen waren, 648 innerhalb des Limits das Ziel. In seiner Altersklasse wurde Späthling 40., in der Gesamtwertung 340. bei 5:31,56 Stunden Fahrzeit.

„Eigentlich dachte ich, nach der MME-Serie und vor allem der Salzkammergut-Trophy (also einem der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt, Anmerkung der Redaktion) geht’s nicht anstrengender, aber ich bin noch am Überlegen, was mich mehr gefordert hat“, sagt Späthling. Auf Elba war die Strecke zwar kürzer, aber „scharf an der Grenze“, wie er es nennt. „Die Temperaturen waren auch höher, wenn auch nicht heiß.“ Denn schließlich freute sich der Schönwalder auch über die Tage in der Wärme, die alle mit einer großen Überraschung begonnen hatten.

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