Oberfränkisches Textilmuseum Aus einem simplen Kleid entsteht Kunst

Zur Eröffnung der Ausstellung „Ein Kleid für alle“ im Oberfränkischen Textilmuseum stellten sich die vier anwesenden (der 14) Künstlerinnen und Künstler zusammen mit der Kuratorin und dem zweiten Bürgermeister der Stadt Helmbrechts zu einem Gruppenbild auf. (Von links): Robert Geigenmüller, Ulrike Oelschlegel, Susanne Suhr, Pia Wessels, Barbara Kessler, Ivo Schwarz. Foto: /Werner Bußler

14 Kreative beteiligen sich an einem Projekt, das zum Nachdenken anregt. Es prangert Schnelllebigkeit in der Fashionindustrie an. Die Werke sind im Textilmuseum zu sehen.

Helmbrechts - In einem Kaufhaus hat Pia Wessels ein Kleid gesehen, das für einen niedrigen Preis angeboten wurde, aber für sie als Kostümbildnerin den Tiefpunkt eines Entwurfs darstellte. Wegen des nur simplen Schnitts und des Preises wird es vielleicht erworben und lediglich ein einziges Mal getragen, bevor es entsorgt wird. Beim Anblick der Textilie entstand die Idee, dieses schlichte Gewand, das mit einem Minimum an Verarbeitungsaufwand den Gewinn einer Modekette maximieren soll, zu verändern und somit mit Kunstobjekten auf Auswüchse der schnelllebigen Fashionindustrie aufmerksam zu machen.

Dies geschah mit dem Projekt „Ein Kleid für alle“, an dem sich 14 Kreative beteiligten. Die dazu angefertigten Werke sind nun in einer Sonderausstellung bis zum 21. November im Obergeschoss des Oberfränkischen Textilmuseums in Helmbrechts zu sehen.

Zur Eröffnung der Ausstellung begrüßten Kuratorin Ulrike Oelschlegel und zweiter Bürgermeister Robert Geigenmüller neben Interessenten auch vier der Gestalterinnen, die sich bei einem Rundgang gern mit den Fragen der Anwesenden auseinandersetzten und Näheres zu ihren Werken erläuterten.

Geigenmüller betonte in seinem Grußwort, es sei beschämend für die Menschen in Billiglohnländern, wenn ihre Arbeit so niedrig geschätzt wird und aufgrund des niedrigen Preises der von ihnen genähten Stoffe kein gerechter Lohn bei ihnen ankomme. „Es ist eine schlimme Sache, wenn Leute ausgebeutet werden und zudem Ressourcen verschwendet werden.“ Die aufgebaute Schau könne helfen, das Bewusstsein zu wecken, welche Seiten man der Mode auch abgewinnen kann.

Pia Wessels sagte, das Projekt wolle Kunst und Textil verbinden. Dabei galt es, auf vielfältige, mitunter verschobene Annäherungsweise Begebenheiten zu hinterfragen und im heute geltenden Stereotypen herauszufordern.

Die Künstlerinnen haben sich mit der Frage beschäftigt: „Was bedeutet uns so ein Kleid?“ und sie zu beantworten versucht, indem sie darauf hinweisen, dass kurz konsumieren und dann wegwerfen kein gängiger Weg für Textilien sein kann. Mit der Ausstellung wolle man die Betrachter zum Nachdenken, auch über das eigene Verhalten, anregen. Das einfache Modell bildete dazu die Arbeitsgrundlage. So näherten sich die Beteiligten mit unterschiedlichen Blickwinkel dem Thema Transformation und beschäftigten sich bei der Umsetzung ihrer Ideen mit diversen Aspekten der Mode.

Alle Ausstellenden befassen sich nahezu täglich mit Mode, Kostüm, Kunst und Grafik. Entsprechend vielfältig gestalteten sie die Objekte. Einige haben übrigens auch beim Projekt „Ein Kleid geht auf Reisen“ mitgewirkt, das 2018 im Textilmuseum Station machte.

In den meisten Fällen sind die Unikate selbsterklärend, doch gibt es auch einige wenige Texte in der Ausstellung. So lautet ein Satz zu ebenfalls gezeigten künstlerisch wertvollen Fotos von Susanne Wagner: „Wie können sich Menschen bewusst werden, dass sie als Konsumenten Staatsbürger sind und nicht nur Kunden.“

Die unterschiedlichen Werke gestaltet haben: Anke Drewes, Cäcilia Gernand, Barbara Kessler, Daniel Kroh, Uta Seidel, Linda Schmidt, Ivo Schwarz, Pauline Stockmann, Susanne Suhr, Anja Vogel, Susanne Wagner, Pia Wessels, Gloria Sophie Wille und Saskia Wünsch.

 

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