Probebohrungen für HGÜ-Trasse BI Brand entsetzt über lasche Kontrollen

Die BI hat eigene Proben des Bodens an ein Labor geschickt. Foto: picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

Bei den Probebohrungen für die HGÜ Trasse in den Kösseine-Auen sind nach Ansicht der Bürgerinitiative nicht alle Vorschriften eingehalten worden. Sie kritisiert auch das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt.

Brand bei Marktredwitz - Die Gleichstrom-Höchstspannungstrasse (HGÜ) wird auch ein höchst sensibles Gebiet durchschneiden: die Kösseine-Auen bei Brand. Daher hat ein vom Netzbetreiber Tennet beauftragtes Unternehmen vor wenigen Wochen Bodenproben in diesem Gebiet entnommen. Soweit, so gut. Doch offenbar war den Mitarbeitern der Firma nicht bewusst, dass es sich hier um mit Quecksilber kontaminierten Boden handelt. Darauf zumindest lässt eine mehrseitige Stellungnahme der Bürgerinitive (BI) Brand schließen. Als Irene Fickentscher von der BI das Bohrgelände besichtigte, sah sie, dass trotz der dokumentierten Gefährdungsbewertung im Arbeitsbereich „die Grundausstattung der persönlichen Schutzausrüstung der Arbeiter nicht eingehalten wurde.“ Außerdem sah Irene Fickentscher, dass das Spülwasser der Probebohrung in der Nähe des Uferbereichs am Kösseine-Ufer eingeleitet wurde.

Wasser laut BI nicht anständig entsorgt

„Unseres Erachtens hätte das Bohrwasser gesondert entsorgt werden müssen“, teilt die BI mit. Auch laut den Auflagen des Landesamtes für Umwelt sei dies unzulässig.

Daraufhin haben Mitglieder der Bürgerinitiative in dem Bereich, in dem das Spülwasser versickerte, eigene Bodenproben entnommen. „Hier konnte man auch deutlich Sediment erkennen. Die Proben wurden an das Labor Agrolab zur Untersuchung auf Quecksilber eingeschickt. Wie erwartet, befand sich ein erhöhter Quecksilberwert von 17,5 Milligramm in der Probe. Dieser Wert liegt zwar noch unter dem Prüfwert, jedoch weit über dem Vorsorgewert von 0,1 Milligramm im Sand, 0,5 Milligramm im Schluff und 1,0 Milligramm im Ton.“

Kritik an Abwesenheit des Landratsamtes

Die BI kritisiert in ihrem Schreiben weiter, dass das Landratsamt Wunsiedel trotz der „äußerst sensiblen Gefährdungsbewertung“ nicht beim Bohrvorgang anwesend gewesen sei. „Das Wasserwirtschaftsamt wurde ebenfalls nicht eingebunden, obwohl die Quecksilber-Altlast hinreichend bekannt ist und Maßnahmen ergriffen werden sollen, um das Quecksilber in Deutschland zurückzuhalten, damit es nicht in den Stausee Skalka gelangt.“ Brand bei Marktredwitz sei hier als Hotspot eingestuft.

Regelrecht entsetzt zeigen sich die Vorsitzende der BI, Johanna Kropp, und die zweite Vorsitzende, Irene Fickentscher, wie lasch und unprofessionell bei den Probebohrungen vorgegangen werde. „Der Herr der anwesenden Firma erklärte, er habe schon vom Quecksilber gehört.“ Die BI kritisiert weiter, dass an diesem Hotspot eine ökologische Baubegleitung fehlte. „Wir fordern hiermit Akteneinsicht, unter welchen Auflagen die Bohrungen aufgrund der Bohrankündigung genehmigt wurden. Außerdem fordern wir sämtliche Untersuchungsergebnisse an.“

Problematik Quecksilber

Die BI bezieht sich in ihrer Kritik auch auf Aussagen eines Vertreters des Wasserwirtschaftsamtes Hof bei einer Informationsveranstaltung in Arzberg im Herbst 2019, deren Inhalte dokumentiert worden seien. „Hierbei wurde erklärt, dass sich im Ufer- und Überschwemmungsgebiet der Kössein und Röslau immer noch Quecksilber befinde. In tieferen Schichten nähmen die Konzentrationen der Quecksilberbelastung noch zu“, heißt es in dem Schreiben. Als Vertreter der BI seinerzeit nachgefragt hatten, ob bei der Planung der HGÜ-Leitung auf diese Problematik eingegangen werde, bekamen sie eigenen Angaben nach zur Antwort, dass dies die Maßnahme nicht betreffe.

Fehlende Transparenz

Dass nicht alles rund um die Bohrungen transparent ist, machen die Mitglieder der BI auch an der Dokumentation der Quecksilberbelastungen fest. „Bei Bohrpunkt 42 südlich der Kösseine wurde durch die Firma Tennet die Quecksilberkonzentration der Bohrung auf Nachfrage des Landratsamtes nicht mitgeteilt. Nur die Aussage, dass Quecksilber vorhanden ist.“ Erst die BI hat nach Angaben deren Mitglieder das Landratsamt gebeten, den genauen Wert anzufordern. „Dem Landratsamt wurde schließlich am 23. November 2021 das Ergebnis mitgeteilt. Hier fehlt die Untersuchung des Mutterbodens. Was ist mit den Werten von null bis ein und von drei bis zehn Metern Tiefe? Das Fehlen dieser Werte hatten wir bereits per Mail dem Landratsamt mitgeteilt.“

Nicht nur wegen des Quecksilbers im Boden sorgen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative. Auch dass in unmittelbarer Nähe der Bohrungen ein Biber seinen Bau hat, beschäftigt sie. „Auf Nachfrage bei einem Facharbeiter der Bohrfirma, ob ihm bekannt sei, dass sich hier in der Nähe ein Biberbau befindet, war dieser ganz überrascht. Die Firma Tennet scheint es nicht für nötig zu halten, beauftragte Firmen auf die wichtigen Gegebenheiten vor Ort hinzuweisen“, ärgern sich die BI-Aktivisten.

Forderung: Stromtrassenbau stoppen

Letztlich fordert die Bürgerinitiative Brand, den Stromtrassenbau durch das äußerst sensible Gelände zu stoppen, und schreibt: „Die Bundesnetzagentur hat bei der Festlegung des Trassenkorridors das Kriterium Quecksilber außer Acht gelassen, obwohl die BI Brand stets mit Nachdruck darauf hingewiesen hatte. Eine Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Wir erwarten von allen Beteiligten, dass endlich gehandelt wird.“ red

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