Illegales Treffen Hausmeister öffnete Reichsbürgern die Tür

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Es ist geklärt, wer Reichsbürgern Zutritt zur Waldorfschule in Coburg gewährt hat. Das teilte Schulleiter Hans-Joachim Döhner am Mittwoch mit. Foto: Frank Wunderatsch/fwu

Extremisten aus ganz Deutschland haben sich am vergangenen Samstag in einem Schulsaal in Coburg getroffen. Jetzt ist geklärt, wer den Teilnehmern Einlass gewährt hat. Doch die Ermittlungen stehen erst am Anfang.

Coburg - Ein Hausmeister hat Reichsbürgern den Saal der Waldorfschule im Coburger Stadtteil Beiersdorf für ein illegales Treffen geöffnet (die Neue Presse berichtete). Der Mann hat dies eingeräumt und wurde fristlos entlassen. Das bestätigte der Leiter der Rudolf-Steiner-Schule, Hans-Joachim Döhner, am Mittwochmorgen auf Anfrage. Auch die Ermittlungen der Kriminalpolizei zielen in diese Richtung, sagte Matthias Potzel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth, unserer Zeitung.

Der Hausmeister soll die Tür mit einem Generalschlüssel geöffnet haben. Die Polizei hatte von dem illegalen Treffen am Samstagabend, das gegen 20 Uhr begonnen hatte, Kenntnis erhalten, die Schulhalle an der ehemaligen herzoglichen Farm Callenberg im Stadtteil Beiersdorf umstellt, die Reichsbürgerversammlung aufgelöst und die Personalien aller Anwesenden festgestellt.

Gleichzeitig hatte der von Einsatzleiter Ralf Wietasch informierte Schulleiter Hans-Joachim Döhner für die Teilnehmer, die aus dem ganzen Bundesgebiet nach Coburg gekommen waren, ein Hausverbot ausgesprochen. Alle 55 Beteiligten erwartet nach Auskunft des Polizeipräsidiums ein Bußgeld. Die Ermittlungen führt die Kriminalpolizei Coburg.

„Entsetzt und geschockt“

Die Schulleitung hatte sich „entsetzt und geschockt“ über das ihr nicht bekannte Reichsbürgertreffen in den Räumen der Coburger Waldorfschule gezeigt und sich von der Ideologie der Extremisten deutlich distanziert. Der Saal war für Samstagabend nicht vermietet worden, hatte Schulleiter Döhner betont. Zuvor hatte dort eine Schulveranstaltung stattgefunden. Die letzten Teilnehmer hatten den Saal gegen 19 Uhr verlassen und die Tür verschlossen.

Nachdem es keine Einbruchsspuren gab, war klar, dass jemand eine Tür zum Saal aufgeschlossen und die Reichsbürger eingelassen haben musste. Der dafür Verantwortliche musste aus dem Umfeld der Rudolf-Steiner-Schule kommen. Deren Leitung hatte ausgeschlossen, dass ein Mitglied des pädagogischen Personals oder Büromitarbeiter als Täter infrage kommen. Die Waldorfschule hat nach Angaben von Hans-Joachim Döhner rund 60 Beschäftigte.

„Intensive Untersuchung“

In einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung heißt es, Vorstand, Schulleitung, Lehrerkollegium und Geschäftsführung der Rudolf-Steiner-Schule Coburg hätten in den vergangenen Tagen intensiv untersucht, wie es zu dem illegalen Reichsbürgertreffen am Samstag in den Räumen der Schule kommen konnte. Nach vielen Gesprächen und der Prüfung des Sachverhaltes sei man sich sicher, „dass ausschließlich ein bei uns beschäftigter Hausmeister in die Organisation des Treffens involviert war“. Mit seinem Generalschlüssel habe er der Gruppe heimlich „und unter gravierender Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten Zugang verschafft“. Das Beschäftigungsverhältnis mit dem Hausmeister sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden.

Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass andere Hausmeister, sonstige Mitarbeiter, Lehrkräfte, Eltern oder Schüler an dem illegalen Reichsbürgertreffen am Samstag teilgenommen oder dieses in irgendeiner Form unterstützt hätten. „Wir betrachten die rechtswidrige Reichsbürgerveranstaltung als einen gezielten Angriff auf unsere Einrichtung, die Waldorfschulbewegung insgesamt und ihre Werte. Deshalb legen wir besonderen Wert auf die Feststellung: Der Gegensatz zwischen abstrusen, verfassungsfeindlichen Verschwörungstheorien, wie sie die Reichsbürger vertreten, und den Zielen und Idealen der Waldorfschule Coburg könnte nicht größer sein“, betonen Schulleitung, Lehrerkollegium und Vorstand.

Weitgehende Ermittlungen

Matthias Potzel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth, bestätigte, dass sich Ermittlungen zu dem illegalen Reichsbürgertreffen am Wochenende in Coburg gegen einen Hausmeister der Waldorfschule richten. „Wir haben Kenntnis von den Nachforschungen der Waldorfschule, die wir überprüfen werden. Wir werden an den Hausmeister herantreten“, so Potzel. Dabei werde die Kripo in die Tiefe ermitteln, sagte der Polizeisprecher. „Wir wollen wissen, ob mehr dahinter steckt als der Hausmeister und wie er in die Reichsbürgerszene eingebunden ist.“

Der entlassene Hausmeister und seine Ehefrau sind nach Recherchen unserer Zeitung Mitunterzeichner einer Erklärung, die im November vergangenen Jahres für Wirbel gesorgt hatte. In einem Südthüringer Anzeigenblatt hatten 350 Personen, darunter zahlreiche Ärzte und Pflegekräfte, die sofortige Abschaffung aller staatlichen Corona-Regeln gefordert. Auf die Frage, ob er davon wisse, dass das Ehepaar die Erklärung unterzeichnet hat, sagt der Schulleiter: „nur von der Frau“. Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen wolle er sich zu dem Thema nicht weiter äußern. „Da muss ich jetzt sehr zurückhaltend sein, um keine Verfahrensfehler zu machen“, betont Döhner.

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