Neues Wohnheim in Arzberg Schon jetzt mehr Anfragen als Plätze

Christl Schemm
Der Leiter des Lebenshilfe-Wohnheims ist schon an Bord: Daniel Mösch (Mitte). Unser Bild zeigt ihn vor dem Rohbau auf dem ehemaligen Arzberger Schumann-Gelände, zu dem auch der alte Fabrikschlot gehört, mit (von links): Bürgermeister Stefan Göcking, Bauleiter Ingo Püttner, Architekt Karsten Hilbert und Lebenshilfe-Geschäftsführerin Susanne Hilpert. Foto: Christl Schemm

Seit dem 1. Juli ist Daniel Mösch der Chef des neuen Lebenshilfe-Wohnheims für behinderte Menschen in Arzberg. Eröffnet werden soll die Einrichtung nächstes Jahr im Frühjahr.

Noch dauert es einige Monate, bis das neue Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung auf dem früheren Areal der Porzellanfabrik Schumann in Arzberg eröffnet werden kann. Doch der Mann, der die Einrichtung der Lebenshilfe leitet, ist bereits aktiv. Zum 1. Juli ist Daniel Mösch für diese verantwortungsvolle Aufgabe verpflichtet worden. Die Zusage, dass er den Job bekommen würde, hatte er bereits seit Februar in der Tasche und war deswegen schon an vielen Besprechungen und Entscheidungen beteiligt, wie er am Dienstagmittag vor Ort bei einem Gespräch mit der Frankenpost erläuterte.

Erfahrung mit Wohngruppen

Der Fachwirt in Gesundheits- und Sozialwesen, der zudem eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger hat, verfügt über viele Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich. Allein zehn Jahre hat der 34-Jährige, der in Gefrees wohnt, in Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen gearbeitet. An der neuen Aufgabe in Arzberg reize ihn besonders, dass er dazu beitragen könne, etwas ganz Neues aufzubauen, ein Team mit 36 Vollzeitbeschäftigten plus etlichen weiteren Teilzeitkräften nach Stärken und Fähigkeiten zusammenzustellen und zu leiten. Außer Fachleuten für die Leitung der Einrichtung sowie Pflege- und Betreuungspersonal verschiedener Fachrichtungen gehören dazu Mitarbeiter in der Hauswirtschaft und der Haustechnik. Zudem gibt es einen Fachdienst für Beratung und Einzelmaßnahmen für die Bewohner.

Das Wohnheim, unmittelbar neben der Lebenshilfe-Werkstatt gelegen, wird vom kommenden Frühjahr an 24 Menschen mit geistiger Behinderung und besonders herausforderndem Verhalten ein Zuhause bieten. Also Frauen und Männern, die nicht alleine leben können und eine fachlich fundierte Betreuung brauchen. Ein solches Wohnheim gibt es bislang in Oberfranken nicht. Entsprechend groß ist die Nachfrage. „Es geht um Menschen, die bislang bei ihren Eltern, in weiter entfernten Einrichtungen oder seit Jahren in psychiatrischen Kliniken leben“, verdeutlichte Lebenshilfe-Geschäftsführerin Susanne Hilpert. „Wir haben schon jetzt viel mehr Anfragen als Plätze.“ Dies sei auch deswegen der Fall, weil es Ziel sei, Kranke mit derartigen Einschränkungen zu enthospitalisieren, ihnen also ein Leben außerhalb psychiatrischer Krankenhäuser zu ermöglichen.

Beschützende Einrichtung

Hilpert und Mösch bezeichnen das Wohnheim als eine beschützende Einrichtung mit einem sehr hohen Personalschlüssel. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die aufgrund ihrer Behinderungen in der Regel ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und einem strukturierten Tagesablauf hätten, würden rund um die Uhr betreut und auch außerhalb des Hauses ständig begleitet. So sei der Schutz nach außen wie nach innen gewährleistet. „Wir sind sehr froh, dass wir Daniel Mösch als Heimleiter gefunden haben und ihn frühzeitig einbinden konnten“, betonte die Geschäftsführerin. „Er weiß, was auf ihn zukommt.“

Laut Architekt Karsten Hilbert sind die 24 Plätze in drei Wohngruppen für je acht Personen aufgeteilt. Das Heim wird also besonders wohnlich und als ein echtes Zuhause gestaltet. Der Plan sei, die Einrichtung im März oder April 2023 einzuweihen. Dies sei machbar, ergänzte Bauleiter Ingo Püttner. Doch zurzeit sei aufgrund der verschiedenen Krisen und wegen Engpässen bei den Lieferketten nicht alles wie sonst üblich planbar.

Kostensteigerungen

Dies gilt auch für die Finanzierung. Die ursprünglich kalkulierten 8,5 Millionen Euro Baukosten werden nach den Worten Susanne Hilperts aufgrund der hohen Kostensteigerungen weit überschritten. Daher versuche die Lebenshilfe zurzeit, eine Nachfinanzierung auf die Beine zu stellen. Zuschussgeber sind der Bezirk Oberfranken, die Regierung von Oberfranken mit Mitteln des bayerischen Sozialministeriums sowie der Obersten Baubehörde des Innenministeriums, die Städtebauförderung und die Oberfrankenstiftung. Die Lebenshilfe trägt ebenfalls einen erheblichen Anteil der Kosten. Die Stadt Arzberg ist über den sogenannten städtebaulichen Mehraufwand beteiligt, also zum Beispiel für den Lärmschutzwall an der Bahnstrecke zuständig.

Es sei sein und der ausdrückliche Wunsch des Stadtrats gewesen, die Werkstatt und das Wohnheim der Lebenshilfe auf der früheren Industriebrache anzusiedeln, unterstrich Bürgermeister Stefan Göcking. „Ich bin froh, dass wir jetzt auf den letzten Metern der Realisierung sind“, sagte er und wünschte Susanne Hilpert und Daniel Mösch, dass sie das nötige Personal einstellen können, um den betroffenen Menschen helfen zu können.

 

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