Schwierige Zeiten für Betriebe Leben mit der Baustelle

Der Blick aus dem Eingangsbereich des Cafés „Schwarzer Peter“ ist nicht gerade malerisch. Die Betreiber der Kaffeerösterei Peter und Cornelia Liebscher bringt die Baustelle in Bedrängnis. Foto: Andreas Godawa

Für Peter und Cornelia Liebscher ist der Umbau des Goetheplatzes ein Problem. Zwar fühlen sie sich von der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister gut betreut, nichtsdestotrotz fehlt ihrer Café-Rösterei „Schwarzer Peter“ die Laufkundschaft.

Schwierig, sehr schwierig.“ Peter Liebscher ist kein Mann, der zu Übertreibungen neigt. Dennoch bereitet ihm die Situation am Goetheplatz zurzeit großes Kopfzerbrechen. Seit Beginn der Bauarbeiten fehlt dem „Schwarzen Peter“ im Bahnhofsgebäude ein erheblicher Teil der Kundschaft. Und das bringt ihn und seine Frau Cornelia zwar noch nicht direkt in Existenznöte, dennoch ist die finanzielle Situation alles andere als beruhigend.

Laufkundschaft fehlt

Es ist vor allem die Laufkundschaft, die dem Betreiber-Ehepaar weggebrochen ist – und mit ihr etwa ein Drittel des Umsatzes. „Einfach vorbeifahren und einen Kaffee holen, das geht im Moment nicht“, sagt Cornelia Liebscher. Seit die Stadt mit den Arbeiten zum Umbau des Goetheplatzes zu einem Kreisverkehr begonnen hat, gibt es keine direkte Zufahrtsmöglichkeit zu der Kaffeerösterei und dem Café.

Lamentieren wollen die beiden Liebschers beileibe nicht. „Viele glauben aber inzwischen, wir hätten zugemacht.“ Das stimmt natürlich nicht. „Wir sind da. Solange es Kaffee gibt, sind wir hier“, sagt Peter Liebscher und lächelt ein wenig gequält.

Kreisverkehr ergibt Sinn

Der Stadt Selb und ihren Plänen für den Kreisverkehr steht das Ehepaar durchaus positiv gegenüber. Ihrer Meinung nach ergibt der Kreisverkehr an dieser Stelle vor dem Hintergrund der zu erwartenden Besucherströme durchaus Sinn. „Es ist auch nicht so, dass wir von der Stadt alleingelassen werden“, sagt Cornelia Liebscher. Sie könnten jederzeit anrufen und um Rat fragen. Auch direkt bei Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. Nichtsdestotrotz braucht das Café Kunden, um überleben zu können.

Immerhin war der Start für die Liebschers nicht gerade optimal. Im Dezember 2020 hat Peter Liebscher das erste Mal geröstet, dann Kaffee to go angeboten und im Frühjahr 2021 das Café eröffnet. Doch die Corona-Pandemie und die damit erzwungene Schließung beziehungsweise die angeordneten Auflagen erschwerten den Start beträchtlich.

Aus den Augen ...

„Wir haben sehr viel Geld und Arbeit in die Räume gesteckt“, sagt Peter Liebscher, der in Selb aufgewachsen ist, in Regensburg sein Handwerk gelernt hat, 2019 mit seiner Familie wieder in die Porzellanstadt gezogen ist und zusammen mit seiner Frau 2020 das Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes gemietet hat. Dort haben die beiden eigenhändig 120 Fensterflügel restauriert.

Das größte Problem lasse sich, sagen sie, an einer Volksweisheit festmachen: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Dazu kommen die Gerüchte, die sich in Selb in Bezug auf das Bahnhofsgebäude verbreitet haben. Das 1914 eingeweihte Bahnhofsgebäude steht nämlich zum Verkauf. Der Inhaber, die Bayerische Liegenschaften GmbH in Erding, bietet das Gebäude über die „Sell & Lease Immobilien“, die unter der gleichen Adresse firmiert, im Internet zum Kauf an – zum Preis von 399 000 Euro.

Langfristigen Mietvertrag

Dieses Verkaufsangebot macht Peter und Cornelia Liebscher allerdings die geringsten Sorgen: „Wir haben einen langfristigen und abgesicherten Mietvertrag.“

Dennoch plagen Peter Liebscher durchaus Existenzängste. „Wir sind ja kein Großunternehmen, das zur Überbrückung Kredite aufnehmen kann.“ Und die Rücklagen sind nach den Corona-Jahren fast aufgebraucht. Zwei bis drei Monate zu überbrücken, wäre kein Problem, „aber ein ganzes Jahr ...“

Deshalb versuchen die Liebschers, sich und ihr Café soweit möglich neu auszurichten. „Wir gehen vermehrt ins Catering“, sagt Cornelia Liebscher. So wird der „Schwarze Peter“ die Bewirtung bei der 113. Werkschau der Absolventen der Fachschule für Produktdesign übernehmen, die am 15. Juli in den früheren Verkaufsräumen von Rona-Glas in der Heinestraße stattfindet. Dazu gibt es gleich am Tag darauf einen Auftritt der „Abteilung 36“, einem DJ-Kollektiv aus Weiden im Bahnhof. Auch die Öffnungszeiten im „Schwarzen Peter“ wollen die Liebschers anpassen und etwas nach hinten verschieben: Mittwoch und Donnerstag bis 21 Uhr, am Freitag und Samstag bis 24 Uhr. „Damit wollen wir versuchen, die Verluste wettzumachen.“ Beiden ist aber bewusst, dass das Schadensbegrenzung ist.

Thema im Stadtrat

Auch Sven Seidel, Inhaber des Bosch Car Service, sieht die Notwendigkeit des Kreisels ein. Und auch er hofft auf positive Effekte nach der Fertigstellung. Allerdings fehlt auch ihm die Laufkundschaft – vor allem in der Waschanlage. „Die Leute fahren halt nicht vorbei und sehen, dass ein Abteil frei ist.“ Die laufenden Kosten aber bleiben.

Die Baustelle Goetheplatz war auch Thema im Stadtrat. Kai Hammerschmidt und Roland Graf machten auf die Probleme der umliegenden Gastronomie und Betriebe aufmerksam. Das Problem sei bekannt, hielt Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch dagegen. „Wir stehen mit den Anliegern der Baustelle in engem Kontakt.“ Natürlich werde man bei Bedarf nachjustieren und den Betroffenen weiter zur Seite stehen – etwa mit Hinweisen an der Straße. „Das allein reicht aber nicht. Wir müssen auch hingehen“, warb der OB. Erreichbar seien die Gaststätten und Betriebe ja weiterhin. Zwar nicht mit dem Auto, aber von den Parkplätzen in der Nähe zu Fuß. „Die Unternehmer brauchen unsere Unterstützung.“

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