Reihe in Helmbrechts Intime Konzerte von Darkfolk bis Indie

red
Veranstalter Andreas Hoffmann hofft auf viele Gäste im Filmwerk (auf dem Foto) und im Schärwerk. Foto: Patrick Findeiß

Die Konzertreihe „Akustischer Herbst“ lockt auch in diesem Jahr wieder, wenn es draußen ungemütlich wird, Musikliebhaber in die Räume der Alten Weberei in Helmbrechts.

Bald weht wieder buntes Laub durch die Straßen. Und während die Welt dann Tag für Tag ein wenig grauer und finsterer wird, prasseln nicht selten Regentropfen an die Fensterscheiben. Doch je mehr es draußen „sauliert“, wie der Franke so schön sagt, desto gemütlicher wird es drinnen. Gut also, dass der Helmbrechtser Verein „Die Gunga“ auch heuer wieder Musik in die Räume der Alten Weberei in Helmbrechts zaubert – konkret: in das Filmwerk und das ein Stockwerk höher gelegene Schärwerk – die den Besuchern die immer länger werdenden Herbstabende ein wenig verkürzt. Dunkler Folk mit Heimatbezug gehört ebenso zum Programm wie Indie, Rock und Punk.

Vorausgesetzt es kommen keine neuen Corona-Einschränkungen, soll die bereits etablierte Reihe in diesem Jahr einen Schritt zurück in Richtung Intimität machen, wie Organisator Andreas „Hoffi“ Hoffmann im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Drei der vier Konzerte finden heuer wieder im Filmwerk statt. Gerade für die kleinen, intimen Auftritte eine bessere Wahl, findet der Veranstalter. „Im Schärwerk kann auch mal Kneipen-Atmosphäre aufkommen. Im Filmwerk hingegen herrscht absolute Ruhe“, berichtet Hoffmann. Nichts geändert hat sich am Eintritt: Da es dem Verein für offene Jugendarbeit, der mit seinen Events bei Weitem nicht nur ein junges Publikum anspricht, nicht darum geht, dass am Ende ein großer Gewinn hängen bleibt, kosten die Konzerte keinen Eintritt. Das Publikum ist jedoch dazu aufgefordert, eine Spende im Hut zu hinterlassen, die den Künstlerinnen und Künstlern nach ihren Shows als Gage zukommt. Nun hoffen alle Beteiligten darauf, dass neben dem treuen Kreis an Stammgästen, der sich über die Zeit etabliert hat, auch viele weitere Besucher aus Helmbrechts und der Region, die ehrlicher und handgemachter Live-Musik in gemütlichem Rahmen etwas abgewinnen können, ihren Weg zu den Veranstaltungen finden.

Diese Konzerte – Einlass ist jeweils um 19, Beginn um 20 Uhr – stehen in diesem Jahr auf dem Plan des „Akustischen Herbstes“:

Freitag, 16. September – Scotch & Water (Indie/Dream-Pop aus Hamburg): Schlendergang und Sprint. Verweilen und Aufbruch. Melancholisch reminiszierend, Blick stets vorwärts gewandt – schon seit ihrer Gründung ziehen sich Gegensätze wie ein roter Faden durch das Schaffen der Hamburger Indie- und Dream-Pop-Band Scotch & Water. Und genau in diesem Spannungsfeld schwingt auch ihr Debütalbum „Sirens“. Das vierköpfige Ensemble spielt darauf gekonnt mit Schritttempo und Perspektiven seiner Hörerinnen und Hörer – und verspricht damit gleichermaßen Anklang bei Vinyl-Liebhabern erster Stunde, Zeugen des New-Wave-Revivals der frühen 2000er sowie Kindern des neuen Jahrtausends zu finden. Dabei verweben Scotch & Water zuversichtlich Einflüsse von Fleetwood Mac über Arcade Fire bis hin zu Bon Iver oder The War on Drugs zu facettenreich-komplexen Klangwelten.

Freitag, 14. Oktober – Dobré (Indie/Rock/Folk aus Oberbayern): „ Wir haben es geschafft: Nach 2019 kommen die wunderbaren Jungs von Dobré erneut nach Helmbrechts“, teilt der Veranstalter hierzu mit – und schwärmt von einem der bisher besten Konzerte der Reihe. Eine Wiederholung mit den Männern aus dem oberbayerischen Schöngeising sei im vergangenen Jahr schon geplant gewesen, nun werde sie endlich nachgeholt. Die „ Süddeutsche Zeitung“ schreibt über die Band: „Verspielt, sympathisch, handgemacht – das deckt sich mit dem Hörerlebnis: Dobrés Musik ist Kirmes, Nostalgie und Gefühlsgewirr; ist süß, morbide und schrullig. Ein ‚Abenteuerspielplatz Pop’, wie sie selbst sagen.“ Folk, Indie, Pop, Blues, Rock ’n’ Roll und Psychedelic Rock gehen hier Hand in Hand.

