Senivita Insolvenzverwalter: Übernahme unausweichlich

Senivita soll laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter ein „finanziell abgesichertes“ Unternehmen werden, ohne Schulden und Altlasten. Foto:Andreas Harbach Foto:  

Nachdem das Bayreuther Unternehmen Senivita Sozial AG Insolvenz angemeldet hat, macht der vorläufige Insolvenzverwalter Hoffnung: Arbeitsplätze bleiben, aber eine Übernahme steht bevor.

Bayreuth/Nürnberg - Nach der Insolvenz der Dr. Wiesent Sozial gGmbH spricht jetzt zum ersten Mal der vorläufige Insolvenzverwalter. Die Einrichtungen würden nicht nur weiterlaufen, sondern sollen auch zusammengehalten werden. „Es wird auf eine Übernahme hinauslaufen“, sagt der bekannte Nürnberger Anwalt Hubert Ampferl.

Es waren zwei Paukenschläge kurz nacheinander im Dezember. Zuerst wurde Horst Wiesent als Vorstands-Chef der Senivita Social Estate (SSE AG) gefeuert. Knapp zwei Wochen danach meldete die zweite Firma des Sozial-Unternehmens, die Dr. Wiesent Sozial gGmbH Insolvenz beim Amtsgericht in Bayreuth an. Das Unternehmen betreibt Seniorenheime sowie Kinderkrankenpflege- und Behinderteneinrichtungen. Zudem hält die gGmbH 49,99 Prozent der SSE AG, die sich auf Planung, Bau und das Betreiben von Pflegeeinrichtungen spezialisiert hat.

Zu den Hintergründen kann der vorläufige Insolvenzverwalter Ampferl nicht viel sagen – und darf es auch nicht. Denn noch ist Wiesent rechtlich als Geschäftsführer im Amt. Die Gehälter der Mitarbeiter sind gesichert. In der Dr. Wiesent Sozial werden aktuell 214 Mitarbeiter beschäftigt, sie erhalten bis Anfang März Insolvenzgeld. Bis dahin bleibt Ampferl der „vorläufige“ Insolvenzverwalter, wird quasi Chef des Unternehmens.

Sein erster Akt war es, die Einrichtungen zu besuchen und sich den Mitarbeitern vorzustellen. „Sie sollten verstehen, welche Situation eingetreten ist“, sagt er im Gespräch mit dem Kurier. Es sei außerdem sinnvoll zu sehen, „was die Mitarbeiter täglich leisten“. Außerdem wollte Ampferl ihnen „eröffnen“, welche Perspektiven in der Situation stecken. Die Sorgen um Arbeitsplätze sei unnötig, sagt er. Personal in der Pflege sei eh knapp und „Arbeitsplatzabbau kann ich mir nicht vorstellen.“ Er bat sogar die Mitarbeiter, „an Bord zu bleiben“. Auch für die in den Einrichtungen betreuten Menschen gab er Entwarnung: „Keine Sorge, eine optimale Betreuung ist sichergestellt, wir sind auch wirtschaftlich sehr stabil“ – auf Deutsch: Jeder werde so gut betreut wie bisher. Ampferls Ziel ist es, als „stabiler Arbeitgeber Perspektiven“ in einem Unternehmen zu bieten, das „finanziell abgesichert“ sei, „ohne Altlasten“ und „Schulden“. Eine Reduktion der Einrichtungen sei nicht geplant. Alles solle „so zusammengehalten werden, wie es ist“.

Das werde, sagte er wörtlich, „auf eine Übernahme hinauslaufen“. Welche der großen Anbieter das sein könnte, ob Rotes Kreuz oder Diakonie oder ein anderer, könne er nicht sagen.

Das gewichtigste Wort spricht in einem solchen Verfahren der Gläubigerausschuss, eine Art Abbild aller Gläubiger. Darin sitzen vom Betriebsrat über die Agentur für Arbeit und Banken auch die Vermieter der Einrichtungen. „Das ist das oberste Entscheidungsorgan“, sagt Ampferl. Mit diesem soll eine „Sanierungskonzept auf- und umgesetzt werden“. Mitte Dezember war bekannt geworden, dass für die Einrichtung St. Elisabeth in Pegnitz mit Seniorenwohnungen noch keine Mieten überwiesen waren. Die Einrichtung gehört zur SSE AG. Dies bestätigte der Verwaltungsbeiratsvorsitzende dem Kurier.

Wie es mit den Kapital-Anlegern weitergeht, ist unsicher. Denn die insolvente Sozial gGmbH ist zu 49,99 Prozent an der SSE AG beteiligt, bei deren Wandelanleihe es in den letzten Jahren mehrfach zu Verzögerungen bei Zins- und Darlehensrückzahlungen gekommen war. Darüber haben sich mehrere Anleger beschwert. Es geht um Schuldverschreibungen und Genussscheine. „Wie das insolvenzrechtlich einzuordnen ist, muss noch geprüft werden“, sagt Ampferl. Zumal die Genussscheine nach ihren Bedingungen als „nachrangiges“ Kapital gelten, also Forderungen, die hinter die Ansprüche der sonstigen Gläubiger zurücktreten müssten.

Ob Firmengründer Wiesent nach der Neuaufstellung der Unternehmen weiter mit an Bord sein wird, ist nach Informationen des Kuriers eher unwahrscheinlich. Es geht bei der Insolvenz auch nicht um justiziable Vorwürfe gegen ihn, es gibt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Hof auch keine Ermittlungen.

Die SeniVita Social Estate AG (SSE AG) und die Dr. Wiesent Sozial gGmbH sind zwei rechtlich voneinander getrennte Gesellschaften. Die Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Dr. Wiesent Sozial gGmbH hat keine Auswirkungen auf die SSE AG und deren Tochterfirmen. Der Geschäftsbetrieb der SSE AG wird uneingeschränkt fortgeführt. Die Versorgung der Bewohner ist in allen zwölf Einrichtungen der SSE AG sei sichergestellt, betonte Manfred Vetterl. Der Pegnitzer CSU-Stadtrat und Anwalt ist vorübergehend alleiniger Vorstand der SSE AG. Folgende Einrichtungen betreibt die SSE AG: Senivita Haus St. Antonius, Kemnath; Seniorenhaus St. Elisabeth, Pegnitz; Haus St. Florian, Hummeltal; Haus St. Johannis, Gefrees; Haus St. Lorenz, Königsberg. i. Bay.; Haus St. Lucia, Weidenberg; SeniVita Haus St. Marien, Altendorf; Seniorenhaus St. Martin, Baiersdorf; Seniorenhaus St. Vitus, Hirschaid; Elvivion Häuser in Emmering, Gernlinden und Maisach.

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