Semesterprojekt Die Region soll smarter werden

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Die Zukunft wird überall digitaler. Das wird auch Kommunen dazu auffordern, sich in vielerlei Hinsicht neu aufzustellen. Foto: dpa/Jens Büttner

Das Leben in den Städten und Gemeinden wandelt sich. Studierende der Hofer Hochschule überlegen, wie man den Veränderungen mit praktischen Ideen begegnen kann. Die Politik lauscht interessiert.

Wie „smart“ kann die Stadt der Zukunft sein? Studierende der Hochschule Hof am Campus Münchberg hatten innerhalb des Semesterprojektes „Stadt der Zukunft“ eine Informationsveranstaltung über die kommunalen Strukturen und Prozesse einer Stadt und außerdem die Möglichkeit, direkt mit führenden Lokalpolitikern zu sprechen. Am konkreten Beispiel der Stadt Münchberg präsentierten die Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign zudem ihre Ideen für eine intelligente Region und Stadt der Zukunft, die sich attraktiv für junge Menschen präsentiert und Gründern ein geeignetes Umfeld bietet.

Landrat Oliver Bär und Münchbergs Bürgermeister Christian Zuber zeigten sich von vielen Ideen begeistert und wollen einige Pilotprojekte aufgreifen. Eingeladen hatte Professor Norbert Diedrich, der an der Hochschule Hof seit knapp einem Jahr im Studiengang Kommunikationsdesign als Experte für Storytelling und User-Experience-Design lehrt. Sein Anliegen und das der Lehrenden Claudia Siegel und Michael Zöllner war es auch, dass sich die Studierenden konkret durch Projektentwicklungen mit der Zukunft ihrer Studienregion auseinandersetzen sollten. Das Team bearbeitete die Aspekte „Stadt im Wandel“, „Stadt im Dialog“ und „Stadt der Daten“ gemeinsam mit ihren Studierenden.

Chancen

Wandel und Leerstand als Chance: „Es ist ganz eindeutig, dass sich der Fachkräftemangel schon aus demografischen Gründen weiter verschärfen wird. Umso akuter ist die Frage, wie wir junge Menschen in die Region bekommen und dann halten. Dafür ist es am besten, wenn man sie selbst befragt“, sagte Norbert Diedrich über den Projektansatz. Und: „Jeder Strukturwandel und jeder Leerstand bietet vielerlei Chancen!“

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Impulsvortrag von Pia Beckmann, von 2002 bis 2008 Oberbürgermeisterin der Stadt Würzburg. Die promovierte Germanistin, die an der Universität Würzburg auch unter anderem „E-Government“ unterrichtete, betonte bei ihrem Thema „Stadt und Prozesse“ insbesondere die Wichtigkeit der Kommunalen Hochschule Hof – University of Applied Sciences Selbstverwaltung: „Hier sind eben nicht nur die Kommunen, sondern auch die Bürger gefragt – gerade in Zeiten des Wandels können und sollten junge Menschen mitdenken und mitgestalten“, sagte Beckmann. Gemeinsam gehe es für die Region darum, die Vision eines „Hofer Smartlands“ zu entwickeln. Dabei könne die Hochschule Hof als „Think Tank“ agieren, aber auch weitere Parameter wie günstige Ansiedlungspreise, niedrige bürokratische Hürden, die Anmietung von Leerständen für innovative Start-ups sowie die Schaffung von Co-Working-Spaces müsse gegeben sein, wenn man eine Gründerdynamik entfalten wolle.

Wie zum Beleg stellten die Studierenden ihre Semesterprojekte vor, die sich allesamt mit der Region und der Stadt Münchberg auseinandersetzen. In teilweise bereits weit entwickelten Anwendungen setzen sie sich dabei mit brisanten und herausfordernden Themen der Gegenwart und Zukunft auseinander: Müllbeseitigung, Energieverbrauch, eine 3D-Präsentation für aktuellen Leerstand, eine Sichtbarmachung von Funknetzwerken, die Schaffung eines digitalen Rathauses oder eine Datenanalyse zum ÖPNV wurden dabei ebenso umgesetzt wie eine App zur Findung des perfekten WG-Partners oder eine Plattform zur Präsentation besonders regionaler und nachhaltiger Produkte. Ein praktisches Engagement zeigten die Studierenden zudem in der Münchberger Lindenstraße, wo ein zuvor leer stehendes Ladengeschäft immer wieder mit Ideen und Ausstellungen zum Leben erweckt wurde. Die Stadt stellt diesen Laden den innovativen Studierenden zur Verfügung.

Erfindungsreichtum

Landrat Oliver Bär und Münchbergs Bürgermeister Christian Zuber zeigten sich ob so viel Erfindungsreichtum und Kreativität beeindruckt. Vieles davon beträfe direkt aktuelle Handlungsfelder der Kommunalpolitik und der Verwaltung. So stelle sich die Frage, welche Ideen man nun weiterführen und ausbauen könne. „Wir müssen auf beiden Seiten Wege finden, wie wir die richtigen Projekte auch dann weiterführen, wenn die Studierenden längst ihren Abschluss haben“, sagte Bär. Christian Zuber: „Wir werden schon in fünf bis zehn Jahren in teilweise stark veränderten Städten leben. Um dies in die richtigen Bahnen zu lenken, müssen wir schnellstmöglich zu einem regelmäßigen Dialog mit Forschung und Lehre und zu einer verlässlichen Zusammenarbeit für die Region kommen.“ Die Ideen der Studierenden seien auch für die Verwaltungen und die Stadtgesellschaft ein enormer Mehrwert, so die beiden Kommunalpolitiker unisono.

In der Diskussion wiesen die Studierenden auf bestehende Probleme bei Gründungen hin. So sei es mitunter schwierig, Vermieter von Leerständen zu überzeugen, auch an junge Gründer zu vermieten, die naturgemäß noch nicht so viele Sicherheiten zu bieten hätten. Hier brachte Landrat Bär die kommunalen Leerstandsmanager ins Spiel: „Bitte nehmen Sie in solchen Fällen mit uns Kontakt auf – wir vermitteln hier gerne und versuchen etwaige Probleme zu beseitigen. Wir sind absolut hungrig in dieser Region und wollen ihnen helfen!“

Weiter betonte Landrat Bär die Vielseitigkeit der hiesigen Kreativszene. Neben vielen bekannten Leuchttürmen der etablierten Kultur gebe es auch viele kleinere Keimzellen für Jugendkultur oder alternative Musik. Problem sei aber auch hier oft der Transport. „Es muss uns gelingen, in Zukunft einen bezahlbaren Transport für alle anzubieten. Als eine der ersten Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität will die Hochschule Hof nun prüfen, ob zwischen Hof und dem Campus Münchberg ein Car-Sharing für Studierende etabliert werden kann. red

 

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