Samstag, 5. November – „Nordwald Musik“ von Zwischenlichten und Mosaic (Darkfolk aus Helmbrechts und Lehesten/Gotha): Mosaic und Zwischenlichten bringen ihr „Nordwald Musik“-Programm zurück in die rauen Gefilde des alten Nordwalds. In Helmbrechts, dem Heimatort von Zwischenlichten, stellen die beiden Musiker deshalb einen Abend lang das Schärwerk der Alten Weberei unter das Motto „Traditionen, Legenden und Mystizismus“. Gemeinsam und abwechselnd präsentieren Martin Falkenstein, stammend aus Lehesten im Thüringer Schiefergebirge, und Nico Schwappacher aus Helmbrechts ihre kreative Vision, die auf moderne Weise die Geister jener einst vereinten, dann getrennten und nun wieder vereinten Region am Leben erhalten möchte – in Songs, die mal romantisch und lyrisch, mal knorrig und expressiv daherkommen.

Mosaic – verwurzelt in der Black-Metal-Szene – spielt ohne Band im Hintergrund, dafür mit Fokus auf das Lyrische und Atmosphärische. Inhaltlich fühlt sich der Künstler den Traditionen und der Sagenwelt des Thüringer Schiefergebirges, das den nördlichen Ausläufer des Frankenwaldes bildet, sowie der Natur- und Pflanzenmystik verbunden. Kreativkopf Martin Falkenstein ist Szenegängern darüber hinaus bekannt aus Bands wie Sun Of The Sleepless, Empyrium, Alchemyst und Nachtmystium.

Zwischenlichten ist tief beeinflusst vom Geist des Frankenwaldes. Die schwärmerischen Lieder scheuen nicht den Blick ins Schattenhafte und fühlen sich der deutschsprachigen Lyrik verbunden. Zwischenlichten hat es sich zum Ziel gesetzt, jenen so benannten Zeitraum der blauen Stunde nachzuempfinden, den die Weber und Bauern des Frankenwaldes einst nutzten, um sich dem Tratschen und Träumen zu widmen. Der Helmbrechtser Heimatdichter Otto Knopf schrieb dazu einst: „Das Zwischenlichten war ein Atemholen der Seele.“

Samstag, 19. November – Leiden (Punk/Indie aus Nürnberg) und Nun Flog Dr. Bert Rabe (Deutsch-Pop/Liedermacher aus Nürnberg):

Die Band Leiden will sich selbst die Frage beantworten: „Taumelnd an den Abgründen einer überformten Gesellschaft – wie ist das auszuhalten?“ Mit Bass, Gitarre und Schlagzeug versucht die Gruppe zu begreifen, zu beschreiben und Fassaden einzureißen – die eigenen und die der Welt. Schreien gegen die undurchsichtige Schwere und für die Freiheit des Selbst. Heiser doch voller Leben und immer mit einem kleinen Augenzwinkern hin zum Nonsens. Egal ob mit verpunkten Hymnen, fast krautigen Ausbrüchen oder Indie-Melodien, die in instrumentalen Techno münden – hier werden verschiedenste Schubladen aus dem Schrank gezogen, denn alles ist erlaubt, solang es sich gut anfühlt und gefällt. Freunde von Bands wie Schubsen, Akne Kid Joe oder auch Maffai sind hier genau richtig.

Die Geschichte des Duos Nun Flog Dr. Bert Rabe geht so: Als Mila einmal in einer Kneipe sang und Hannes zuhörte, hat er Klavierspielen gelernt, damit die beiden eine Band gründen können. Der Bandname ist, wie Mila und Hannes finden, zwar Mist, aber der Rest ganz gut. Mit Gesang, Bratsche, Klavier, Computer, Bier und Zigaretten vertonen die beiden seither Geschichten über das Übliche: Biber, Streichholzschachteln, Giraffenkot, Papierflieger und so weiter. Gerade hat Nun flog Dr. Bert Rabe ein neues Album aufgenommen. Es ist zwar noch nicht veröffentlicht, wird aber mit Sicherheit sehr teuer, verspricht das Duo.

 

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