"Ich will ihm unbedingt einen Brief schicken, aber überlege noch, was ich schreiben soll." Im September wird sie einen Anruf von der DKMS bekommen und erfahren, wie es ihm geht. Die Stammzellen von Sandra Lehnert hat er einen Tag nach der Spende erhalten.
Die junge Frau, die aus Schauenstein stammt, würde die Person, die sie eventuell gerettet hat, gerne kennenlernen. "Aber ich könnte auch verstehen, wenn es derjenige nicht möchte. Vielleicht will er abschließen mit dieser schlimmen Zeit."
Für sie hingegen sei die Spende keine große Belastung gewesen, obwohl sie sich spritzen musste und als Nebenwirkung Kopf- und Beckenschmerzen verspürte. Im August steht noch eine letzte Untersuchung beim Hausarzt an. Er überprüft, ob der Körper wieder genug Stammzellen nachproduziert hat. Danach ist alles überstanden.
Sandra Lehnert hätte auch einen größeren Eingriff auf sich genommen. Im Vorfeld hat sie sogar einer Entnahme aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose zugestimmt. Die Operation wäre notwendig geworden, wenn sie die Spritzen nicht vertragen hätte. "Der Patient hat viel mehr durchgemacht als ich, da werde ich doch den kleinen Eingriff überstehen", sagt die Spenderin.
Weil sie wusste, dass der Empfänger mit einer aggressiven Chemotherapie auf die Spende vorbereitet wird, wollte sie den Termin auf keinen Fall gefährden. Aus Angst vor einer Erkältung hat sie sogar einen geplanten Zelt-Ausflug abgesagt. "Man empfindet Verantwortung und fragt sich, was wird aus dem Menschen, wenn ich jetzt nicht spenden kann?"
Die DKMS hat sämtliche Kosten für die Spende übernommen, so auch die Anreise und die Übernachtungen im Hotel in Dresden sowie den Arbeitsausfall der Zahnarzthelferin. Seit das Paket eingetroffen ist, stand ihr außerdem eine Betreuerin der DKMS zur Seite, mit der sie jederzeit telefonieren konnte. Wie Sandra Lehnert erzählt, hat die Betreuerin nicht nur alle Fragen beantwortet, sondern sich auch tausendfach bei ihr bedankt. Der jungen Frau ist das schon fast unangenehm. "Ich empfinde es als selbstverständlich und würde es auch jeder Zeit wieder tun."
Genau deshalb ist sie im März vor drei Jahren zur Typisierungsaktion nach Helmbrechts gekommen: "Ich wollte einfach helfen." Der Gedanke, dass sie diejenige sein könnte, die dem krebskranken Jungen das Leben retten kann, trieb sie damals an. Nun hat sie mit ihrer Spende hoffentlich einen anderen Menschen vor dem Tod bewahrt. Wer es ist, weiß Sandra Lehnert frühestens 2020. Auf ein Treffen mit ihm freut sich schon jetzt.